Kerzenwerkstatt in Ihringen

Kerzenziehen für Kinder

Honigduft und Knetlust: Ein Besuch in der Kerzenwerkstatt in Ihringen.

Mhm, welch ein Duft: Als sie die Kerzenwerkstatt betreten, recken die drei Mädchen erst einmal schnuppernd ihre Nasen. Sie dürfen heute an einem Kurs von Kerzenmacher Klaus Weggler teilnehmen. Der arbeitet in einem fantastischen Reich: honigfarbene Hasen, Igel, Vögel, Pferde bevölkern seinen Arbeitstisch. Die Mädchen dürfen auswählen: Welche Form soll ihre erste eigene Kerze annehmen? Sara (6) entscheidet sich für ein ruhendes Pferd, Blanca (7) wählt einen Hasen mit großen Löffeln, Emma (ebenfalls 7) einen Elefanten, der seinen Rüssel in die Höhe streckt.

Was braucht es für eine Kerze noch? "Einen Docht", weiß Sara sofort. Sobald der Docht in der Form steckt, kann heißes Wachs hineingegossen werden. "Aber Vorsicht", warnt Klaus Weggler, "da hat sich auch schon mal jemand verbrannt."

Die Arbeit mit dem flüssigen heißen Wachs ist der Grund, warum die Kurse in der Kerzenwerkstatt erst für Kinder ab sechs Jahren angeboten werden. Gerne kommen Eltern, um einen Kindergeburtstag in Wegglers Werkstatt im Herzen von Ihringen zu feiern. Aber auch jede andere Gruppe ist mit vorheriger Anmeldung in der Kerzenwerkstatt willkommen.

Mit einer Kanne voll flüssigem Wachs dürfen die Mädchen jetzt ihre Formen füllen. "Wann ist die Form voll?", will der Kerzenmacher wissen. "Wenn’s überläuft", ruft Emma. Und recht hat sie. Blanca beginnt und, huch, so schnell ist die Form aufgefüllt, dass sich gleich eine große Lache Bienenwachs auf dem Arbeitstisch ausbreitet. "Richtig so", findet Weggler. Denn, nur wenn die Hasenform ganz aufgefüllt ist, steht die Kerze später gerade. Und außerdem lässt sich mit dem übergelaufenen Wachs herrlich kneten. Aber erneut ist Vorsicht geboten: Erst wenn das Wachs etwas abgekühlt ist. Dann aber fühlt sich das warme Wachs in den Händen richtig gut an, ist wunderbar geschmeidig und lässt sich zu neuen Kunstwerken formen. "Das könnt ihr ruhig ausgiebig machen. Kneten ist nämlich gut fürs Gehirn und macht schlau", sagt Weggler.

Jetzt aber steht eine neue Herausforderung an: das Kerzenziehen. Was braucht es dafür? Einen langen baumwollenen Docht und einen tiefen Topf mit bernsteinfarbenem und wohlriechendem Wachs, in den der Docht wieder und wieder eingetaucht wird. Mit jeder neuen Schicht wächst die Kerze in die Breite. Eintauchen, abtropfen lassen, eine Runde um den Tisch gehen und wieder einreihen – das dürfen die Kinder nun zehn Mal machen. Dann hat die Kerze eine gute Dicke erreicht. Jede Schicht Wachs muss ausreichend trocknen, bevor wieder getunkt werden kann.

Und was passiert, wenn wir die Kerze zu lange in das Wachs halten? Stirnrunzeln auf Seiten der Kinder. "Dann wird sie zu dick?", mutmaßen sie. "Nein", verrät der Fachmann, "dann würden die unteren Schichten einfach wieder wegschmelzen."

Während die gezogenen Kerzen am Haken trocknen, können die jungen Künstlerinnen nachsehen, was aus den gegossenen Exemplaren geworden ist. Sehr vorsichtig müssen sie aus der Hülle geschält werden, damit auch ja kein Öhrchen, Rüssel oder Schwänzchen abbricht und es Tränen gibt. Geschafft: Hase, Elefant und Pferd sind heil. Zufriedenes Leuchten in den Augen der Kinder. Aber gleich schon die Frage: "Und was machen wir jetzt?"

Klaus Weggler hat noch viele Ideen. Zunächst dürfen die Mädchen die Schalen von Walnüssen in schwimmende Kerzen verwandeln. Das geht so: Wachs eingießen und dann den richtigen Zeitpunkt abwarten, in dem das Wachs weder zu flüssig, noch zu fest ist. Dann wird ein kurzer Docht eingesteckt. Zum Glück weiß der Fachmann, wann der Moment gekommen ist. Schließlich betreibt Klaus Weggler die Kerzenwerkstatt gemeinsam mit seiner Frau bereits seit 40 Jahren. Die Kerzen – alle aus reinem Bienenwachs – verkauft er im an die Werkstatt angeschlossenen Laden und auf dem Freiburger Münstermarkt.

In der Werkstatt haben die Kinder jetzt noch einen Wunsch: Ihre selbst gezogene Kerze soll auch so elegant gedreht sein wie jene im Laden. Kein Problem: Weggler holt kleine Wellhölzer hervor, mit denen die Mädchen ihre Kerzen nun kräftig platt walzen. Dann können die Kerzen von Hand gedreht werden. Voilà: Das Kunstwerk ist gelungen und darf zu allen anderen selbst hergestellten Schätzen gepackt und zu Hause stolz präsentiert werden.

von Silke Kohlmann
am Fr, 16. März 2018

Info

Angebote für Kinder

Kerzenwerkstatt Aloke in

Ihringen:
Workshops und Kindergeburtstage, Tel. 07668/9962825, Kosten 14 Euro, http://www.aloke.de
Seifentruhe in Elzach: Offene Kreativwerkstatt freitags 15-17 Uhr mit Anmeldung, Tel. 07682/925470, Kindergeburtstage/Gruppen auf Anfrage, http://www.schwarzwaldseife.de
Ökostation Freiburg: Jeden dritten Samstag im Monat 10-12.30 Uhr Gartenerkundungen, basteln, Stockbrot backen am Lagerfeuer, Kinder (7-10 Jahre) kostenlos, Anmeldung: http://www.oekostation.de

Dieter-Kaltenbach-Stiftung Lörrach: Offene Töpferwerkstatt, montags 15-17.15 Uhr, offene Holzwerkstatt mittwochs 15-17.15 Uhr, http://www.kaltenbach-stiftung.de

Kursatelier Couture Creative, Ebringen: Nähkurs 27./ 28.3., 9-12 Uhr, 36 Euro, Tel. 0173/8793527
Werkraum Schöpflin, Lörrach-Brombach: Viele Kurse für Kinder http://werkraum-schoepflin.de
Fixenbauernhof, Schuttertal:

Filzen & Co: http://mehr.bz/kizz

Weitere Tipps für Kids: http://mehr.bz/aktivekids  

Autor: skn

Badens beste Erlebnisse