Gut zu wissen – wenn das Herz stolpert

In 15 Minuten vor Ort

Der Herzinfarkt gehört zu den häufigsten Todesursachen. Im Ernstfall kommt es auf Sekunden an, um die Folgen so gering wie möglich zu halten.

Ein ganz normaler Tagesbeginn beim Rettungsdienst Freiburg. Dann klingelt das Telefon der Rettungsleitstelle: Ein Notruf wegen des Verdachts auf einen Herzinfarkt geht ein.

Der Disponent fragt zunächst nach dem Namen und der Adresse, für den Fall, dass die Person am anderen Ende der Leitung bewusstlos wird. Jetzt muss alles schnell gehen. Dem Patienten läuft die Zeit davon – und jede Minute zählt. Der Rettungswagen muss in 95 Prozent aller Fälle in 15 Minuten vor Ort sein. Und muss mit vier wichtigen Sachen ausgestattet sein: zwei Rucksäcken, einer für Atmung, der zweite für den Kreislauf, einer Absaugpumpe und einem EKG.

"Am Einsatzort, nachdem Rettungswagen und Notarzt hingeschickt wurden, läuft dann ein normaler Algorithmus ab, eine festgelegte Abfolge von Handlungen also", erzählt Ralf Götz, Rettungsdienstleiter in Freiburg. "Der Patient bekommt Beruhigungs- und Schmerzmittel. Es wird ein EKG geschrieben, um festzustellen, ob überhaupt ein Herzinfarkt vorliegt, und dann findet die Medikation über den Notarzt statt. Je nach Zustand des Patienten erfolgt die Einweisung in die Klinik, vermutlich bekommt er auch gleich einen Herzkatheter."

Wer den Notruf wählt, sollten einige wichtige Fragen beantwortet können. "Zunächst einmal, wo ist die Einsatzstelle, wer ist der Anrufer, was ist passiert, wie viele Verletzte gibt es, etwa bei einem Verkehrsunfall, wo hat der Anrufer Schmerzen und wie stark sind diese", sagt Götz. Wie viel solch ein Rettungseinsatz kostet, ist unterschiedlich. "Das wird jedes Jahr neu festgelegt, das bedeutet, dass wir in der Notfallrettung die Vorhaltekosten bezahlt bekommen und je nachdem, wie viele Vorhaltekosten wir haben, wird es durch die Einsätze geteilt. Dadurch ergibt sich jährlich ein neuer Tarif", erklärt Götz. Je mehr Einsätze, umso preiswerter ist der einzelne. Die Summe am Ende bleibe aber die gleiche.

Vorsicht am Montagvormittag

Auslöser eines Herzinfarkts sind vor allem große plötzliche Belastungen und Stresssituationen. Interessant: Die meisten Herzinfarkte treten montags auf, nach einem ruhigen und entspannten Wochenende. Meistens ist es vormittags, da direkt nach dem Aufstehen die Gerinnungsfähigkeit des Blutes zunimmt und sich somit schneller Verschlüsse in den verengten Herzkranzgefäßen bilden können. Grundsätzlich kann ein Herzinfarkt aber zu jeder Tages- und Nachtzeit eintreten.

Viel Bewegung und gesunde Ernährung sind die wichtigsten Maßnahmen, um einem Herzinfarkt vorzubeugen. Zudem sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wichtig. Seit einiger Zeit gibt es zum Beispiel den sogenannten Check-up 35. Das ist eine Früherkennungsmaßnahme für alle Menschen ab 35 Jahren, die regelmäßig durchgeführt werden sollte. Bei dieser Untersuchung werden der Cholesterinwert und der Blutdruck bestimmt, gleichzeitig wird auf Diabetes untersucht. Diese Untersuchung ist kostenlos, manche Krankenkassen bezahlen sogar einen Bonus für die Teilnahme.

Engegefühl und starke Schmerzen

Typisch für einen Herzinfarkt sind ein Engegefühl in der Brust und starke Schmerzen hinter dem Brustbein. Der stechende Schmerz breitet sich oft auf den linken Arm sowie auf Hals, Schulter, Rücken oder Oberbauch aus. Oft sind Atemnot, Angstgefühl oder Übelkeit Begleiterscheinungen eines Herzinfarkts. Eine blasse, fahle Gesichtsfarbe und kalter Schweiß können auch ein Indiz für einen Herzinfarkt sein.

Diese Symptome können bei Frauen abweichen. Atemnot, Schwäche, Magenverstimmungen und Schlafstörungen oder Schmerzen im Brustkorb kommen bei ihnen eher selten vor. Zudem treten Symptome bei Frauen oft bis zu vier Wochen vor dem eigentlichen Infarkt auf.

Ab und zu kommt es vor, dass die Betroffenen nicht erkennen, wenn sie einen Infarkt haben. Da sie keine Symptome zeigen, wird der Infarkt oft erst mit einem EKG, Elektrokardiodiagramm oder auch Herzspannungskurve genannt, festgestellt. Grundsätzlich gilt aber: Die Symptome treten bei jedem Herzinfarkt unterschiedlich stark auf.

Die goldene Stunde nutzen

Die erste Stunde nach einem Herzinfarkt, auch goldene Stunde genannt, ist entscheidend für den weiteren Genesungsprozess. Denn in dieser Zeit kann der Gefäßverschluss, der den Herzinfarkt auslöst, rückgängig gemacht und größere Schäden somit vermieden werden. Deswegen gilt es, so schnell wie möglich zu handeln. Angehörige sollten einen kühlen Kopf bewahren und sofort den Rettungsdienst unter der Nummer 112 alarmieren.

Wichtig ist es auch, auf das Bewusstsein und die Atmung des Patienten zu achten. Kommt es zu einem Kreislaufstillstand, muss sofort die Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden. Auch wenn kein Lebenszeichen zu sehen ist, darf die Herzdruckmassage nicht unterbrochen werden, bis der Notarzt eintrifft. Wenn der Betroffene bei vollem Bewusstsein ist, sollte er eine Position einnehmen, die das Herz entlastet, beispielsweise den Oberkörper etwas erhöhen. Auf keinen Fall die Beine hochlegen, da das ganze Blut ins Herz fließt und das Herz noch mehr pumpen muss.

Bei einem Herzinfarkt kommt es auf Sekunden an. Je schneller dem Betroffenen geholfen wird, desto besser sind die Heilungschancen. Die wichtigsten Notrufummern hier im Überblick für das Verbreitungsgebiet der BZ:

•Rettungsdienst 112

•Rettungsdienst Freiburg

Tel. 0761/19222
•Notdienst Freiburg
Tel. 0761/8099800
•Notdienst Breisgau-
Hochschwarzwald
Tel. 01805/19292-300
•Notdienst Emmendingen

Tel. 01805/19292-320
•Notdienst Lörrach

Tel. 01805/19292-330
•Notdienst Ortenau

Tel. 01805/19292-450
•Notdienst Schwarzwald-Baar

Tel. 01805/19292-410
•Notdienst Waldshut

Tel. 01805/19292-430
von Viktoria Wastschenko
am Di, 08. Februar 2011 um 00:00 Uhr


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