BZ-Weihnachtsserie

Herz-Jesu-Pfarrkirche in Stegen:Wie aus einem Guss

BZ-WEIHNACHTSSERIE: Die Orgel der Herz-Jesu-Pfarrkirche in Stegen passt optimal zu dem Raum.

STEGEN. Kleider machen Leute. Kleider können aber auch Laute schlucken. Zum Beispiel in der Kirche. Der Organist muss dann "volles Werk" spielen, um sich im voll besetzten Kirchenschiff Gehör zu verschaffen. Dieter Agricola, Organist der Herz-Jesu Pfarrkirche in Stegen, erklärt das Phänomen der Akustik und weiß genau, was zu tun ist, damit sein Orgelspiel die beste Wirkung erzielt. Die Orgel in Stegen bietet die besten Voraussetzungen dazu, denn sie ist perfekt auf die Herz-Jesu Kirche abgestimmt.

Beide wurden 1980 eingeweiht, die Kirche im September, die Orgel nur einen Monat später. Die Harmonie kommt also nicht von ungefähr, sondern ist das Ergebnis diffiziler Planung, die sich auch intensiv mit den architektonischen Gegebenheiten vor Ort auseinandersetzen musste. Hand in Hand mit der Orgelbaufirma Mönch aus Überlingen arbeitete seinerzeit ein wahres Expertengremium an der Konzeption der Orgel, darunter der Erzbischöfliche Orgelinspektor Hans Musch, der auch bei der Planung anderer Orgeln im Dreisamtal federführend war. Besonderheit in Stegen ist, dass die Gesamtanlage der Orgel (die Disposition), das äußere Erscheinungsbild (Prospekt), Klang und technische Konstruktion eine Einheit bilden. So erscheint sie wie aus einem Guss. "Diese Orgel hat alles, was man zur Begleitung eines Gottesdienstes braucht", bestätigt Organist Agricola. Und noch ein wenig mehr. Denn manchmal liebt er es, kleine Überraschungen in sein Spiel einzubauen, zum Beispiel an Weihnachten, wenn er ein Register zieht, das einen Dudelsack imitiert und so den Hirten an der Krippe einen ziemlich authentischen im Schotten-Soundtrack verpasst.

Bis 1980 die erste Weihnachtsmesse mit Orgelbegleitung in der neuen Harz-Jesu Kirche gefeiert werden konnte, musste ein regelrechter Marathon bewältigt werden. "Nach der Ausarbeitung zahlreicher Detailpläne, die den verschiedenen Fertigungsstätten zugeleitet wurden, entstanden aus Edelhölzern Windladen und 1466 Pfeifen, aber auch das massive Orgelgehäuse...", berichtet Orgelbaumeister Peter Mönch. Im Mai 1980 reiste sogar eine Delegation aus Stegen nach Überlingen, um den Stand der Arbeiten zu begutachten. Zu diesem Zweck hatte man die Orgel in den Werkstätten des Orgelbauers komplett aufgebaut. Danach wurde sie wieder zerlegt, nach Stegen transportiert und dort an ihrem endgültigen Standort aufgestellt. Anschließend musste sie von den Experten noch so intoniert werden, dass der Klang in einem optimalen Verhältnis zum Raum stand. Wieder ein diffiziles Geschäft. Doch das ist offensichtlich sehr gut gelungen.

Agricola kann von sich behaupten, dass er nahezu alle Orgeln im Dreisamtal kennt und auch bespielt hat, denn er hilft in viele Pfarreien aus. Für die solide Orgel in Stegen ist er voll des Lobes. "Der Klang ist sehr ausgeglichen und rund". Und – vor allem – sie ist zuverlässig. Denn der Albtraum eines jeden Organisten ist, wenn die Mechanik hängenbleibt. Dann wird aus dem Ton ein Heuler und mit dem Klanggenuss ist es vorbei. Für flüchtige Zuhörer ist das zwar nur eine kurze Irritation, für sensible Ohren sind die Heuler jedoch fast schon schmerzhaft.

von Barbara Riess
am Do, 11. Dezember 2014

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