Im selben Stall wie Maske und Klitschko

LEUTE IN DER STADT: Ex-Boxprofi Tommy Seiler freut sich auf neue Box-Galas in Offenburg.

OFFENBURG. Einen ganz bestimmten Offenburger hat die gestrige Topmeldung der Badischen Zeitung ganz besonders gefreut. Dass Offenburg am 14. Januar 2012 nach fast 14 Jahren wieder einen großen Boxabend erleben wird, dessen Höhepunkt der Comeback-Versuch des ehemaligen Mittelgewichtsweltmeisters Arthur Abraham sein soll, versetzt Thomas "Tommy" Seiler (45) in große Vorfreude. Schließlich waren es nicht zuletzt seine Kämpfe als Lokalmatador, die Ende der 1990er Jahre die Offenburger Fans ins Boxfieber stürzten.

Dass der Sauerland-Boxstall in der Offenburger Baden-Arena gemeinsam mit der ARD künftig ein- bis zweimal im Jahr große Box-Galas mit bis zu sieben Kämpfen pro Abend veranstalten will, hat einer Sauerland-Sprecherin zufolge unter anderem mit der großen Offenburger Boxtradition zu tun. Damit meint sie nicht zuletzt Thomas Seiler und seinen Manager Rolf Wittmeier, die 1997 und 1998 drei große Box-Events nach Offenburg holten.

Neben Seiler als Lokalmatador kreuzten damals so prominente Sportler wie Regina Halmich oder die Klitschko-Brüder die Fäuste mit ihren Gegnern im Offenburger Ring, der damals in der heutigen Eislaufhalle auf dem Gelände der Messe Offenburg-Ortenau stand.

"Es war eine schöne Zeit", erinnert sich Thomas Seiler, der auch nach dem Ende seiner Karriere nur zwei Kilo über seinem damaligen Kampfgewicht von 61 Kilo liegt. Damals hatte es der in Gengenbacher geborene und in Offenburg aufgewachsene Kampfsportler bereits zu mehrfachen Kickbox-Weltmeisterehren im Leichtgewicht gebracht. "Deshalb suchte ich damals eine neue Herausforderung im klassischen Boxen", erzählt er. Durch Talent, Training und die Kampferfahrung schaffte er es schnell in die deutsche Amateurnationalmannschaft.

Seiler war auch bei Sauerland, der jetzt das Boxen zurückbringt, unter Vertrag

Bald folgte der Einstieg ins Profigeschäft. Ausgerechnet beim Sauerland-Stall, der jetzt das Profiboxen nach Offenburg zurückbringt, hat er damals vorgeboxt und wurde unter Vertrag genommen. "Es war die Zeit, als Boxen durch Weltmeister Henry Maske salonfähig wurde", erinnert sich Seiler. "Ich habe damals etliche Vorkämpfe für Henry bestritten." Später wechselte Seiler zu Universum Boxpromotion. Sein Manager war damals der Offenburger Rolf Wittmeier. Die beiden entwickelten schließlich den Plan, den Boxzirkus auch nach Offenburg zu holen. Rolf Wittmeier erinnert sich: "In Zusammenarbeit mit Universum Box-Promotion in Hamburg habe ich drei Box-Events in Offenburg mit Fernseh-Live-Übertragung durchgeführt. Bei allen drei Veranstaltungen boxte Wladimir Klitschko, bei einer auch Vitali Klitschko – dazu Topstars wie Regina Halmich, Istvan Kovacs und selbstverständlich der Offenburger Lokalmatador Thomas Seiler."

Seiler war damals die Nummer 5 der WBO-Weltrangliste und stand als International Champion kurz vor einem WM-Kampf gegen den Franzosen Mendy. Die Verhandlungen liefen bereits auf Hochtouren. Leider verletzte sich Seiler bei einem Vorbereitungskampf in Kiew am Auge und musste seine Karriere beenden. "Ich habe damals im Vorprogramm der Klitschkos gegen einen bulgarischen Boxer gekämpft und gewonnen. Nach dem Kampf hatte ich Trübungen und Schatten im rechten Auge", erinnert sich Seiler. Die Diagnose: Netzhautablösung. Zwischenzeitlich erblindete der Boxer sogar auf dem rechten Auge. Nach einigen Operationen hat er heute 80 Prozent seiner Sehkraft wieder zurück. Mit dem Boxen aber war Schluss.

Dennoch hat sich das Abenteuer Boxen für Tommy Seiler gelohnt. Heute betreibt er vier Fitnessstudios, zwei in Offenburg, je eines in Karlsruhe und Offenbach.
von Ralf Burgmaier
am Di, 29. November 2011

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