"Ich gebe den Ton an"

BZ-INTERVIEW mit Franziska Eickhoff, Konzertmeisterin des Markgräfler Symphonieorchesters.

BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. In einem Symphonieorchester spielen zahlreiche Musiker. Doch einer ist höhergestellt – der Konzertmeister sagt, wo es lang geht. Über diese besondere Aufgabe hat Sophia Hesser mit Franziska Eickhoff gesprochen. Sie ist Konzertmeisterin im Markgräfler Symphonieorchester in Müllheim.

BZ: Sind Sie ein Anführertyp?
Eickhoff: Ja und nein. Ich scheue nicht die Verantwortung. Und ich fühle mich so weit sicher beim Spielen, dass ich es mag, gesehen zu werden und die anderen mitzuziehen. Menschlich bin ich dann aber doch eher die Vermittlerin. Ich lasse gerne Meinungen der hinteren Reihen zu. Das Miteinander in unserem Orchester ist sehr wichtig.

BZ: Der Dirigent leitet das Orchester – warum braucht es dann noch einen Konzertmeister?
Eickhoff: Natürlich hat der Dirigent am meisten zu sagen. Aber der Dirigent hat ja nicht zehn Hände, um etwa allen Musikern ihre Einsätze während eines Stücks zu zeigen. Deshalb braucht es den Konzertmeister, der übrigens auch der erste Geiger ist, und die anderen Stimmführer. Beim Spielen habe ich eine exponierte Position. Die anderen ersten Geiger orientieren sich an mir, ich zeige an, wie gespielt wird – laut, leise, Tempowechsel, die Spielart. Das mag ich an der Aufgabe. Jeder sollte beim Spielen sowohl den Dirigenten als auch den Konzertmeister im Blick haben. Es gibt da aber auch noch den organisatorischen Part: Bei Konzerten zeige ich an, wann die Bühne verlassen wird, wann das Orchester aufsteht, wann es sich wieder hinsetzt. Das Stimmen wird auch von mir initiiert. Ich gebe also wortwörtlich den Ton an (lacht).
BZ: Ihr Vater Uwe Müller-Feser dirigiert das Symphonieorchester – funktioniert die Doppelspitze aus Vater und Tochter?
Eickhoff: Ja, es ist sogar von Vorteil, würde ich sagen. Als Konzertmeisterin bespreche ich auch Probleme mit dem Dirigenten. Da er mein Vater ist, kann ich alles gut mit ihm bereden und habe keine Hemmungen, ihm meine Meinung oder die des Orchesters zu sagen... wobei ich auch bei jedem anderen Dirigenten meine Meinung sagen würde.

BZ: Wie wird man denn Konzertmeister?
Eickhoff: Das ist je nach Orchester unterschiedlich. Bei Profiorchestern wird die Besetzung der Konzertmeisterstelle meist bei einem Probespiel vom gesamten Orchester entschieden. Bei uns ist das lockerer. Wir sind ja ein gemischtes Orchester aus Laien und Profis. Der Dirigent entscheidet, aber auch das Orchester hat mitzureden. Ich denke, man sollte als Konzertmeister ein gewisses Niveau haben, und menschlich muss es auch stimmen.

BZ: Wie lange spielen Sie schon Geige?
Eickhoff: Seit ich fünf Jahre alt war. Ich komme aus einer Musikerfamilie, da wurde das Musizieren natürlich sehr gefördert. Es war immer klar, dass ich Geigerin werde. Ich war auch ein paar Semester Jungstudentin an der Musikhochschule, dann habe ich mich – auch wegen Handgelenksproblemen – gegen die Musikerkarriere und für ein Medizinstudium entschieden. Musik ist ein wichtiger Teil in meinem Leben, aber sie ist nicht alles.

BZ: Mit elf Jahren haben Sie angefangen im Orchester zu spielen und sind – mit Pausen – immer noch dabei. Was macht das Orchester aus?
Eickhoff: Es gibt das Orchester schon seit 30 Jahren. Ich kenne es also quasi schon immer. Es ist für mich wie eine Familie. Viele sind von Anfang an treu dabei geblieben, wir haben aber auch Neuzugänge. Das Orchester hat sich enorm vergrößert. Es macht unglaublich Spaß, und wir haben nicht den Druck wie etwa ein Profiorchester – lediglich einen gesunden Anspruch. Ich treffe bei den Proben Menschen, die ich kenne und mag, und kann mit ihnen musizieren. Das ist einfach schön. Und wir trinken nach den Proben auch gern mal ein Gläschen.

BZ: Musiker in Streichorchestern bewegen sich meist extrem – fast schon tänzerisch. Müssen Sie sich als Konzertmeisterin, die doch präsent vorne sitzt, noch mehr bewegen?
Eickhoff: Man kann als Streicher mehr Schwung und damit mehr Klang rausholen, wenn der ganze Körper dabei ist. Ausdrucksstark zu spielen, gehört aber auch einfach dazu. Als Konzertmeisterin zeige ich aber natürlich die Einsätze auch durch extreme Bewegungen an, damit sie jeder sieht. Viele Konzertmeister machen sich beispielsweise auch kleiner, um leise Stellen anzuzeigen.

BZ: Sie sind Mutter von zwei Söhnen und zudem als Ärztin tätig – spielen Sie denn auch in der Familie und im Beruf die erste Geige?
Eickhoff: Nein, im beruflichen und privaten Umfeld spiele ich eher Kammermusik, bei der das Miteinander in kleinen Gruppen im Vordergrund steht.

Franziska Eickhoff ist 35 Jahre alt, sie arbeitet als Internistin und lebt mit ihrer Familie in Bad Krozingen .
Das Markgräfler Symphonieorchester spielt am Wochenende des dritten Advents das Violinkonzert von Max Bruch und Schwanensee von Pjotr Iljitsch Tschaikowski im Kurhaus in Badenweiler.

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von she
am Di, 06. November 2018

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