Bewerberschwund

Image der Berufe ist maßgeblich

Nicht nur partieller Lehrstellenmangel kann dem Ausbildungsmarkt zusetzen, sondern mancherorts auch ein Bewerberschwund. Ob Betriebe geeignete Nachwuchskräfte finden, hängt auch am gesellschaftlichen Image der Tätigkeit.

Nicht nur ein partieller Lehrstellenmangel kann dem Ausbildungsmarkt zusetzen, sondern mancherorts auch ein Bewerberschwund.

Dies gilt vor allem für Ostdeutschland. In fünf der 37 Arbeitsagenturbezirke wurden dieses Jahr bereits weniger Bewerber als betriebliche Ausbildungsstellen registriert.

Die rückläufigen Zahlen sind Vorboten eines Problems, das nach Auffassung des Bundesinstituts für Berufsbildung (Bibb) in naher Zukunft ganz Deutschland treffen wird. Aufgrund der demografischen Entwicklung werden es die Betriebe schwerer haben, Nachwuchs zu rekrutieren. "Allerdings werden nicht alle Berufe gleich stark davon betroffen sein", sagt Manfred Kremer, Präsident des Institus. "Maßgeblich ist hier das Image der Berufe, denn das spielt für die zu erwartenden Bewerberzahlen eine wichtige Rolle."

Ausbildungsberufe wie Gestalter für visuelles Marketing, Mediengestalter Digital und Print, Tierpfleger oder auch Fotograf sind bei den Jugendlichen weiterhin sehr gefragt – und dies wird nach Einschätzung des Bibb auch so bleiben. Große Nachwuchsprobleme hätten dagegen bereits heute verschiedene Ausbildungsberufe im gewerblichen Bereich – insbesondere im Reinigungsgewerbe und im Nahrungsmittelhandwerk. Aber auch in den Gastronomieberufen sehe es nicht besonders gut aus.

Nur zum Teil hänge die geringe Nachfrage damit zusammen, dass den Jugendlichen das Interesse an den für die Berufe typischen Arbeiten fehle. Dies ergab eine Befragung des Bibb unter Schülern aus höheren Klassen allgemeinbildender Schulen. Eine wichtige Rolle spiele dagegen, wie anerkannt die Berufe aus Sicht der Jugendlichen in der Gesellschaft sind. Nach Meinung der Jugendlichen genössenen vor allem jene Berufsinhaber ein hohes Ansehen, die als überdurchschnittlich gebildet, intelligent, einkommensstark und ehrgeizig gelten.

Tugenden wie Geschicklichkeit, körperliche Fitness, Fleiß, Kontaktfreudigkeit und auch Selbstlosigkeit spielten dagegen aus Sicht der Jugendlichen für das Ansehen eines Berufes keine große Rolle. Die Folge: Büroberufe mit kreativer Tätigkeit gelten als besonders imageförderlich und seien unter den Jugendlichen dementsprechend begehrt. Berufe, bei denen körperliche Arbeit, manuelles Geschick und soziale Tätigkeiten im Vordergrund stehen, hätten das Nachsehen.

Das Grundproblem – die offenbar unzureichende Würdigung der Arbeit in einigen gewerblich-industriellen Berufen – könne durch neue Ausbildungsordnungen beziehungsweise neue Berufsbezeichnungen allerdings nur bedingt gelöst werden. Hier sei ein allgemeiner Bewusstseinswandel erforderlich. Dabei würden manchmal auch die Unterhaltungsserien der Fernsehsender helfen. Denn für die Jugendlichen hätten Medien eine große Bedeutung, um sich gesellschaftlich zu orientieren.

Weitere Informationen unter http://www.bibb.de/bwp/image
von BZ
am Di, 22. September 2009

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