Holzbrücke ist verbarrikadiert

Das Symbol für offene Grenzen ist seit Montag geschlossen.

BAD SÄCKINGEN. Ältere Menschen fühlten sich beim Anblick der mit schweren Eisengittern verbarrikadierten Holzbrücke an die dunklen Zeiten des Zweiten Weltkriegs erinnert und manch einem schossen denn auch die Tränen in die Augen. Seit Montagnachmittag machen massive Eisengitter an beiden Portalen einen Grenzübertritt über die längste gedeckte Holzbrücke unmöglich. Seit 8 Uhr am Montag ist der Grenzübertritt nur noch in Ausnahmefällen möglich, seit 15 Uhr geht dies nur noch über die Fridolinsbrücke.

Eine gespenstische Ruhe lag am Montag über Bad Säckingen. Einzig ganz früh morgens war was los. Da nutzten etliche Schweizer die Möglichkeit, vor 8 Uhr ein auf absehbare Zeit letztes Mal "im Düütsche" einzukaufen. Kein Zweifel: In Bad Säckingen hielten sich die Menschen an das Gebot, soziale Kontakte so weit wie möglich einzuschränken. Die Restaurants: leer. Die Geschäfte: leer. Die Plätze und Parks: leer.

Immerhin funktionierte der kleine Grenzverkehr zunächst noch. Um die Mittagszeit deutete auf der Holzbrücke nichts auf die von der Bundesregierung verfügte Schließung der Grenze zur Schweiz hin. Eine Patrouille der Schweizer Grenzwache schaute mal eben auf der Deutschen Seite nach dem Rechten. Das war es dann aber auch schon an Auffälligkeiten. Bis kurz vor 15 Uhr ein mit schweren Eisengittern beladener Kleinlaster des städtischen Bauhofs vorfuhr und uniformierte Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamts sich jedem in den Weg stellten, der per Rad oder zu Fuß in die Schweiz wollte.

Eines fiel auf, niemand, wirklich niemand beschwerte sich, es gab kein böses Wort. Die Menschen wussten, dass die Grenze eigentlich geschlossen ist und dass Berechtigte nach entsprechender Kontrolle die Grenze über die Fridolinsbrücke einige hundert Meter weiter flussabwärts passieren konnten.

Für manch einen Grenzgänger dürfte es am Abend allerdings eine unliebsame Überraschung gegeben haben. Und Grenzgänger, die sich noch nicht über die neue Lage informiert haben, dürfen am Dienstagfrüh erst einmal verdutzt dem eisernen Vorhang entgegenblicken.

Weil die gesamte Holzbrücke einschließlich des Vorplatzes in Stein auf Schweizer Seite der Stadt Bad Säckingen gehört, haben die Mitarbeiter des Bad Säckinger Bauhofs die Absperrgitter an beiden Brückenportalen angebracht. Amtliche Verkehrszeichen verbieten Fußgängern und Radfahrern den ohnehin nicht mehr möglichen Durchgang.

Markus Haag, der Leiter des städtischen Ordnungsamts, kann nicht mit Gewissheit sagen, wie lange die Holzbrücke abgeriegelt bleiben wird. Er geht aber davon aus, dass dies bis nach den Pfingstferien so bleiben wird.

Dass die längste gedeckte Holzbrücke Europas zwischen Bad Säckingen und Stein in der Region als das Symbol für offene Grenzen zwischen Deutschland und der Schweiz schlechthin gilt, hat auch einen historischen Grund. Es war der 10. März 1946, also fast auf den Tag vor 74 Jahren, als die Schweizer Regierung aus Anlass des Fridolinsfests für einen Tag die Grenze öffnete. Die Nachricht verbreitete sich auf beiden Seiten des Rheins wie ein Lauffeuer. Auf deutscher Seite kamen mehrere zehntausend Menschen und aus der Schweiz kamen mehrere tausend Menschen, allesamt vollgepackt mit Lebensmitteln, um die ausgehungerten Menschen auf der deutschen Seite zu versorgen. Für etliche war dies die allererste Begegnung überhaupt mit Orangen und anderem Obst. Jetzt ist seit Montag der Weg für Schweizer mit in Deutschland gekauften Lebensmitteln über die alte Holzbrücke erst einmal versperrt.
von Axel Kremp
am Di, 17. März 2020

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