Kandidatencheck

Karin Binder (Die Linke) im Wahlkreis 284 Offenburg

Bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen sind für Karin Binder das Ziel ihrer politischen Arbeit: "Soziale Gerechtigkeit bekommen wir nur mit Umverteilung von oben nach unten", sagt die Gewerkschafterin, die seit 2005 für die Linke im Bundestag sitzt und Ernährungspolitische Sprecherin Ihrer Fraktion ist.

von Moritz Lehmann
am Mo, 18. September 2017

"Was ich im Sinn habe..."

"... ist eine solidarische und soziale Gesellschaft mit Zukunftschancen für alle Kinder, unabhängig ihrer Herkunft und unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die auch an ihre Alten und Kranken denkt und sich kümmert, damit niemand hinten runter fällt, die alle Menschen, die bei uns leben, einbezieht, mit gleichen Rechten ausstattet und an Entscheidungen beteiligt. Nur so wird unsere Demokratie nicht nur aufrechterhalten, sondern auch mit Leben erfüllt werden."  

Autor: bz

"Was ich anpacken will..."

"...sind bessere Arbeitsbedingungen in Deutschland. Viele Menschen können heute kaum noch ihre Familie, geschweige denn soziale Beziehungen pflegen, weil der Job sie auffrisst. Andere haben keinen sicheren Arbeitsplatz und kein Einkommen, das auch eine Familienplanung ermöglicht. Wir brauchen neben zwölf Euro gesetzlichem Mindestlohn, ein Verbot von Leiharbeit und die Einschränkung von Werkverträgen, aber auch eine echte Arbeitszeitverkürzung. Erwerbsarbeit muss umverteilt werden.  

Autor: bz

"Mein Herz schlägt für..."

"...eine solidarische Gesellschaft, in der soziale Gerechtigkeit gelebt wird, in der Gemeinwohl und Menschenwürde vor Konzernprofiten und Gewinnmaximierung des Kapitalmarktes stehen und in der PolitikerInnen und Regierung tatsächlich die Zukunftschancen aller Kinder im Blick haben und alles dafür tun, dass diese Kinder in einer friedlichen Welt aufwachsen können."  

Autor: bz

"An die Nieren geht mir..."

"... die falsche, unsoziale Sparpolitik von Finanzminister Schäuble, der mit seiner"schwarzen Null" verhindert, dass Gesamt- und Ganztagsschulen - mit einer anständigen Tagesverpflegung für die Kids - ausgebaut werden, der mit seinem Sparzwang für Länder und Kommunen verhindert, dass in Kinderbetreuung, Pflegeheimen und Krankenhäusern genügend Personal anständig beschäftigt wird, der mit seiner Politik auch einen zügigen Ausbau des ÖPNV und einer anwohnerfreundlichen Gütertransportstrecke im Rheintal ausbremst. Gerade in einer langjährigen Niedrigzinsphase würde es dem Exportweltmeister Deutschland guttun, wenn auch in den notwendigen Ausbau der Infrastruktur im ländlichen Raum mehr investiert würde."  

Autor: bz

Drei Ziele...

... für meinen Wahlkreis

» die Erhaltung der Ortenau-Kliniken für eine gute wohnortnahe medizinische Versorgung,
des Ausbau des ÖPNV, damit BerufspendlerInnen, SchülerInnen und auch Ältere ohne Auto mobil sind,
» der Ausbau von Ganztagesschulen und -betreuung, damit jedes Kind eine Chance bekommt."

... für die Bundespolitik

ein Exportverbot für Rüstungsgüter und Waffen, damit Kriege beendet werden und Menschen nicht mehr flüchten müssen,
» eine Umverteilung der Arbeit durch eine Arbeitszeitverkürzung auf eine 30 Stunden-Woche, damit auch Frauen, ältere Menschen und Berufseinsteiger Chancen auf existenzsichernde Einkommen haben.
eine vom Bund mitzufinanzierende qualitativ hochwertige und kostenfreie Kita- und Schulverpflegung  

Autor: bz

"Beweglichkeit in der Politik..."

