Hebel mit lokalen Besonderheiten

Eine Wanderausstellung wird am Freitag im Markgräfler Museum eröffnet, ergänzt um dessen eigene Exponate.

MÜLLHEIM. Geschäftiger Umtrieb im Markgräfler Museum: Gleich für drei Ausstellungen sind die Vorbereitungen in vollem Gang, die in Kürze eröffnet werden. Sie alle stehen mehr oder weniger im Zusammenhang mit den Heimattagen. Zwei von ihnen verleihen diesen über den Tag hinaus anhaltende Wirkung. Neben der neuen Römerabteilung, die am Sonntag zusammen mit dem Römerweg eingeweiht wird, ist es die Wanderausstellung aus Anlass von Hebels 250. Geburtstag. Die dafür selbst zusammengetragenen Exponate reichern die hauseigene Sammlung an.

Die Sonderausstellung "Johann Peter Hebel. Bewegter Geist, bewegtes Leben" wurde im Lörracher Burghofmuseum konzipiert, an der vorbereitenden Arbeitsgruppe war auch der Müllheimer Museumsleiter Jan Merk beteiligt. Die Ausstellung wandert durchs ganze Land und war bis Sonntag noch in Schwetzingen aufgebaut, der Stadt, in der Hebel am 22. September 1826 im Haus seines Freundes Zeyher gestorben ist. In Müllheim kamen die Ausstellungsbestandteile am Sonntag an. Für die Eröffnung diesen Freitag im Markgräfler Museum bleibt den Mitarbeitern im Haus also nicht viel Zeit. Das Besondere daran: Das wandernde Grundgerüst der Ausstellung, bestehend aus Bild- und Texttafeln sowie Mitmachstationen, wird jeweils vor Ort um eigene Exponate ergänzt. In Müllheim sind das bildliche Darstellungen, Stiche und Drucke, sowie Bücher und einige Objekte. Besonders ins Auge sticht ein Gemälde von Karl Wolfsberger mit dem berühmten Motiv "Hebel und Markgräflerin", das im Hintergrund den Markgräfler Hausberg, den Hochblauen zeigt.

Noch beeindruckender aber ist eine schöne alte Hebel-Ausgabe, die eine Müllheimer Familie dem Museum überlassen hat. Sie stellt einen Bezug zu den dunklen Zeiten in Deutschland her. Eine jüdische Familie, die Müllheim verlassen musste, hat dieses Buch an Freunde zurückgeschickt, versehen mit einer Karte, auf der jene bedeutungsvollen Worte stehen, die Rolf Schuhbauer als Titel für sein Buch über das Schicksal jüdischer Mitbürger verwandt hat: "Nehmt dieses kleine Heimatstück". Für Museumsleiter Merk zeigt diese bedrückende Geschichte zugleich, welche Bedeutung die Menschen Hebel mehr als 100 Jahre nach seinem Tod beigemessen haben.

Die Ausstellung ist so konzipiert, dass sich die Besucher sehr schnell ein Bild von Johann Peter Hebel machen können – von seiner Vielseitigkeit und seinem Wirken. Die Texte, verfasst von dem Hebelexperten Franz Littmann aus Pforzheim, sind kurz bemessen, die Aufteilung ist übersichtlich. Im Markgräfler Museum wurde eine Zweiteilung vorgenommen. Gleich im Foyer treffen die Besucher auf die erste Station, die Hebels Lebenslauf und Lebensstationen zeigt. Im Dachgeschoss wird er in all seinen Facetten dargestellt: als Dichter, Kalendermacher, Briefschreiber, Naturfreund, Pädagoge, Theologe und Kirchenmann und so weiter. Daneben gibt es die sogenannten Mitmach-Stationen, an denen die Besucher sich spielerisch mit Hebel auseinandersetzen, zum Beispiel mit den von ihm verwandten alemannischen Ausdrücken, die heute nicht mehr unbedingt geläufig sind und für die man schon in früheren Ausgaben Übersetzungen ins Hochdeutsche für erforderlich hielt. Hier also kann man testen, ob man weiß, dass "visperle" flüstern heißt, "Schmutz" ein Kuss ist und "Stapfle" eine Stufe. An andrer Stelle können die Besucher sich darin üben, die Zeilen des Gedichtes "Das Gewitter" in Reihenfolge zu bringen, oder sich ihren eigenen Kalender nach der Machart des Rheinländischen Hausfreundes zu stempeln.

Die enge Kooperation des Markgräfler Museums und des Evangelischen Kirchenbezirks Breisgau-Hochschwarzwald für das Hebel-Programm rund ums Jahr ermöglicht am Freitag auch eine eher ungewöhnlich gestaltete Ausstellungseröffnung. Unter der Regie von Schuldekan Uwe Hauser stellt eine Gruppe Jugendlicher eine Hebelgeschichte szenisch dar und zeigt, was uns Hebel heute noch bedeuten kann. Die Arbeit mit den Jugendlichen, bei der auch ein Film entstanden ist, wird von der Baden-Württemberg-Stiftung gesponsert.

Eröffnung der Johann-Peter-Hebel-Ausstellung ist am Freitag, 3. September, um 19 Uhr in der Martinskirche, begleitet von der szenischen Darstellung "Hebel reloaded: Geschichten um Kannitverstan". Anschließend kann im Museum die Ausstellung bei einem Gläschen Wein besichtigt werden.
von Gabriele Babeck-Reinsch
am Do, 02. September 2010

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