Hilfe für einsame Samtpfoten

BZ-SERIE:Die Kenzingerin Renate Benz kümmert sich seit 25 Jahren um verwahrloste Katzen.

KENZINGEN. Der Adventskalender darf in der Vorweihnachtszeit in vielen Haushalten nicht fehlen. Jeden Tag wird ein Türchen geöffnet, hinter dem sich ein Bild oder etwas Süßes verbirgt. Auch die BZ-Redaktion, die Presse-AG und die AG "Journalistisches Arbeiten" des Gymnasiums Kenzingen öffnen bis Weihnachten Türen in der Region und erzählen, was sich dahinter verbirgt. Heute: das Katzenhilfsprojekt von Renate Benz in Kenzingen.

Die Tür zum Gartengrundstück geht auf. Dahinter befinden sich mehrere schön gestaltete Plätze, an denen im Frühling und im Sommer Blumen wachsen. An einer solchen Stelle sitzen zwei Katzen – eine ist aus Metal, die andere ist echt. Sie lebt wie mehrere andere Katzen bei Renate Benz. In drei kleinen, mit liebevollen Details dekorierten Holzhütten sind die Tiere untergebracht. Darin stehen mehrere Styroporboxen, die mit Tüchern und Decken ausgelegt sind – Schlafplätze für die Katzen.

"Seit 25 Jahren kümmere ich mich hier um hilfsbedürftige Katzen", sagt die Kenzingerin. Fünf Katzen haben da schon ihre Stimme gehört und gehen zu ihr. Für jede Katze hat Renate Benz etwas dabei: Sie füttert die Katzen mit dem Futter, das sich in ihrem Korb befindet. Einen Teil davon haben Kunden des Kenzinger Edeka-Markts in die dortige Futterspendebox gespendet. Renate Benz ist für derartige Unterstützung sehr dankbar. Sie spricht beruhigend auf die Katzen ein, manche kann sie sogar streicheln. "Nur mit Geduld und Fingerspitzengefühl kann man aus einer verwilderten Katze eine handzahme machen", erklärt Renate Benz.

Alle Katzen, die sie betreut, blieben aus unterschiedlichen Gründen alleine zurück, vereinsamten und verwahrlosten. Die Besitzerin von Katze Bubu zum Beispiel ist gestorben, erzählt Renate Benz. Die weiß-graue Katze lebte alleine auf einem Gartengrundstück. Sie ließ sich nicht mehr anfassen, verwilderte. Renate Benz nahm sie bei sich auf, ging auf ihre Bedürfnisse ein und nahm Rücksicht auf ihre Eigenheiten. Wie auch die anderen Katzen in ihrem Projekt verlor auch Bubu dadurch die Scheu vor ihr.

Jeden Tag versorgt Renate Benz die Katzen morgens und nachmittags. Auf ihrem Grundstück beherbergt sie momentan mehrere Katzen, die sich alle auch außerhalb frei bewegen. Alle sind kastriert. "Die Katzen haben nie Streit", sagt Renate Benz. "Vielleicht ist es so, weil sie alle das gleiche Schicksal erlebt haben." Jede Katze, sagt sie, habe ihre eigene Geschichte. Morle, eine schwarze Katze, wurde in Herbolzheim zurückgelassen, als ihre Halter umzogen. Zunächst kümmerte sich eine Nachbarin um die Katze, dann kam sie zu Renate Benz.

Manchmal schafft die Kenzingerin, die seit 35 Jahren in der Boutique "Jochens Mode" arbeitet, es aus unterschiedlichen Gründen nicht, sich selbst um die Tiere zu kümmern. Deshalb helfen manchmal mehrere Freundinnen, ihr Mann und ihre Tochter mit. "Das ist alles nur mit großer Unterstützung möglich", sagt sie.

Es bereitet ihr große Freude, wenn sie sieht, dass die Katzen bei ihr wieder zu Kräften kommen, sich wohlfühlen und wieder zutraulich werden, damit sie an neue Besitzer vermittelt werden können. "Einst habe ich diese gezähmte Katze an eine Familie vermittelt", sagt sie und zeigt auf eines der Tiere – Amelie. "Nach ein paar Tagen kam sie wieder zurück und wollte einfach nicht weggehen, weil das hier ihr Platz ist, an dem sie leben möchte." Renate Benz lacht, während Amelie um ihr Bein streift. "Dass ich so viele Katzen haben würde, hätte ich nie für möglich gehalten", sagt die Kenzingerin. Sie fing mit der Hilfsaktion an, als sie vermehrt auf vereinsamte, verwahrloste Katzen in ihrer Umgebung aufmerksam wurde. Bald wurde es ein Ausgleich zum Beruf: Das Arbeiten an der frischen Luft und die Katzen liegen ihr am Herzen. Renate Benz sagt: "Die Stille im Garten ist, wenn man von Katzen umgeben ist, eine ganz besondere."

von Slava Esterkin (Klasse 7d)
am Mi, 19. Dezember 2018

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