"Ich will auf jeden Fall dabei sein"

Große Nachfrage nach Karten für den Papstbesuch in Freiburg.

SÜDLICHER BREISGAU. Ob es eine Strapaze wird oder ein unvergesslich-schönes Ereignis, das wollen die Experten derzeit noch nicht einschätzen. Vorsorglich warnen Seelsorgereinheiten im südlichen Breisgau jedoch vor den körperlichen Belastungen für die Gläubigen, die den Papst im September in Freiburg "unbedingt sehen möchten". Auch in Bad Krozingen und Umgebung wirft der für das letzte Septemberwochenende geplante Besuch von Papst Benedikt XVI Schatten voraus.

"Ich will auf jeden Fall dabei sein", diesen Wunsch bekommen Dekan Gerhard Disch und seine Mitarbeiter der katholischen Kirchengemeinde St. Alban sowie das Pfarrbüro der katholischen Kirchengemeinde St. Martin in Staufen derzeit fast täglich zu hören. "Als die Anmeldeinfos kürzlich im Pfarrbrief und dem Gemeindeblatt standen, standen die Telefone erst gar nicht mehr still", schildert Disch. Bislang liegen zwar schon mehr als 100 Anmeldungen vor. Doch immer noch treten viele Gläubige mit Fragen zur Organisation an das Pfarrbüro heran: "Wie kann ich mich anmelden und wie komme ich dann da hin"?, "Kann ich meine Kinder mitnehmen?" Ebenfalls ein Klassiker: "Muss ich denn katholisch sein, um ein Ticket zu bekommen?" Nein, schüttelt Dekan Disch den Kopf: "Bei uns kann sich jeder anmelden und eines der kostenlosen Einlasstickets bekommen".

Auch in Staufen werden eifrig Ticketanfragen gesammelt. Meist telefonisch, die Registrierung ist aber auch über das Internet oder mit den in den Kirchen ausliegenden Anmeldekärtchen möglich. Besucher brauchen eines der kostenlosen, fälschungssicheren Tickets. Auf dem Anmeldekärtchen sind zwei Anmeldeoptionen enthalten. Einmal zur Vigilfeier, dem Abendgebet (mit Jugendprogramm ab 15 Uhr, an dem auch eine Gruppe Jugendlicher den Seelsorgereinheiten Bad Krozingen sowie Staufen-Münstertal teilnehmen soll), und die am Samstag, 24. September, 19.15 Uhr, auf dem Freiburger Messegelände geplant ist.

Die Rückseite ist für die Anmeldung zur Eucharistiefeier – dem Höhepunkt des Papstbesuchs in Freiburg – am Sonntag, 25. September, 10 Uhr, auf dem Freiburger Flughafengelände reserviert. Neben den persönlichen Daten ist auf den Formularen auch die Art der Anreise anzugeben.

Manche Katholiken kommen in diesen Tagen auch persönlich zur Anmeldung vorbei, wie etwa ein 81-jähriger Gläubiger, der kürzlich, auf einen Gehstock gestützt, vor Stefan Kraushaar, dem Sekretär im Pfarrbüro von Dekan Disch, stand. "Manch einer kann gar nicht einschätzen, was für ein Programm ihn da erwartet", hat Kraushaar mehrfach festgestellt. Manche Gläubige gehen etwa davon aus, dass sie direkt auf das Messegelände fahren können. Das ist ein Trugschluss, stellen Disch und Kraushaar freundlich, aber bestimmt fest, und sie sagen, sie wollen damit niemanden von der einmaligen Möglichkeit abhalten, dem Heiligen Vater zu begegnen. "Man muss jedoch realistisch bleiben und abwägen, ob man das auch bewältigen kann". Denn einen Transferservice wird es nach Auskunft des katholischen Pfarrbüros nicht geben.

Gleiches gilt für die in Staufen registrierten Interessenten. Zwar haben Stadtpfarrer Frische und seine Mitarbeiter versucht, einen Bustransfer zu chartern. Aber: "Das Busunternehmen Sutter in Münstertal war bereits ausgebucht". Dessen Service sollen nun Pilgergruppen aus St. Trudpert wahrnehmen, die nach Auskunft von Schwester Serenea vom Haus St. Josef am Samstagabend anreisen und für einen Tag in den Klostermauern logieren. Ein 50-Bettenhaus ist bereits voll.

Für alle, die nicht in den Genuss einer Transferlösung kommen, ist es nach Ansicht von Dekan Disch, am aussichtsreichsten, es über den Freiburger Bahnhof zu versuchen. Von da aus sei die Messe dann jedoch nur zu Fuß erreichbar, dafür brauche es eine gute körperliche Verfassung und Kondition. Zudem komme es zu Wartezeiten. Ein Einlass in die einzelnen Sektoren ist für den Sonntag zwischen 5 und 8 Uhr morgens anberaumt. Selbst wer kurz vor Acht noch passieren kann, müsse einkalkulieren, dass er bis zum Ende der Messe (zwei Stunden Vorlauf, und dann nochmals zwei bis drei Stunden für die Eucharistiefeier) stehen muss, ohne Verpflegung, und niemand könne dabei einen freien Blick auf den Pontifex garantieren. Disch bekundet seine Sorge, dass die Erzdiözese den Organisationsaufwand unterschätzen könnte. "Alle Faktoren sollten wohl überlegt sein", meint Kraushaar. Bei dem Herrn mit dem Gehstock stieß er nicht auf taube Ohren. "Der Mann hat sich wieder abgemeldet, er wird den Fernseher anstellen", so Kraushaar. Relativ problemlos dürfte die Teilnahme für die Bad Krozinger Ministranten laufen. Die "Minis" haben einen Platz in den vorderen Rängen, sie reisen bereits am Samstag an, und viele, so schätzt Dekan Disch, werden die Nacht auf dem Gelände verbringen.

Der Papstbesuch endet am 25. September offiziell mit dem Angelusgebet. Es schließt traditionell mit Grüßen in mehreren Sprachen, womit sich Freiburgs Flugplatz in einen kleinen Petersplatz verwandeln wird, wie Domkapitular Peter Birkhofer meint, der Chefkoordinator des Erzbischöflichen Ordinariates für das Freiburger Jahrtausendereignis, wobei er auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Christian Wulf rechnet.

Infos und Ticketbestellung im Internet: http://www.papst-in-deutschland.de
von Susanne Müller
am Mi, 08. Juni 2011

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