Jazzkongress

Johannes Mössinger und Thomas Lähns im Schützen

Johannes Mössinger und Thomas Lähns beim Jazzkongress.

Begegnungen von Pianisten mit Bassisten sind rar im Jazz. Dizzy Gillespie oder Chet Baker haben allenfalls ihre aus Klavier und Bass bestehenden Rhythmusgruppen gelegentlich herausgestellt. Johannes Mössinger und Thomas Lähns loten jetzt auf einem Album jenes seltene, intime Format aus. Das Ergebnis stellen die beiden beim Freiburger Jazzkongress vor.

Der Freiburger Pianist und der Basler Bassist, seit langem Partner im Trio, nutzen ihre Vertrautheit und das gegenseitige Verständnis, um neue Wege zu gehen. Diese drängten sich auf, als sich vor Monaten die Gelegenheit zu einem kurzen, spontanen Duo bot. Das Repertoire für das Album war rasch erarbeitet. Das von Mössinger Ende der 90er Jahre speziell für eine Kontrabass-Melodie geschriebene "Quirilunga" gehört dazu. "Natturno", das Titelstück des Albums, dagegen hat Mössinger für diese Platte komponiert.

Doch ist es nicht nur angenehme Musik zur Nacht, im Gegenteil: Kann der gestrichene, getragene Kontrabass den Hörer hinüberdämmern lassen, so wird er durch die polyphonen Rhythmen von "Real Face" wieder wachgerüttelt. Sich überlagernde, von Mössinger flüssig in Szene gesetzte Rhythmen finden sich swingend auf "Argue With Red" wieder. Hier werden sie mit dem Blues konfrontiert und in eine neue, modernere Richtung geführt.

"Wir sind Fans von Besetzungen der 40er und 50er Jahre", sagt Johannes Mössinger und verweist auf die eingangs genannten Protagonisten. "Gleichzeitig aber", fügt er hinzu, "sind wir auch inspiriert durch modernere Einflüsse". Diese beiden Seiten, die swingende und klassisch-romantische, strahlt das Album aus. Der Erfolg für diese außergewöhnliche Besetzung bleibt freilich abzuwarten, diesbezüglich gibt sich Mössinger keinen Illusionen hin. "Man muss das Format erst einmal etablieren", sagt der Pianist, "Es ist für uns eine Entdeckung", was es für den Hörer auch sein sollte.

von Reiner Kobe
am Fr, 30. September 2016


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