OB-Wahl in Offenburg

Kandidat Tobias Isenmann: "Ich bin der Kandidat für die Jugend"

Oberbürgermeisterkandidat Tobias Isenmann spricht über Sicherheit und neue Formen der Bürgerbeteiligung. Er will einen Jugendgemeinderat und einen Bürgerhaushalt einführen.

Wer das Alter von 25 Jahren erreicht hat, kann bei einer Oberbürgermeisterwahl kandidieren. Tobias Isenmann überschreitet das Mindestalter um vier Jahre und sagt, warum die Offenburger ihn am 14. Oktober zum Oberbürgermeister wählen sollen: "Ich bin der Kandidat für die Jugend." Einen weiteren Schwerpunkt legt er in seinem Wahlprogramm auf neue Formen der Bürgerbeteiligung.

Die Entscheidung

Tobias Isenmann ist Offenburger. Im Stadtteil Albersbösch aufgewachsen, ist er nach dem Abitur am Grimmelshausen-Gymnasium in der Welt herumgekommen. Australien, Kenia, Pakistans Hauptstadt Islamabad gehörten schon zu seinen Stationen. Sein Studium in Trier und Kiel, wo er derzeit in Politik und Soziologie abschließt, hat ihn herumkommen lassen in der Welt. Reisen ist außerdem ein Hobby. Weil seine Heimatstadt ihm aber am Herzen liege, er auch aus der Ferne immer Kontakt gehalten habe und Politik seine Profession sei, habe er sich trotz seiner Jugend für die Kandidatur entschieden. "Ich werde aber nur hier kandidieren und nicht anderswo", sagt der Mann, und der Entschiedenheit seiner Stimme widerspricht dabei allenfalls die zurückhaltende Körpersprache.

Dass die Freien Wähler ihn am 20. August bei ihrem Kandidatenduell der Mitbewerber Marco Steffens und Harald Rau nicht aufs Podium baten, mit der Begründung nur aussichtsreiche Kandidaten einzuladen, und dass das erste berufliche Ziel OB doch eine bisschen hoch gegriffen sei, wirft den 29-Jährigen nicht aus der Bahn. Er könne das sogar ein bisschen verstehen, sagt er. Andererseits habe er frischen Wind und neue Ideen für die Jugend in einem älter werdenden Offenburg zu bieten.

Auch eine 900 Mitarbeiter starke Stadtverwaltung zu führen und mit ihr, die Stadt zu gestalten, schrecke ihn nicht. Im Gegenteil. Auch nicht die Expertise der Fachbereichsleiter, die ihm im schlechtesten Fall ja auch wegen seiner Unerfahrenheit ein X für ein U vormachen könnten. "Erstens ist jeder OB auf diese Expertise angewiesen und zweitens habe ich schließlich Politik auch studiert, um Spielchen zu durchschauen", antwortet er selbstbewusst. Dennoch habe er einen Plan B. Falls es mit der OB-Wahl nicht klappen sollte, könne er sich die Stelle des wissenschaftlichen Mitarbeiters bei einem Parlamentarier vorstellen.

Ein Parteibuch habe er nicht: Überparteilichkeit sei für einen OB wichtig. Gewählt habe er bisher nach ausführlichem Studium von Wahlprogrammen hauptsächlich Parteien, für die Soziales und Umwelt wichtig sei. Die Frage nach SPD und Grüne dementiert er lachend nicht.

Der Wahlkampf

Sein Wahlkampf sei eine Low-Budget-Veranstaltung. Geld habe er nicht viel zur Verfügung, sagt Tobias Isenmann. Er rufe deshalb zu Spenden auf, Plakate seien teuer und er würde sie gerne teilweise so finanzieren. Ein Netzwerk von Freunden helfe mit Rat und Tat. Seine Freundin reise aus Trier an, um ihn an seinem Infostand immer samstags unter den Pagoden zu unterstützen. Dort will der 29-Jährige auch die 100 Unterstützerunterschriften sammeln, die er für die Kandidatur braucht. Termine in den Ortschaften, bei Vereinen und Institutionen stehen im September an. Um jüngere Wählerschichten anzusprechen, setzt Isenmann auch auf soziale Netzwerke. Er postet seine Aktivitäten auf Facebook und Instagram. Eine besondere Aktion ist dort: "Auf ein Bierchen mit Tobias Isenmann". Dort lädt er ein: "Wenn ihr als WG oder einfach so in einer geselligen Runde Lust habt, über die OB-Wahl in Offenburg zu reden oder mich als Kandidaten kennenlernen wollt, dann ladet mich ein und ich bringe eine Kiste Bier mit."

Die Themen

Im BZ-Gespräch ist Isenmann bisher der erste Kandidat, der das Thema Sicherheit an erster Stelle nennt. Die enge Zusammenarbeit von Streetworkern und Polizei, die gewaltbereite Zeitgenossen eng begleiten, um zu erkennen, "wenn es kippt", wie der Mitbewerber Harald Rau vorgeschlagen hat, findet er gut. Ebenso einen kommunalen Ordnungsdienst, den Marco Steffens vorgeschlagen hat. Zur Behauptung des AfD-Kandidaten Ralf Özkara, Sicherheit sei kein Thema im OB-Wahlkampf sagte Isenmann: "Herr Özkara sollte seine Hausaufgaben machen und die Programme der Kandidaten lesen."

Das wichtigste Thema ist für ihn die Bürgerbeteiligung. Als Angebot an die Jugend will er den Jugendgemeinderat wiederbeleben, aber nicht in der zahnlosen Form, wie es ihn schon gab, sondern mit einem Antragsrecht im Gemeinderat und einem Anfragerecht gegenüber der Stadtverwaltung. Die bestehenden Formen der Bürgerbeteiligung in Offenburg nennt er ineffizient und Alibiveranstaltungen. Dass die Oberbürgermeisterin einmal im Monat eine Bürgersprechstunde als geschlossenen Termin anbietet, sei nicht mehr zeitgemäß. "Wie in Kiel sollte die Stadt im Internet über die mittel- und langfristig geplanten Projekte informieren, so dass ich als Bürger von Albersbösch sehen kann, was in meinem Stadtteil geplant ist." Bürgerinnen und Bürger sollten über ein interaktives Internetportal Vorschläge für Ausgaben eines "Bürgerhaushalts" machen können. Die Verwaltung bewertet die Vorschläge in einem Ampelsystem nach machbar (grün), schwierig aus den und den Gründen (gelb) und geht nicht (rot). Der Gemeinderat entscheidet dann. Letzterer werde dadurch nicht entmündigt, sonder erfahre im Gegenteil eine Stärkung seiner Rolle durch die engere Rückkoppelungen an den Bürgerwillen.
von Ralf Burgmaier
am Fr, 14. September 2018 um 17:24 Uhr

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