Südbadener in Rio (18 und Schluss)

Helen Grobert ist die Nummer zwei beim Cross-Country

Die Mountainbikerin Helen Grobert aus Remetschwiel ist neben Altmeisterin Sabine Spitz die zweite deutsche Starterin im Olympischen Mountainbike-Rennen am vorletzten Tag.

FREIBURG. Es war ein verflixt enges Rennen – die Entscheidung fiel, bildlich gesprochen um Reifenbreite. Drei südbadische Kandidatinnen gab es für deutsche Team bei den Olympischen Cross-Country-Wettbewerben – aber nur zwei Starplätze. Am Ende machte die dreifache Medaillengewinnerin Sabine Spitz (Murg-Niederhof) und die Olympia-Debütantin Helen Grobert (Remetschwiel) das Rennen – auf der Strecke blieb die zweifache Olympia-Starterin Adelheid Morath (Freiburg).

"50:50" hatte Helen Grobert sie ihre Chance im Duell mit "Adel" Morath eingeschätzt. "Wir haben beide gut abgeliefert und es denen nicht leicht gemacht", sagt die in Freiburg lebende und in Todtnau-Fahl stationierte Sportsoldatin. "Denen", das waren Sportdirektor Patrick Moster vom Bund Deutscher Radfahrer und Bundestrainer Peter Schaupp, die sie am 12. Juni telefonisch über ihren Startplatz für Rio informierten. "Überglücklich" sei sie gewesen, an diesem Sonntagabend. Ich bin mit einem Lächeln auf dem Gesicht eingeschlafen", sagte die 24-Jährige, die auch eine künstlerische Ader hat. "Ich freue mich sehr auf das was kommt." Sie habe auch mit einer Absage rechnen müssen, "aber daran wollte ich nicht denken".

Die Nominierung war für die deutsche Meisterin von 2015 und Vizemeisterin 2016 die Bestätigung "für was ich die ganze Zeit so hart gearbeitet habe". Hart arbeiten wird sie auch am vorletzten Tag der Olympischen Spiele am 20. August müssen, wenn sie um 17.30 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit in ihr bisher bedeutendstes Rennen startet – der Zieleinlauf wird für 19.30 Uhr erwartet. Denn die 5400 Meter lange, künstlich angelegte Strecke im Deodoro-X-Park von Rio de Janeiro gilt mit ihren buchstäblich steinigen Passagen, den topographischen Hindernissen sowie steilen Abhängen und Anstiegen als durchaus anspruchsvoll. Entworfen wurde sie von Nick Floros, der auch den Olympia-Kurs von Olympia in London 2012 verantwortlich zeichnete. Und diesem ähnelt nun der Kurs von Rio auch.

"Es ist für Jeden etwas dabei," kennzeichnete der Kirchheimer Manuel Fumic, der mit dem Freiburger Moritz Milatz das deutsche Männer-Team bildet, nach einem Testlauf im vergangenen Oktober die Strecke. Das heißt, Allrounder könnten auf der relativ "schnellen" Strecke im Vorteil sein. Vielleicht war das auch der Tick, der bei der Nominierung den Ausschlag zugunsten der 1,74 Meter großen Grobert gab.

Moster hatte die Entscheidung etwas schwammig mit einem "Gesamtpaket", bestehend aus den bisherigen Leistungen und unter Berücksichtigung der "Anforderungen in Rio" begründet. Dass die 58 Kilogramm leichte Grobert mit der Strecke im olympischen Bike-Park besser zurecht kommen könnte als Morath, deutete auch Schaupp an.

Die Strecke in Rio habe "kurze, knackige Anstiege und Abfahrten, auf denen man sich sehr schnell bewegen muss. In dieser Hinsicht und auch in der wichtigen Startphase erkennen wir Vorteile für sie", sagte der Bundestrainer . Zudem habe Grobert "über zwei Jahre eine sehr stabile Leistungsabgabe gezeigt, mit positiven Ausschlägen nach oben". Ein anderer Aspekt ist zum Beispiel die Fähigkeit, bei Groß-Ereignissen das Maximum abzurufen. "Es war die schwierigste Entscheidung seit Jahren", bekannte Moster.

Und was kommt nun bei der sportlichen Entscheidung heraus, nachdem die schwierige personelle Entscheidung gefallen ist? Eine Platzierung unter den ersten Acht könnte für Helen Grobert im Bereich des Möglichen liegen. Dann würde sie die Schlussfeier sicher mit einem Lächeln verfolgen.

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von Claus Zimmermann, Erhard Goller
am Di, 02. August 2016 um 22:01 Uhr

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