Orgelserie

Im Breisacher Münster gab es schon viele Orgeln

Vor 415 Jahren erhielt das Breisacher Stephansmünster seine erste Orgel. Die Kirche, 38 Meter über dem Rhein, war damals schon gut 400 Jahre alt.

BREISACH. Die Wandgemälde Martin Schongauers schmückten bereits seit über einem Jahrhundert den Westchor der Kirche. Auch der Silberschrein von Peter Berlin, in dem die Reliquien der Stadtpatrone Gervasius und Protasius bis heute aufgebahrt werden, gehörte schon seit über 100 Jahren zu den Schätzen der Kirche. Bevor 1598 die erste Orgel im Münster erklang, stand der Krönungsaltar von Hans Loi schon über 80 Jahre im Ostchor der Kirche.

Der Orgelbauer Werner Mauderer aus Breisach gilt als Erbauer der ersten Orgel. Wie lange sie ihren Dienst getan hat, ist nicht belegt. In den 1730er Jahren wurden die beiden Teile einer zuvor in einer Art Schwalbennest an der Hochschiffwand aufgehängten Orgel versetzt und bekamen auf den Lettner einen neuen Standort. Über den Erbauer dieser Orgel ist Näheres nicht bekannt. Bei der Beschießung der Stadt 1793, als auch das Münster in Brand geriet, wurde sie ein Raub der Flammen.

18 Jahre darauf erwarb die inzwischen zu Baden gehörende Stadt Breisach die Orgel des aufgehobenen Klosters Wonnetal bei Kenzingen. Wie das Vorgängerinstrument wurde auch sie auf dem Lettner platziert. Aber ihre Zeit in Breisach sollte nur von kurzer Dauer sein. Schon 1835 wurde eine neue größere Orgel angeschafft. Mit hoher Wahrscheinlichkeit stammte sie aus der berühmten Freiburger Orgelwerkstatt Merkel.

Streit um den richtigen Standort

Eigentlich sollte sie ihren Platz auf einer Orgelbühne erhalten, deren Bau im Westjoch des Mittelschiffs vorgesehen war. Der Breisacher Stadtrat aber, bereits damals auf Sparsamkeit bedacht, beantragte die Versetzung des Lettners an die Westwand, wo die Orgel aufgestellt werden sollte. Diese Idee wurde verworfen und 2 weitere Jahre gingen ins Land, bis man schließlich doch eine steinerne Orgelbühne errichtete, so dass der Lettner an seinem angestammten Platz bleiben konnte. Dieses Instrument wurde 1905 durch eine neue Orgel ersetzt, die aus der Werkstatt Kiene in Waldkirch stammte, 2 Manuale und Pedal hatte und mit pneumatischen Orgelladen ausgestattet war. Ihre Holzpfeifen waren schon nach einem Vierteljahrhundert so stark verwurmt, dass der Einbau einer neuen Orgel geplant werden musste. 1931 trug man die fast 100 Jahre alte Orgelempore ab und ersetzte sie durch eine Eisenkonstruktion. Von Beginn an wurde sie als modern wirkende Gotik und als Fremdkörper im Stephansmünster kritisiert. Hinzu kam noch, dass Martin Schongauers Wandgemälde von der Empore verdeckt wurden. Die neue Orgel hatte einen elektrischen Spieltisch und wurde von der Werkstatt Mönch in Überlingen erbaut. Dabei war der große Magazinbalg der alten Orgel wieder verwendet worden, ebenso wie 20 der nunmehr 34 Register. Die alten Register baute man komplett um. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs brannte sie nach Beschuss des Münsters aus.

Erst 1963 wurde wieder eine Orgel im Stephansmünster aufgestellt. Diesmal auf der neu errichteten Empore im nördlichen Seitenschiff. Der Standort des Instruments wird als nicht ideal angesehen, da es weder mit der romanischen Vierung der Kirche harmoniert, noch zum gotischen Lettner passt. Auch die Größe der Orgel wird für den Kirchenraum des Stephansmünsters als nicht ausreichend angesehen, vor allem, wenn Chor und Orchester gemeinsam den Gottesdienst gestalten. In der Vergangenheit sind deshalb immer wieder Diskussionen aufgekommen, eine neue, größere Orgel für das Wahrzeichen der Münsterstadt Breisach am Rhein anzuschaffen.

Weitere Serienteile und Erklärstücke rund um das Thema Orgel gibt es unter http://mehr.bz/orgelserie
von kff
am Fr, 09. Januar 2015 um 16:48 Uhr

Badens beste Erlebnisse