Hans Stuck schraubte auf dem Waldhof herum

Der bekannte deutsche Rennfahrer der 1920er und 1930er Jahre hat eine Zeit lang auf dem Familienanwesen in Schweighausen gelebt.

SCHUTTERTAL-SCHWEIGHAUSEN. Statt Kuhglockengeläut das Geräusch von Motoren – selbst heute wird das im Harmersbächle eher als störend empfunden. Um wie viel mehr muss das vor 90 Jahren der Fall gewesen sein, als die Bauern ihren Felder noch mit Pferde- oder Ochsengespannen bestellt haben, sonntags zu Fuß oder mit dem von Pferden gezogenen Berner Wägele zur Kirche gegangen sind. "Schuld" an diesen ungewohnten Geräuschen war Hans Stuck. Er hat 1920 den Waldhof übernommen. Sein Interesse an der Landwirtschaft ist indes nicht all zu groß gewesen. Deshalb hat er in der Scheune an seinen Autos – seiner großen Leidenschaft – herumgeschraubt und sie auch auf seinem Hofgut ausprobiert.

Der Mooghof im Harmersbächle, so hat er ursprünglich geheißen, war ein geschlossenes Hofgut, das im 17. Jahrhundert 123 Hektar groß war. Reinhard Krauß hat die Geschichte des Hofguts erforscht und aufgeschrieben und im Heimatbuch Schweighausen veröffentlicht. In den Besitz der Familie Stuck kam der Hof 1910. Nach dem Tod von Victor Freiherr von Villiez ging er an seine Schwester Maria über, die Mutter von Hans Stuck. Vater Wilhelm war Fabrikant in Waldkirch. Das Unternehmen hieß Firma Ringwald und Cie, Näh- und Seidenstickerei.

Wilhelm Stuck hat 1920 seinen 1900 geborenen Sohn Hans für volljährig erklären lassen, um die Verwaltung des Guts in Schweighausen übernehmen zu können. Fakten aus diesen Jahren sind kaum bekannt. Hans Stuck selbst hat die Jahre auf dem Geisberg in seinem 1939 in Berlin erschienenen Buch "Sekunden erobern die Welt" komplett ausgespart. So kann sich auch Reinhard Krauß nur auf eher Anekdotisches von Zeitgenossen berufen. So beispielsweise eine Wette Stucks mit einem Freund über ein Rennen vom Waldhof nach Haslach – im Rückwärtsgang; oder dass Stuck einen Lastwagen besaß, mit denen er seine Rennwagen transportierte; oder dass Schmiedemeister Roman Zehnle immer wieder erzählt hat, Hans Stuck habe bei ihm Pflüge anfertigen lassen und beim Abholen gesagt, der Vater werde bezahlen. Eine weitere Anekdote kann Wilhelm Erb beisteuern, der 1974 das Haupthaus des Hofguts gekauft hat. Danach soll Stuck bei einer Fahrt über die Wiese einmal die Batterie verloren haben. Säure sei ausgelaufen, ein Stück Vieh sei daran gestorben, worauf der Besitzer Hans Stuck verklagt haben soll. Auf jeden Fall hat Stuck das Waldhaus oberhalb des Haupthauses bauen lassen. Dort hat er seine ersten Rennwagen zusammengebaut.

Am 31. Januar hat die Gemeinde Schuttertal den Waldhof gekauft. Hans Stuck war schon vorher nach Oberbayern gezogen. 1925 hat er auch sein erstes Bergrennen in Baden-Baden gewonnen, der Beginn einer großen motorsportlichen Karriere, die Hans Stuck die Bezeichnung "Bergkönig" einbrachte. Auch gewann er eine Reihe von Rundstreckenrennen und Grand Prix und stellte mehrere Geschwindigkeitsweltrekorde auf, die zahllosen Siege bei Bergrennen – auch am Schauinsland – sind den Motorsportfans in Linie in Erinnerung geblieben. 1978 ist Hans Stuck in Grainau bei Garmisch-Partenkirchen gestorben. Dort ist 1951 sein Sohn Hans-Joachim geboren worden, der in die sportlichen Fußstapfen seines Vaters getreten ist. Ihn hat Wilhelm Erb nach dem Erwerb des Waldhofs einmal getroffen. Nachbarn haben ihm erzählt, dass sie den Sohn hin und wieder im Harmersbächle gesehen haben; dort wo sein Vater den Grundstein zu seiner Motorsportkarriere gelegt hat.

Am morgigen Sonntag wird verstärkt Motorenlärm im Harmersbächle zu hören sein. Um 11 Uhr startet eine Ausfahrt für Oldtimer bei der Traubenabnahmestelle Münchweier. Über Schmieheim, Kippenheim, Sulz, den Langenhard, den Schönberg, Biberach und Welschensteinach geht es ins Harmersbächle zum Waldhof. Gegen 12.30 Uhr werden die Teilnehmer dort erwartet. Gegen 14 Uhr geht es dann über den Streitberg, Münchweier und Ettenheimweiler nach Ettenheim. Dort wird gegen 16 Uhr beim Rathaus der Abschluss der Ausfahrt gefeiert.

von Theo Weber
am Sa, 15. Oktober 2011

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