Kino-Interview

Jeremy Irons über "Justice League", Humor und Trump

TICKET-INTERVIEW: Der Schauspieler Jeremy Irons über Verantwortung, Humor, Zeitgeist und Donald Trump.

Zum zweiten Mal spielt Jeremy Irons (69) in "Justice League" den Butler Alfred, der Batman alias Ben Affleck mit technischen Tricks ausstattet und ihm ins Gewissen redet. Er selbst hat nie einen Superhelden gespielt und wurde durch intellektuelle Rollen berühmt. Für seine Darstellung des Claus von Bülow in "Die Affäre der Sunny von B." bekam der Brite 1991 den Oscar. Er wollte Tierarzt werden, doch die Schauspielerei war für ihn noch verlockender. Markus Tschiedert sprach mit ihm.

Ticket: Die Rolle von Batmans Butler Alfred spielten vor Ihnen Michael Gough und Michael Caine. Wie nähert man sich einer Rolle, die von anderen bereits geprägt wurde?
Irons: Ich hatte mir überlegt, dass ich selbst 23 Jahre älter bin als Ben Affleck. Somit muss Alfred in der ursprünglichen Comic-Geschichte ungefähr 33 gewesen sein, als Batman alias Bruce Wayne auf tragische Weise seine Eltern verloren hat. 33 ist ein gutes Alter, um sich eines Jungen anzunehmen, Alfred ist für ihn ein Mentor oder so etwas wie ein sehr viel älterer Bruder.
Ticket: Empfanden Sie es nicht ein bisschen degradierend, einen Butler zu spielen?
Irons: Wenn ich ein Kind hätte, um das ich mich ängstigen müsste, weil es entführt werden könnte, würde ich ihm eine absolut vertrauenswürdige und kompetente Person an die Seite stellen. Alfred ist ein Beschützer, der sich der Verantwortung bewusst ist. Das ist für mich eine wirklich dankbare Rolle.
Ticket: Würde es Alfred gern sehen, wenn Batman ein Date mit Wonder Woman hätte?
Irons: Ich denke, alles was Batman glücklich macht, macht auch Alfred glücklich. Er nimmt das mit Humor, was ein wichtiges Element für solche Filme ist. Als ich an Bord kam, wurde mir gesagt, dass ich meine Rolle mit Humor ausfüllen könnte – auf sprachlicher Ebene, denn mit Sprache begann meine Karriere als Schauspieler. Das empfand ich als Kompliment, zumal es in einer Comicverfilmung vordergründig um Action geht und nicht um Dialoge. Aber Sprache lässt sich nicht ignorieren, wenn es auch um Charaktere und ihre Beziehungen gehen soll.
Ticket: Sind Comicverfilmungen nur Spektakel oder sehen Sie darin auch Anspruchsvolles?
Irons: Ich glaube, dass diese Filme den momentanen Zeitgeist unserer Welt widerspiegeln. Man könnte es so sehen: Superman symbolisiert die staatliche Macht, und Batman ist der Typ, der verärgert ist, wie alles auf der Welt abläuft, und will als Individuum einschreiten. Das ist eine Konfrontation, die wir gerade erleben, wenn wir auf Donald Trump blicken. Dass er Präsident geworden ist, hat auch mit der aktuellen Machtlosigkeit zu tun, die viele empfinden.
Ticket: Trump der Retter – das hat auch etwas Beängstigendes...
Irons: Deshalb bin ich froh, in Europa geboren zu sein. Man muss nur mal nach Afrika, Asien oder Russland blicken, um zu sehen, wie glücklich wir sein können. Gewiss läuft auch hier vieles verkehrt, und wir segeln wahrscheinlich in verdammt schwierige Zeiten.
Ticket: In gewisser Weise sieht sich Trump als eine Art Batman...
Irons: Der Mann behauptet, er könnte dies und das tun und würde jene zum Teufel jagen, die seinem System nicht entsprechen. Muskeln statt Nachdenken – so läuft es auf der Welt. Ich denke, dass Comicverfilmungen deshalb erfolgreich sind, weil sie dem Zuschauer erlauben, sich wie Batman zu fühlen.
Ticket: Sie wurden mit Anspruchsvollem berühmt. Überkommt Sie kein schlechtes Gefühl, in einem Superhelden-Film gelandet zu sein?
Irons: Nein, für mich ist es eine Art Rettungsboot. Als Schauspieler hat man zwei Seiten. Zum einen den künstlerischen Anteil, den man bedient, um bestimmte Figuren zu spielen und mit etablierten Regisseuren zu arbeiten. Zum anderen gibt es den geschäftlichen Aspekt. Heutzutage werden Schauspieler gecastet, weil sie die meisten Follower auf Facebook haben und man sich sicher sein kann, dass sie bei dieser großen Gruppe bekannt sind.

von tsc
am Fr, 17. November 2017


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