Kunstaktion "Zum Ersten, zum Zweiten, zum Helfen"

Inneres Sträuben gegen gerade Linien

Zwei Dutzend Künstler aus Lörrach und der Region stellen Arbeiten für die Benefizaktion "Zum Ersten, zum Zweiten, zum Helfen" zur Verfügung. Versteigert werden sie am 27. November. Hier können Künstler und Bilder schon einmal betrachtet werden.

Von unserer Mitarbeiterin

Barbara Ruda

LÖRRACH. Zwei Dutzend Künstler aus Lörrach und der Region stellen Arbeiten für die Benefizaktion "Zum Ersten, zum Zweiten, zum Helfen" zur Verfügung. Bis zur Versteigerung am 27. November in der Volksbank Dreiländereck in Lörrach präsentiert die BZ jeden Tag das Porträt eines Künstlers oder einer Künstlerin sowie das Werk, das im Rahmen dieser Aktion angeboten wird. Heute Brigitte Prothmann .

Das Bildnis von Frauen hat Brigitte Prothmann zum Mittelpunkt ihres künstlerischen Schaffens gemacht. Als innere Figur steht die Frau für das, was sie selbst oder im Miteinander mit anderen Menschen bewegt. Die 1943 in Mährisch-Kromau, Tschechien, geborene Selfmade-Frau hat eine lasierende Öltechnik gefunden, mittels derer ihre Bilder die Leichtigkeit von Aquarellen und eine poetische Ausstrahlung erhalten. Gesichter und figurale Fragmente werden umhüllt von abstrahierenden Formen, vereinen sich zu einem vielschichtigen Ganzen. Die dargestellten Frauen wirken in sich gekehrt, in sich geschlossen.

Brigitte Prothmann lässt beim Schaffensprozess die Farbe – besonders gerne Blau – fließen und versacken. Das bringt gewollte und zufällige Konturen. Wichtig ist, schnell zu arbeiten, denn das Bild muss fertig sein, bevor der Prozess des Trocknens einsetzt. "Sonst ist es nicht mehr im Fluss", erläutert sie. Dass das Werk, das sie für die BZ-Auktion ausgewählt hat, "Angekommen" heißt, hat einen tieferen Sinn. Es passt nicht bloß zu der Tatsache, dass die Künstlerin erst vor fünf Monaten nach Weil am Rhein gezogen ist - neben der schönen Landschaft war auch die Kunst für die Wahl des Ortes ausschlaggebend -, sondern meint vor allem, bei sich selbst zu sein. Das bedeutet auch, das Erfahrene verarbeitet zu haben. "Erkenntnis ist etwas anderes als angesammelte Weisheit", weiß die Malerin. Aus diesem Standpunkt heraus erwächst Authentizität.

Auch wenn sie gerne mal auf fremden Weiden graste: Sie kehrte immer wieder zu ihrem Stil zurück, den sie auch für ihre Landschaftsbilder nutzt. Bemühungen, die Schwingungen loszuwerden und eine gerade Linie zu ziehen, scheiterten. Es war, als würde ihre Hand vergewaltigt, ein "inneres Sträuben", wie sie es nennt.. Die Künstlerin mit kaufmännischer Ausbildung, knüpfte erst mit 34 Jahren an das an, was in Kinderjahren spielerisch begann. Den Impuls setzte ein Parisbesuch. Drei Jahre später folgte die erste von zahlreichen Ausstellungen. Von 2005 bis 2009 leitete Brigitte Prothmann außerdem die Künstlergemeinschaft Kunstkantine in Riegel.

Brigitte Prothmann: "Angekommen", Öl auf Papier, 60 x 80 Zentimeter mit Rahmen, Mindestgebot 400 Euro
von rud
am Di, 09. November 2010 um 12:51 Uhr

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