OB-Wahl Rheinfelden

Helmut Moser: „Lasst uns die Gräben wieder zuschütten“

Freude und Niedergeschlagenheit bei den Partys von Wahlsieger Klaus Eberhardt und der unterlegenen Kandidaten Cornelia Rösner.

RHEINFELDEN (ger/hann/mtp). Während die Stimmung bei der Party des designierten Oberbürgermeisters Klaus Eberhardt (SPD) in der "City Lounge" im Laufe des Sonntagabends immer besser wurde, gab es im "Danner" einige hundert Meter weiter lange Gesichter. Dort traf sich der Unterstützerkreis der unterlegenen Cornelia Rösner und viele Kommunalpolitiker der CDU, die sich für die parteilose Kandidatin ausgesprochen hatte.

Es gab allen Grund zur Freude bei den Anhängern Eberhardts und dem Wahlsieger. Die Sektgläser klirrten ununterbrochen, überall wurde angestoßen: "Auf den neuen Oberbürgermeister von Rheinfelden." In ausgelassener Atmosphäre feierte Eberhardt mit seiner Familie, seinen Unterstützern und natürlich der SPD seinen klaren Sieg. Auch Oberbürgermeisterkandidat Klaus Springer kam überraschend dorthin. Er unterhielt sich ausgelassen und zeigte, dass er sich von der verlorenen Wahl nicht die Laune vermiesen ließ. Eberhardt nahm sich auch nach dem Wahlkampf die Zeit, lange Gespräche mit seinen Wählern über die Zukunft Rheinfeldens und die vergangenen aufregenden Wochen zu führen. Bis spät abends hörte man die fröhlichen Gespräche und klirrenden Gläser aus der City Lounge in der Fußgängerzone.

Persönlich verletzt zeigte sich Rösner im Kreise ihrer Unterstützer, die über die Höhe des Wahlsiegs Eberhardts und die geringe Wahlbeteiligung erschrocken waren und ihrer Kandidatin versuchten Trost zu spenden. Mit einer Niederlage müsse man als Kandidat zwar rechnen, aber nicht in dieser Weise, betonte Rösner, denn: "Ich habe hier erlebt, wie man mit Gerüchten eine Wahl gewinnt." Sie war sehr enttäuscht: "Ich habe nicht gedacht, dass die Rheinfelder sich von gestreuten Gerüchten beeinflussen lassen würden."

Die Sorge, mit ihr als OB und ihrem Mann, der beruflich im Baugeschäft tätig ist, könnte es bei Grundstücksangelegenheiten der Stadt womöglich unsauber zugehen, habe das Votum der Wähler entscheidend beeinflusst. Diese Meinung war bei den Gesprächen nach der Wahl im "Danner" vorherrschend. Nach einem Erinnerungsfoto löste sich die Gesellschaft gegen 21.30 Uhr auf.

Unter den CDU-Mitgliedern wurde vereinzelt Eigenkritik geübt. Die missglückte Suche nach einem eigenen Kandidaten habe neben der Verflechtung Rösner mit der Immobilienbranche zum deutlichen Wahlergebnis, mit dem scheinbar niemand unter den Wahlkampfhelfern gerechnet hatte, beigetragen. Mutmaßlich habe die SPD ihre Wähler besser mobilisiert. Jedenfalls stehe fest, dass Rösner ihr "Heimvorteil" nicht geholfen habe und sie auch nicht von der wieder einmal aktuellen Diskussion um eine Frauenquote in Führungspositionen profitierte.

Stadtrat Dieter Meier (CDU) bedauerte: "Cornelia wäre eine gute Oberbürgermeisterin geworden." In Eberhardt sieht er aber einen Fachmann, der sich für die Interessen von und für Rheinfelden leiten lassen wird. Diese Überzeugung teilte Helmut Moser: "Lasst uns die Gräben wieder zuschütten, die während der Wahl ausgehoben wurden." Es gehöre schließlich zur Demokratie, sich als faire Verlierer einer Wahl zu zeigen.

Als Katastrophe bezeichnete Stadtrat Eckhart Hanser (CDU) die Wahlbeteiligung von nur 44,8 Prozent. Die Stadträtin und Hertener Ortsvorsteherin Sabine Hartmann-Müller (CDU) kommentierte diese als erschreckend. CDU-Stadtverbandsvorsitzender Ralf Oldenburg haderte in diesem Zusammenhang, in anderen Ländern würden Menschen für ihr Wahlrecht sogar kämpfen. "Die Nichtwähler zeigen, wie egal ihnen das Wohl der Stadt ist", zeigte sich Ferdinand Schusser enttäuscht.

Rösner wird am Mittwoch wieder ihre Arbeit als Leiterin des städtischen Amts für Familie, Jugend, Senioren und Soziales aufnehmen und versuchen, bis dahin die Niederlage zu verarbeiten. Ob ihr dies gut gelingen wird? Unter dem frischen Eindruck des Wahlergebnisses meldete sie Zweifel daran an.
von ger, hann, mtp
am Di, 24. April 2012

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