Entdeckertour für Kinder

Hohkönigsburg im Elsass

Kinder entdecken die Hohkönigsburg im benachbarten Elsass .

Den Harnisch hat der Ritter schon angelegt, die Armbrust hängt bereit, dazu steht eine ganze Reihe blank polierter Schwerter und glänzender Hellebarden zur Auswahl. Auf in die Schlacht! Zwar ist der Ritter nur eine Nachbildung aus Holz, doch die kleinen Burgbesucher zwischen zwei und sieben Jahren sind bereits ganz in die Welt des Mittelalters eingetaucht: Warum braucht auch das Pferd eine Rüstung? Hilft das Kettenhemd wirklich gegen einen Hieb mit dem Schwert? Und wo ist überhaupt die Schatzkammer?

Genau das wollte die Restaurierung der Hohkönigsburg zu Beginn des 20. Jahrhunderts erreichen: Auf Weisung von Kaiser Wilhelm II. von Hohenzollern sollte keine weitere kaiserliche Residenz entstehen, sondern ein Museum des Mittelalters – und selbstverständlich ein Symbol der Macht.

Den Kindern sind diese Gedankengänge gleichgültig. Sie spähen hinunter in den Brunnenschacht, in dessen Tiefe Wasser glänzt. Der Eimer hängt bereit – man hätte gerade Lust, ihn in der Tiefe zu versenken. Stattdessen steigen wir hinauf in die Gemächer im zweiten Stock, die der Kaiser seiner Ehefrau widmete. "Hat hier auch die Kaiserin gesessen?", fragt Marie (7). Sie sitzt auf einer Holzbank in der Fensternische und guckt aus dem Fenster. Beim Blick durch den Raum fällt ihr dann doch auf, dass die Kaiserin hier nicht gelebt haben kann: "Da steht ja gar kein Bett." Tatsächlich war Wilhelm II. nur jährlich einmal auf Hohkönigsburg, um den Fortschritt der Bauarbeiten zu begutachten.

Wir ziehen weiter durch den Kaisersaal und die Kapelle zum Saal der Jagdtrophäen. "Ein Siebenender", tönt es laut durch den Saal. Marie hat die Geweihe genau studiert, die die Wände des Saals schmücken. Wer genau hinschaut, entdeckt auf den Tierschädeln auch das kaiserliche Wappen.

Nun geht es hinaus in den Garten und hinüber in das große Bollwerk. Das wurde als Verteidigungsschild für den Wohntrakt erbaut, um Angreifer aus dem Westen abzuhalten. Eine Zugbrücke führt hinüber in das neun Meter dicke Bollwerk mit seinen zwei Türmen.

Vom Südturm aus bestaunen die Erwachsenen noch den Ausblick auf die Vogesen und die Rheinebene, da haben die Kinder schon ein neues Faszinosum entdeckt: Kanonen. In diesem Fall handelt es sich um Kopien von Kanonen, die die Entwicklung der Artillerie vom 15. bis zum 17. Jahrhundert zeigen. Das tut der Begeisterung aber keinen Abbruch. "Die sind ja riesig. Wie groß waren die Kugeln? Wie weit kann man damit schießen?" Wieder ergeben sich neue Anhaltspunkte, um in die Geschichte einzutauchen und vieles über das Leben im Mittelalter zu lernen.

von Silke Kohlmann
am Fr, 12. Januar 2018


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