Landesfesttage

Heimattage: Festumzug mit Markgräfler Prägung

Wie erwartet, erfüllte das Wetter im Markgräflerland alle Erwartungen und bescherte dem Landesfestumzug Sonnenschein. Der Wolkenschieber, wie der Hohenloher Schaufelhut auch genannt wird, musste also nicht bemüht werden.

MARKGRÄFLERLAND. Mit vielen eigenen Wagen und Gruppen definierten die Heimattage-Gemeinden den Festumzug auf neue spannende Weise. Den Zuschauern gefielen diese unerwarteten Tupfer im Landesfestzug.

Der Landesfestumzug hat mit den Heimattagen im Markgräflerland eine neue Prägung erhalten. Schade, dass dies nur höchstens 8000 Zuschauer (nach Schätzung der Polizei) zur Kenntnis genommen haben. Unter die Trachtenträger, Bürgerwehren, Volkstanzgruppen, Fahnenschwinger und Fanfarenzüge mischten die Markgräfler mangels eigener Trachtentradition Römer und Malteser, teils hoch zu Ross, aber auch Bauersleute und Marktfrauen zu Fuß und gar barfuß. Mathias von Neuenburg war ebenso dabei wie das Fräulein von Neuenfels aus Britzingen mit Gesinde. Feldberg steuerte das Paradies mit (Hans) Adam und Eva bei, Müllheim den Müller vu Mülle, Buggingen zeigte eine kleine Seifenkistenparade, die Auggener ließen mit dem Auggener Viertele, das einen halben Liter fasst, die Augen der Schwaben übergehen. Das Schaufenster wurde weit geöffnet und das Markgräflerland spielte mit fast der Hälfte von insgesamt 78 Gruppen seinen ganz eigenen Part dabei mit Geschichte und Gewohnheiten, Arbeit und Alltag, Wein und anderen Genüssen Viel Musik trug dazu bei, dass der stark eineinhalb Stunden dauernde Zug kurzweilig blieb.

Als er um 14 Uhr mit 2600 Teilnehmern, ausgehend vom Bürgerhaus, durch die Haupt- und die Werderstraße auf dem Markgräfler Platz ankam, saßen die Ehrengäste schon ein dreiviertel Stunde auf den beiden Tribünen. Die Fernsehregie wollte es so. Für die Übertragung musste derweil der Feldberger Musikverein mehrfach das Hochbadner Lied spielen. Angeführt von der Müllheimer Stadtmusik bildeten Fahnenschwinger mit der Landesflagge sowie Fahnen vergangener Heimattage-Städte, Kindergruppen aus Müllheim, Auggen und Neuenburg, die das Motto "Heimat der Sinne" darstellten, die Spitze. Ihnen folgten die Kutschen mit den ganz hohen Ehrgästen: Staatsminister Helmut Rau mit Gattin, der Vorsitzende des Landesausschusses für Heimatpflege, Erich Birkle, der am Sonntagmorgen für zwei weitere Jahre in diesem Amt bestimmt wurde, und die Heimattage-Bürgermeister. Einer unter ihnen tanzte aus der Reihe: Imperator Jürgen Ehret aus Heitersheim – diesmal stilecht in Sandalen – entstieg eine Weile später dem römischen Streitwagen, um exakt ins Interview zu platzen, das SWR-3-Moderatorin Sonja Schrecklein gerade mit dem Müllheimer Bürgermeister René Lohs führte.

Die Heimattage im Markgräflerland haben mit den Landesfesttagen ihren Zenit überschritten, auch wenn einige Veranstaltungen noch folgen. So ging die Heimattagefahne gestern in den Besitz der Stadt Bühl über, die die Heimattage 2011 ausrichtet. Motto: Zwischen Zwetschge und Zukunft. Festgehalten wurde beim Sonntagvormittagsempfang in der Martinskirche, dass das Markgräflerland einen tiefgehenden Eindruck hinterlassen hat. Das war auch bei den Gesprächen unter den offiziellen Festgästen zu hören, die überraschende Kenntnisse über die Region gewonnen haben – gerade auch über die Gastfreundschaft, die Vorzüge von Natur und Klima und die kulturelle Vielfalt. Von der "tollen badischen Küche" schwärmte die Badenerin Anita Ellinger vom Bund Heimat und Volksleben, die zusammen mit dem Schwaben Reinhold Frank vom Landesverband der Heimat- und Trachtenverbände den Umzug moderierte.

Der Empfang in der Martinskirche war auch die Stunde des Danks rundum, der Heimattage-Gemeinden an die unterstützenden Kräfte von Staatsministerium, dem Landesausschuss für Heimatpflege und dem Landesverband der Heimat- und Trachtenverbände und umgekehrt. Dank und Anerkennung gab es auch für die Mitarbeiter der Heimattage-Geschäftsstelle, der anderen teilnehmenden Kommunen und die "vielen guten Geister" auch aus Reihen vieler Vereine, wie Bürgermeister Lohs sagte, die hinter den Kulissen für den Fortgang der Dinge und einen reibungslosen Ablauf des Umzugs sorgten.

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von Gabriele Babeck-Reinsch
am So, 12. September 2010 um 20:39 Uhr

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