"Heimat ist einfach Herzenssache"

Beim Tag der Heimat der Landsmannschaften wurde an bedeutende Persönlichkeiten der früheren Heimat erinnert.

LAHR. Die von Angela Karl vorgetragenen Erinnerungen an Schlesien unter dem Titel "Verwehte Spuren" sind die perfekte Überleitung gewesen für die Ansprache der BdV-Kreisvorsitzenden Irma Barraud: Über 40 Gäste waren zum Tag der Heimat gekommen, zu dem die Landsmannschaften der Siebenbürger Sachsen, der Schlesier und Sudetendeutschen, der Ost- und Westpreußen, der Banater Schwaben und der Deutschen aus Russland in den Aktienhofsaal eingeladen hatten.

Irma Barraud, die unter den Gästen auch Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller und die Landtagsabgeordnete Marion Gentges begrüßte, stellte in ihrer Ansprache die Frage, was denn eigentlich Heimat sei. Die Antwort gab sie selbst: "Der Begriff Heimat ist ein Mosaik aus Menschen und Sprache, aus vertrauten Landschaften und Brauchtum. Heimat hat Wurzeln – Heimat ist einfach Herzenssache." In Anlehnung an die Ansprache der Wissenschaftsministerin Theresia Bauer bei den Waldkircher Heimattagen ergänzte Barraud: "Wenn sich Menschen für ihr Gemeinwesen engagieren, dann schaffen sie Heimat."

Damit dieses gelingen kann, müsse das diesjährige Jahresleitwort des Bundes der Vertriebenen "Unrechtsdekrete beseitigen – Europa zusammenführen" jedoch umgesetzt werden. Dieses Leitwort bringe auch die Interessen der Landsmannschaften zum Ausdruck, denn Vertriebene und Spätaussiedler ständen für ein vereintes Europa – aber auch für Gerechtigkeit", betonte die BdV-Kreisvorsitzende.

Oberbürgermeister Müller und Marion Gentges würdigten in ihren Grußworten das Engagement der Landsmannschaften für das Wachhalten der Erinnerungen an die alte Heimat und begrüßten deren Mitwirken bei der Gestaltung der neuen Heimat in Stadt, Kreis und Land.

Im Verlauf der Veranstaltung erinnerten die einzelnen Landsmannschaften an bedeutende Personen, welche die alte Heimat hervorgebracht hat. Hierfür haben sich Irma Barraud mit dem in Ostpreußen geborenen Prediger-Poeten Johann Gottfried Herder und Antje Heim mit der Biografie der in Böhmen geborenen Bertha von Suttner befasst, die 1905 als erste Frau den Friedensnobelpreis erhalten hatte. Peter Frank streifte die Lebensgeschichte des in Niederschlesien geborenen langjährigen Leiters des Gewandhausorchesters in Leipzig, Kurt Masur. Irma Barraud widmete die ihr bei den Heimattagen 2018 in Waldkirch verliehene Heimatmedaille des Landes den langjährigen Gestaltern, Organisatoren und Teilnehmern am Tag der Heimat in Lahr – auch jenen, die die nicht mehr dabei sein könnten.

Am Tag der Heimat gedachten die Anwesenden des im März diesen Jahres verstorbenen Mitglieds Karl-Heinz Scholz. Irma Barraud würdigte sein Wirken im Vorstand des Bundes der Vertriebenen und als Vorsitzender der Schlesier-Landsmannschaft in der Kreisgruppe Lahr.

Nachruf auf Karl-Heinz Scholz

"Die Arbeit für sein Heimatland sowie das Mitwirken beim Tag der Heimat und der Gedenkfeiern am Volkstrauertag sind für ihn Aufgabe und Verpflichtung zugleich gewesen", sagte Barraud. Sein fundiertes Wissen, insbesondere um das schlesische Kulturerbe, über die Landsmannschaft und die dort beheimateten Menschen habe bei den Tagen der Heimat über Jahrzehnte hinweg Landsleute und Schicksalsgefährten beeindruckt. "Er hat in den Landsmannschaften eine große Lücke hinterlassen", schloss die BdV-Vorsitzende ihren Nachruf auf Karl-Heinz Scholz.

Der Tag der Heimat in Lahr wird seit vielen Jahren von der Kreisgruppe Lahr der Vereinigten Landsmannschaften im Bund der Vertriebenen (BdV) organisiert. Die Feierstunde wurde von Andriy Sluka auf dem Akkordeon und von Antje Heim mit Liedvorträgen ausgeschmückt.
von Reiner Beschorner
am Mi, 26. September 2018

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