"... bedeutet für mich, dass ich als Verbraucherpolitikerin auch Erzeugerpreise der Bauern und Arbeitsbedingungen von Beschäftigten in der Produktion im Blick habe. … bedeutet für mich auch, dass Finanzpolitiker die sozialen Belange der Bevölkerung nicht aus den Augen verlieren und dass Verteidigungspolitiker Abrüstung und ein Verbot von Waffenexporten zu ihrem obersten Ziel erklären. Als Politikerin muss ich mich auf vielen politischen Feldern bewegen und für meine Projekte BündnispartnerInnen innerhalb und außerhalb des parlamentarischen Rahmens finden – das bringt Bewegung in Alles."  

Autor: bz

"Mein weiterer Weg führt mich..."

"...hoffentlich zu immer neuer Erkenntnis und Erfahrung und schließlich näher an meine politischen Ziele."  

Autor: bz

ZUR PERSON: Karin Binder

Seit ihrer Ausbildung war sie engagierte Gewerkschafterin und in der Funktion als Jugendvertreterin und Betriebsrätin ehrenamtlich aktiv, bis sie 2003 in Karlsruhe zur DGB-Regionsvorsitzenden und 2005 in den Bundestag gewählt wurde.

Geboren: : 28. August 1957
Wohnort: Karlsruhe-Südstadt
Beruf: Bundestagsabgeordnete, Gewerkschaftssekretärin

Karriere: bis 2003 Kfm. Angestellte, 2003 -2005 Regionsvorsitzende DGB-Mittelbaden, seit 2005 MdB
Ausbildung: Handelsfachwirtin IHK

Parteimitglied seit 2005

http://www.karin-binder.de  

Autor: bz

NACHGEHAKT: Info

Schäuble den Wahlkreis nicht kampflos überlassen

Eigentlich sollte die laufende Legislaturperiode ihre letzte sein. Seit 2005 sitzt Karin Binder für die Linke im Bundestag, auf der Landesliste ihrer Partei steht sie nicht mehr. Weil sie Platz machen wolle für Jüngere, sagt sie im Gespräch. Warum tritt sie überhaupt an? Weil sich der eigentlich für den Wahlkreis vorgesehene Kandidat wegen einer schweren Erkrankung ausfiel. Es war bereits Juni, alles musste schnell gehen. Die Partei habe deshalb jemanden wie Binder gebraucht: einen "alten Hasen", wie sie sagt. Ihre Motivation: Schäuble nicht kampflos den Wahlkreis überlassen. Dem Mann, der mit seiner schwarzen Null aus ihrer Sicht für vieles steht, was Binder bekämpfen will: die Verkümmerung des ländlichen Raumes. Es müsse in ländliche Infrastruktur investiert werden: in den öffentlichen Nahverkehr, in Schulen, in Kitas und in Krankenhäuser. Glaubt sie, Schäuble sein Mandat abjagen zu können? "So einfältig sind wir nicht", sagt Binder. Und darum gehe es auch nicht. Auf die Zweitstimme komme es an. Und dafür brauche es jemanden, der linke Positionen persönlich vermitteln könne. "Die wenigsten lesen ein Parteiprogramm", ist Binder überzeugt. Auch nach zwölf Jahren im Bundestag, was gleichbedeutend mit zwölf Jahren Opposition ist, wirkt Binder noch immer kämpferisch. Kritik an ihrer Partei kontert sie routiniert. Idealisten, die in einem auf Kompromiss ausgelegten System keine Chance haben? "Als Gewerkschafterin sage ich Ihnen: Ein Kompromiss steht immer am Ende der Verhandlung." Eine Partei der Streithähne? "Ohne politischen Streit verändert sich nichts." Regierungsunfähig? "Wir regieren, wenn es die Mehrheiten dafür gibt – ohne Knebel-Koalitionsverträge, auf die sich die SPD einlässt. Sie sägt sich damit den Ast ab, auf dem sie sitzt." Bis 1998 war Binder selbst Mitglied der SPD, 20 Jahre lang. Schon zuvor hatte ihr die Sozialpolitik der Partei, die in der Agenda 2010 mündete, Bauchschmerzen bereitet. Als die SPD dann deutsche Truppen in den Jugoslawien-Krieg ziehen ließ, war Schluss. Einige Jahre später landete sie bei der Linken. Nur eine Frage macht Binder wütend: ob sich ihre Partei vor ihrer SED-Vergangenheit drückt? Sie habe es satt, sich ständig für etwas rechtfertigen zu müssen für etwas womit sie, wie viele andere auch, gar nichts zu tun gehabt habe: "Die Linke ist eine neue Partei."  

Autor: mor


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