Kinderbetreuung gibt es nur im Ausnahmefall

Geschlossene Schulen und Kindergärten stellen Eltern vor Herausforderungen / Lernmaterial aus dem Internet.

KREIS WALDSHUT. Seit gestern sind Schul- und Kindergartenkinder daheim. Nicht nur Kindertagesstätten sind geschlossen, auch Tageseltern dürfen ihrer Tätigkeit nicht nachgehen. Dies gilt voraussichtlich bis einschließlich Sonntag, 19. April, also bis zum Ende der Osterferien. Damit stehen vor allem berufstätige Eltern vor einer großen Herausforderung. Ein Überblick zur Notfallbetreuung und die Situation in den Einrichtungen am Hochrhein.

Die Notfallbetreuung gibt es für Kita-Kinder, Grundschüler und Schüler der Klassenstufen 5 und 6. Allerdings werden nur Kinder berücksichtigt, bei denen die Eltern in den Bereichen der sogenannten "kritischen Infrastruktur" arbeiten. Doch in vielen Anträgen wird mit folgendem Satz eine Ausnahme ermöglicht: "Sollte Ihr Beruf nicht zu denen der Aufrechterhaltung der 'kritischen Infrastruktur' nötigen Berufsgruppen gehören, Sie aber vor anderen unumgänglichen Notsituationen innerhalb der Familie stehen, melden Sie sich bitte ebenfalls. Wir werden den jeweiligen Fall innerhalb der Schulleitung im Einzelnen prüfen." Allerdings seien die Plätze für die Notfallbetreuung begrenzt. Michael Swientek, Pressesprecher des Landratsamts Waldshut erklärt die Ausnahmen: "Sollte für einzelne Schüler eines Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums (SBBZ) mit dem Förderschwerpunkt körperlich-motorische Entwicklung oder geistige Entwicklung oder auch für Kindergartenkinder mit Behinderung die häusliche Betreuung nicht gesichert sein, unabhängig davon, ob die die Eltern im Bereich der kritischen lnfrastruktur arbeiten, soll auch für diese Kinder unabhängig von der besuchten Klassenstufe ein Angebot bereitgestellt werden."

"Grundsätzlich kann es an jeder Schule eine Notfallbetreuung geben. In größeren Kommunen kann die Notfallbetreuung auch gebündelt an ein bis zwei Schulen organisiert werden", erklärt Hans-Joachim Friedemann, der Leiter des Staatlichen Schulamts Lörrach, das auch für den Landkreis Waldshut zuständig ist. Laut Friedemann spielt dabei auch die Möglichkeit der Essensbereitstellung im Ganztagsbetrieb eine Rolle. Laut Friedemann gibt es die Empfehlung, die Gruppengröße auf maximal zehn Kinder anzusetzen. Denn das übergeordnete Ziel sei auch bei der Einrichtung der Notfallbetreuung die Ausbreitung des Coronavirus abzuschwächen.

Die Schulen informieren auf ihren Internetseiten oder in Elternbriefen über die Notfallbetreuung und veröffentlichen dort die Anträge. Diese müssen Eltern dann schnellstmöglich zurücksenden. Für die Betreuung von Kindergartenkindern sind die Anträge auf den Seiten der Träger aufgeführt. Die Schulkinder werden während der Betreuung das tägliche Pensum ihrer Aufgaben bearbeiten, jedoch werden sie nicht unterrichtet, steht in den Anträgen. Als Betreuungspersonen werden laut Kreis-Pressesprecher Michael Swientek, Lehrkräfte, die über 60 Jahre alt sind oder relevante Vorerkrankungen haben, sowie Schwangere nicht eingesetzt.

Alle Schüler haben am Montag Unterrichtsmaterial oder Zugriff zu digitalen Lernsystemen erhalten. Digital habe das Kultusministerium den Schulen sehr rasch und pragmatisch das Lernmanagementsystem "Moodle" zur Verfügung gestellt, erklärt Friedemann. Das Angebot sei kostenfrei und sofort verfügbar. "Das Lernen in der Schule ist ein sehr wichtiger Anker im Leben der Kinder und Jugendlichen, um den ihr Alltag kreist", sagt Friedemann. "Alle Schüler, ganz besonders jene, die sich auf Abschlussprüfungen vorbereiten, werden bei der Bearbeitung von Unterrichtsmaterialien von ihren Lehrkräften unterstützt", erklärt der Amtsleiter des Schulamts Lörrach. Die Schulleiter oder ihre Stellvertreter werden an den Unterrichtstagen zu den üblichen Unterrichtszeiten erreichbar sein.

Zum Notfallplan bezüglich der Abschlussprüfungen will das Kultusministerium in den kommenden Wochen konkreter informieren, so Kultusministerin Susanne Eisenmann. Am Hochrhein-Gymnasium Waldshut etwa fallen die praktischen Abiturprüfungen in die Zeit der Schulschließung und finden somit nicht statt. Alle Prüfungen nach den Osterferien finden jedoch statt, gibt Schulleiterin Mechthild Rövekamp-Zurhove in einem Elternbrief bekannt.
von Verena Wehrle
am Mi, 18. März 2020

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