"Keiner schaut Dich mehr krumm an"

BZ-INTERVIEW mit Erwin Seitel von der Boxstaffel Blau-Weiß Lahr über den Boxabend in Offenburg und die Akzeptanz des Boxens.

LAHR/OFFENBURG. Am kommendem Samstag steigt in der Baden-Arena in Offenburg der Boxabend mit Arthur Abraham. Der größte (Amateur-)Boxverein in der Region ist die Boxstaffel Blau-Weiß Lahr. Was dessen Geschäftsführer Erwin Seitel von dem Kampf, vom Profiboxen und seinen Auswirkungen auf den Amateursport hält, darüber sprach er mit BZ-Redakteur Christian Kramberg.

BZ: Herr Seitel, haben Sie schon eine Karte für den Boxabend am Samstag?

Seitel: Ja, für die zweite Reihe. Es war ein Weihnachtsgeschenk von meinen Kindern, aber ich wäre auch so auf jeden Fall hingegangen.



BZ: Ist das ein Pflichttermin für jeden Boxfan?

Seitel: Ja, wenn so eine Veranstaltung schon direkt vor der Haustür stattfindet. Ich war auch schon vor einigen Jahren bei den Klitschkos, als sie in Offenburg geboxt haben.

BZ: Um das Comeback von Arthur Abraham wird ein großer Hype gemacht. Ist das gerechtfertigt?

Seitel: Trotz einiger Niederlagen zuletzt hat er als Boxer eine wahnsinnige Vergangenheit, gerade wenn ich an den Boxkampf 2006 denke, als er mit einem gebrochenen Kiefer gegen Edison Miranda gekämpft und auch noch gewonnen hat. Diese Härte zeichnet ihn aus.

BZ: Ist Abraham ein guter Boxer?

Seitel: Das ist Ansichtssache. Abraham ist nicht unbedingt der "Fechter mit der Faust". Er kann harte Treffer einstecken und setzen, aber ist boxerisch nicht so ein Stilist wie zum Beispiel die Klitschkos oder Henry Maske. Ich bin ganz ehrlich: Ich freue mich am Samstag mehr auf den Kampf von Robert Stieglitz, weil er eben ein solcher Stilist ist und im Ring technische Raffinesse zeigt.

BZ: In sportlicher Hinsicht ist Arthur Abraham also nicht unbedingt ein Vorbild für den Lahrer Boxnachwuchs?

Seitel: Das kann man so nicht sagen. Es gibt auch in Amateurklassen ähnliche Typen, die es mit roher Gewalt versuchen. Ich bin aber eher ein Verfechter des technischen Boxens mit Kopf.

BZ: Attraktiver wirkt aber ein Typ wie Abraham, der durch den Ring walzt?

Seitel: Ja, die Leute sehen das natürlich gerne, wenn da einer alles weg haut im Ring und es richtig Prügel gibt.

BZ: Lässt sich Profiboxen überhaupt mit dem Amateurboxen, wie es bei der Boxstaffel betrieben wird, vergleichen?

Seitel: Bei den Profis werden zwölf Runden gekämpft, bei den Amateuren drei – das ist schon einmal ein großer Unterschied. Bei den Profis steckt auch eine ganz andere Schlagkraft dahinter. Jeder Amateur, der den Schritt zu den Profis macht, hat eine große Hürde zu nehmen. Das ist sportlich eine ganz andere Welt.

BZ: Gibt es überhaupt genügend Nachwuchs. Wie sieht es derzeit bei der Boxstaffel in Lahr aus?

Seitel: Wir haben etwa 30 Mitglieder, die regelmäßig ins Training kommen, aber nur fünf, sechs, die offiziell Kämpfe bestreiten. Es ist leider so, dass die Zahl der Boxer, die nicht nur trainieren, sondern auch in den Ring gehen, zurückgeht. In den 50er, 60er Jahren hat die Boxstaffel über zehn oder mehr Aktive verfügt, die Kämpfe bestritten haben. Heute gibt es in ganz Baden-Württemberg keinen Verein, der eine Mannschaft zusammenbringt.

BZ: Woran liegt das?

Seitel: Die Konstanz, wie sie unser Trainer Stefan Leuthner oder auch ich über 40 Jahre gezeigt haben, die gibt es heute einfach nicht mehr. Im Boxen kann man in ein, zwei Jahren keinen Krieg gewinnen. Die Fortschritte im Boxen sind klein, das ist eine langwierige Geschichte.

BZ: Profitiert die Boxstaffel dann überhaupt von einer Veranstaltung wie in Offenburg?

Seitel: Ja, das würde ich schon sagen. Das rückt den Boxsport wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Wir profitieren natürlich von den Medien und der Berichterstattung übers Boxen, gerade was unsere eigenen Boxabende anbelangt. Es ist los gegangen, als Henry Maske populär wurde. Ab da gab es wieder Akzeptanz und Zuspruch für den Boxsport in Deutschland, was bis zum heutigen Tag anhält. Heute schaut Dich keiner mehr krumm an, wenn Du sagst, dass Du Boxer bist. Das war früher schon anders. Wir haben bei der Boxstaffel mittlerweile ein Manager-Boxen. Das sind vor allem Unternehmer und Selbständige aus der Region, die boxen statt ins Fitnessstudio gehen. Wir in der Boxstaffel versuchen, eine gewisse Seriosität an den Tag zu legen. Zu uns kommt auch die Geschäftswelt.

Arthur Abraham war gestern zu Gast in der BZ-Sportredaktion. Lesen Sie mehr auf der Seite "Sport in der Ortenau".
von ch
am Mi, 11. Januar 2012

Badens beste Erlebnisse