Im Sommer geht’s um 6 Uhr los

BZ-SERIE:Jens Martens ist Chefgreenkeeper beim Golfclub in Tutschfelden – ein Beruf, der Herausforderungen mit sich bringt.

HERBOLZHEIM-TUTSCHFELDEN. Der Adventskalender darf in der Vorweihnachtszeit in vielen Haushalten nicht fehlen. Jeden Tag wird ein Türchen geöffnet, hinter dem sich ein Bild oder etwas Süßes verbirgt. Auch die BZ-Redaktion, die Presse-AG und die AG "Journalistisches Arbeiten" des Gymnasiums Kenzingen öffnen bis Weihnachten Türen in der Region und erzählen, was sich dahinter verbirgt. Heute: ein Besuch beim Greenkeeper des Europa-Park-Golfclubs Breisgau in Tutschfelden.

Das Tor zur Maschinenhalle des Golfclubs geht auf. Am Eingang der weiß-grünen Halle steht ein großer Rasenmäher, den ein Mitarbeiter gerade einfettet und winterfest macht. In einer Reihe an der Seitenwand stehen andere rote Mäher, Seite an Seite. Das Spektrum reicht von großen bis zu kleineren, die mit ihren feinen Klingen das Gras auf dem Grün, der Spielfläche direkt um das Loch herum, auf den Zehntelmillimeter genau mähen können. An der Wand hängt ein großer Plan des Golfplatzes. In der Halle steht außerdem ein blauer Traktor, der eine Vorrichtung zum Laubblasen angehängt hat. Daneben steht ein grüner Schlepper, dessen Anbaugerät in der Lage ist, mit seinen Stacheln den Rasen zu belüften. Unter einer Empore, auf der zum Beispiel Golffahnen und Sonnenschirme gelagert werden, befindet sich das mit Computer und Schreibtisch ausgestattete Büro von Jens Martens, dem Headgreenkeeper.

"Die Arbeit mit den Maschinen macht mir großen Spaß", sagt Jens Martens in der Maschinenhalle. Er ist der Chef des siebenköpfigen Greenkeeperteams. Zusammen sind die Mitarbeiter für die Pflege des Golfplatzes zuständig.

Jens Martens begann nach dem Abitur eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner und wurde anschließend an der Technikerschule zum geprüften Gartenbautechniker ausgebildet. Darauf folgte ein Wechsel zu einer Firma, die Golfplätze baut, pflegt und betreibt. Dort sammelte er Basiswissen für seine heutige Tätigkeit und begann dann eine Ausbildung zum Greenkeeper im Golfclub Tuniberg, den er nach zwölf Jahren als Headgreenkeeper in Richtung Tutschfelden verließ. Seit 2015 arbeitet er im Europa-Park-Golfclub Breisgau.

Das Team pflegt die Rasenflächen der rund 90 Hektar großen Anlage das ganze Jahr über. "Im Sommer beginnen wir schon um sechs Uhr hier unsere Arbeit", erzählt er. Dann sei es wichtig, die Grüns für Turniere vorzubereiten. Während im Sommer sehr viel gemäht werden müsse, werde der Rasen im Winter an die Witterungsbedingungen angepasst, gepflegt und belüftet. Unter anderem ist das Team noch für das Instandhalten des Parkplatzes und kleine Reparaturen rund um das Clubhaus zuständig und setzt spezielle Biotoppflegepläne um. Pflege und Wartung der Maschinen gehören auch zu den Aufgaben. "Die Maschinen sind Voraussetzung für eine gut bespielbare Anlage", erklärt Jens Martens.

"Als Greenkeeper muss man auf alles vorbereitet sein", sagt der Fach-Agrarwirt. Ein Ereignis ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: Kurz vor einem Turnier entdeckten sein Team und er, dass Vögel golfballgroße Löcher in ein Grün gehackt hatten. Alle Greenkeeper rückten an und reparierten mit vereinten Kräften das beschädigte Grün. Als sie damit fertig waren, hatte das Turnier schon begonnen: Schadensbehebung in letzter Sekunde.

"Auch durch den Klimawandel wird sich der Beruf stark verändern", sagt Jens Martens. Extremes Wetter erschwere die Arbeit. Starkregen und lange Trockenperioden verlangten dem Rasen und den Greenkeepern alles ab. Daher seien andere Herangehensweisen erforderlich geworden: "Besonders wichtig ist dabei die effektive Nutzung von Wasser durch eine innovative Beregnungsanlage", erklärt Jens Martens. Dabei spielt auch die Digitalisierung eine Rolle: Der Headgreenkeeper steuert die Beregnung über Computer und Smartphone. "Autonome Mähsysteme werden in Zukunft weltweit eine immer größere Rolle spielen", so der ausgebildete Landschaftsgärtner. Er blickt trotzdem optimistisch in die Zukunft, denn er ist sich sicher, dass durch die Digitalisierung an anderer Stelle neue Arbeitsplätze entstehen und damit die Arbeit eines Greenkeepers unverzichtbar bleibt. Wie sehr er seinen Beruf mag, bringt er zum Schluss zum Ausdruck: "Der Beruf vereint für mich einfach sehr viel Schönes: Die technische Seite mit den Maschinen und die Arbeit draußen in und mit der Natur."

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von Laurids Bordne (Jahrgangsstufe 11)
am Do, 20. Dezember 2018

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