"Hin zu mehr Qualität"

BZ-INTERVIEW mit Godehard Weithoff, der das Amt für Kirchenmusik in Freiburg leitet.

FREIBURG. Was vermutlich die wenigstens Gottesdienstbesucher ahnen: Selbst Kirchenmusik ist amtlich geregelt und wird verwaltet. Bei den Katholiken dafür zuständig ist in der Erzdiözese Freiburg das Amt für Kirchenmusik. Mit dem Leiter desselben, Diözesankirchenmusikdirektor Godehard Weithoff, hat sich BZ-Redakteurin Kathrin Blum über Nachwuchsorganisten, Orgelautomaten und den Zustand der Instrumente im Landkreis unterhalten.

BZ: Warum braucht Kirchenmusik so etwas Bü rokratisches wie ein Amt?
Weithoff: Wir sind für alle Fragen der Kirchenmusik zuständig. Unter unserer Aufsicht arbeiten 33 hauptamtliche katholische Kirchenmusiker im Erzbistum Freiburg und wir sind für die Aus- und Fortbildung nebenberuflicher Kirchenmusiker verantwortlich. Wir organisieren beispielsweise zweimal jährlich Ausbildungswochen für angehende und eine Fortbildungswoche für bereits aktive nebenberufliche Kirchenmusiker. Zu unseren Aufgaben gehören außerdem Vertragsangelegenheiten mit Kirchenmusikern.
BZ: Gibt es genügend Nachwuchsorganisten im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald?
Weithoff: In Studentenstädten haben wir prinzipiell eine höhere Nachfrage von jungen Leuten, die nebenamtliche Kirchenmusiker werden möchten. In Freiburg und Umgebung sind unsere Ausbildungskapazitäten sogar mehr als ausgelastet. In ländlichen Gebieten ist das anders. Die sogenannte C-Ausbildung erfordert ein hohes Zeitpensum – und genau diese Zeit haben viele Schüler heute nicht mehr. Leider ist deshalb in den vergangenen Jahren die Abbrecherquote dieser dreijährigen Ausbildung gestiegen.
BZ: Wie sieht die Versorgung mit Organisten in der Region generell aus?
Weithoff: In weiten Teilen des Landkreises sind wir gut aufgestellt. Allerdings gibt es im Hochschwarzwald Gemeinden, die keinen festen Organisten haben. Dort springen Aushilfen ein, aber das ist natürlich keine optimale Lösung.
BZ: Gibt es Pfarrgemeinden, die deshalb einen Orgelautomaten, auch Orgamat genannt, einsetzen?
Weithoff: Es gibt Gemeinden, die diese Maschine nutzen, aber meines Wissens nach keine im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Jede Pfarrgemeinde hat lieber einen lebendigen Organisten.
BZ: Es gibt immer weniger Pfarrer, also auch weniger Gottesdienste. Werden deshalb auch weniger Kirchenmusiker gebraucht?
Weithoff: Nein, so gravierend ist der Rückgang der Gottesdienste nicht, weil zu den Eucharistiefeiern, für die es zwingend eines Priesters bedarf, auch andere Gottesdienstformen treten, in denen auch Musik erforderlich ist. Generell geht der Trend hin zu weniger Quantität und mehr Qualität der einzelnen Gottesdienste. Und selbst wenn hauptamtliche Kirchenmusiker weniger Orgel spielen, haben sie noch genug zu tun. Sie engagieren sich dann möglicherweise verstärkt in Sachen Ensembleleitung.
BZ: Konzerte, Festmessen, Adventsaktionen: In der Vorweihnachtszeit sind Kirchenmusiker besonders gefragt und gefordert. Betrifft Sie das als Kirchenmusikamtsleiter auch?
Weithoff: Da mit meinem Amt keine Kirchenmusikertätigkeit an einer Pfarrgemeinde verbunden ist, betrifft mich das nicht direkt. Allerdings haben wir am Ende des Jahres immer besonders viel zu tun, weil die Ausbildungswoche der angehenden C-Musiker gleich Anfang Januar beginnt und im Dezember noch die Zeugnisse für erfolgreich abgeschlossene C-Ausbildungen erstellt und verschickt werden müssen.
BZ: Sie kommen aus der Praxis und befassen sich jetzt vor allem mit der Theorie. Fehlt Ihnen das Musizieren?
Weithoff: Ja, die Musik fehlt manchmal schon. Allerdings bereite ich die Fortbildungswochen musikalisch vor und dieses Jahr unterstütze ich am ersten Weihnachtsfeiertag meine Kollegin Karin Karle und werde im Gottesdienst im Kloster St. Trudpert in Münstertal mitwirken.
BZ: Die dortige Orgel wird sehr geschätzt. Wie ist es generell um Zustand und Qualität der Orgeln im Kreis bestellt?
Weithoff: Der Landkreis ist diesbezüglich gut aufgestellt. Im Rhein-Neckar-Kreis beispielsweise, wo ich früher tätig war, sieht es nicht ganz so gut aus. In viele Orgeln im Landkreis ist in den vergangenen Jahren investiert worden. Allerdings achten viele Kirchengemeinden streng darauf, dass Kirchensteuergelder nicht verschwendet werden, und wägen ab, ob eine Orgelrenovierung wirklich sinnvoll und notwendig ist.
BZ: Wie alle Instrumente brauchen auch Orgeln Pflege. Was sollte an diesen Instrumenten regelmäßig gemacht werden?
Weithoff: Alle 17 bis 20 Jahre steht eine Generalreinigung an. Dafür wird die Orgel komplett auseinandergenommen und jede einzelne Pfeife gesäubert. Zum Glück ist es heute so, dass Bauarbeiten in Kirchen mit Orgelrenovierungen abgestimmt werden. Hier hat es früher vereinzelt Probleme gegeben. Sie können sich vorstellen, dass eine solche Reinigung wenig sinnvoll ist, wenn anschließend der Putz von den Wänden geklopft wird.
BZ: Was kostet eine Generalreinigung und wer trägt die Kosten?
Weithoff: Die Reinigung einer mittelgroßen Orgel liegt schon im fünfstelligen Bereich. Dafür kommt die Kirchengemeinde auf. Das Bistum übernimmt in der Regel zehn Prozent der Kosten einer Orgelrenovierung, bei historisch wertvollen Orgeln auch mal etwas mehr.
BZ: Inwieweit befasst sich Ihr Amt mit dem Zustand der Orgeln?
Weithoff: Mit den neun Erzbischöflichen Orgelinspektoren, von denen jeder für einen bestimmten Bereich im Erzbistum zuständig ist, haben wir ein Team von Experten, das die Kirchengemeinden berät. Für den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald sind das Georg Koch, Johannes Götz und Bernhard Marx. Diese sind regelmäßig in der Region unterwegs und überprüfen den Zustand der Orgeln.
von kbl
am Sa, 29. November 2014

ZUR PERSON: GODEHARD WEITHOFF

Der 54-jährige Diözesankirchenmusikdirektor stammt aus Schleswig-Holstein. Er studierte Kirchenmusik in Lübeck und Cembalo in Freiburg. Von 1992 an arbeitete der Kirchenmusiker als Bezirkskantor in Eberbach am Neckar, seit Sommer 2012 leitet er das Amt für Kirchenmusik der Erzdiözese Freiburg.  

Autor: kbl

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