Erinnerung

Illustrationen ergänzen Hochzeitsfotos

Jedes Paar möchte Bilder von seiner Hochzeit. Aber müssen es immer nur Fotos sein? Karin Schliehe, Illustratorin aus Reutlingen, bietet eine künstlerische Form der Erinnerung an.

BZ-Interview mit Karin Schliehe, die Hochzeitsfeiern mit ihrem Zeichenstift festhält. Sie malt Porträts der Gäste oder verwandelt sich in einen Kunstautomat. Im Gespräch mit Birgit Herrmann erklärt sie, wie sie mit wenigen Strichen ganz viel Emotionen einfängt.

BZ: Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Karin Schliehe: Das war etwas ungewöhnlich: Nach 25 Jahren Buchillustration war ich ausgelaugt. Da hat mich eine Lehrtätigkeit an der TU Stuttgart, bei der ich Architekten Freihandzeichnen beibringen sollte, gezwungen, wieder rauszugehen und vor Ort die Realität zu zeichnen. Beim Illustrieren arbeitet man ja aus der Phantasie. Dieses dokumentarische Zeichnen hat mich begeistert, weil es spontan und ehrlich ist – ohne zig Korrekturläufe und viel Herumfeilen. Eine Hochzeit von Freunden, denen ich ein Album mit meinen Zeichnungen der Feier geschenkt habe, hat dann vor vier Jahren alles ins Rollen gebracht.

BZ: Wie arbeiten Sie?
Schliehe: Für ein Album benötige ich 30 bis 40 Bilder in A 4. Dazu mache ich in vier bis fünf Stunden bei der Feier Skizzen, die ich dann zu Hause noch ausfeile und koloriere. Dazu benötige ich noch mal etwa 20 Stunden; manchmal auch mehr.

BZ: Was zeichnen Sie noch bei Feiern?
Schliehe: Ich male auch Porträts der Gäste, in dem ich mit wenigen Strichen Gesichter interpretiere. Dabei bleibe ich nah an der Person und male keine Karikatur. Die Porträts sind beliebte Gastgeschenke. Zudem biete ich den Kunstautomat an, den man sich ähnlich wie ein Fotoautomat vorstellen muss. Versteckt hinter einem Spiegel male ich im Fünf-Minuten-Takt Porträts der Besucher, die allein oder zu mehreren in der Kabine sitzen.

BZ: Ist das so ein Spiegel, wie man ihn aus Verhören in TV-Krimis kennt?
Schliehe: Ja genau. Ich sehe die Gäste, die aber nur ihr Spiegelbild.

BZ: Sind die Leute da nicht aufgeregt?
Schliehe: Ja, schon etwas. Aber von meinem Partner, der den Gästen den Automat erklärt, weiß ich, dass sie immer glücklicher rauskommen als sie rein sind.

BZ: Wie reagieren die Feiernden auf Ihre Arbeit?
Schliehe: Sie sind oft fasziniert und begeistert, denn sie dürfen mir ja beim Zeichnen über die Schulter schauen. Dabei merke ich immer wieder, besonders der Prozess des Entstehens ist für sie das Entscheidende, nicht das fertige Bild. Und nach ein paar Stunden auf so einer Feier bin ich meist auch voll integriert.

BZ: Was wird noch so nachgefragt?
Schliehe: Viele Paare wünschen sich Karten – für die Einladung oder für die Danksagung. Häufig werden auch Plakate mit allen Porträts der Hochzeitsgesellschaft gewünscht. Oder Paare lassen sich ein bestimmtes Motiv als Druck auf eine Leinwand machen.

BZ: Machen Sie auch Zeichnungen von Fotos?
Schliehe: Ja, klar. Oft fehlen auf Hochzeitsfeiern Personen, die ich dann im Nachhinein von Fotos zeichne. Das ist sogar einfacher, aber das Livezeichnen ist für mich deutlich reizvoller – auch für die Gäste.
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von Karin Schliehe unter https://www.badische-zeitung.de
von bhe
am Mo, 11. Februar 2019 um 13:05 Uhr

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