Kirchhofens schönstes Wohnzimmer

Die Orgel in dem Ehrenkirchener Teilort ist rund 40 Jahre alt / Sie orientiert sich an einem Instrument aus dem 19. Jahrhundert.

EHRENKIRCHEN. Bis zurück ins 13. Jahrhundert reicht die Geschichte der Kirche Mariä Himmelfahrt in Kirchhofen. Das barocke Schmuckkästchen in exponierter Lage beherbergt ein spannendes Instrument mit wechselvoller Geschichte: Eine Orgel aus den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, für die eine Orgel aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts als Vorbild diente. In deren Gehäuse steckte zwischenzeitlich jedoch noch ein Instrument aus der Zeit kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges.

Klingt kompliziert und klingt vor allem herausragend. "Es ist eine wirklich gelungene Orgel, guter Klang, gute Firma", sagt Fuldas Domorganist und Professor für Orgelimprovisation, Hans-Jürgen Kaiser, der auch das Eröffnungskonzert zur im vergangenen Jahr begonnenen Orgel-Jubiläums -Konzertreihe gab. In der Wallfahrtskirche sind Orgeln seit dem 16. Jahrhundert belegt, über die jedoch nichts Näheres bekannt ist. Die eigentliche Orgelgeschichte beginnt mit der 1815 fertiggestellten Schuble-Orgel. Ihr Gehäuse steht zumindest zu großen Teilen noch heute auf der Empore, der Inhalt jedoch wurde zwischenzeitlich zwei Mal runderneuert.

1914 zog die Schwarz-Orgel in die hölzerne Behausung, wie noch heute eine Tafel an eben dieser belegt. Seit 2007 spielt Organist Ulrich Strub ein Instrument aus dem Jahre 1977. Er sitzt auf dem wohl begehrtesten Platz in "Kirchhofens schönstem Wohnzimmer", wie Pfarrer Herbert Malzacher findet. Die Orgel wurde von der Endinger Firma Fischer und Krämer gebaut – und zwar nach dem Vorbild der legendären Schuble-Orgel. Diese hatte schon vor 200 Jahren ideal mit dem Kirchenraum harmoniert, so belegen Zeitdokumente, in die sich Günther Kaiser, der die Festschrift zum Orgeljubiläumsjahr mitverfasste, eingearbeitet hat. Fischer und Krämer ist dieses Kunststück mit ihrer Rekonstruktion erneut gelungen. "Es gelang ein Werk zu konzipieren, das in Konstruktion und klanglicher Aussagekraft dem klassischen Orgelbau der Lande am Oberrhein hervorragend entspricht. Wie es einer guten Orgel zukommt, sind nun in Kirchhofen wieder Inneres und Äußeres zu einer Einheit zusammengefügt", schwärmte schon kurz nach dem Einbau der Fischer und Kärmer-Orgel kein Geringerer als der Orgelsachverständige Bernd Sulzmann. "Das ist eine Perle", sagt Hobby-Orgel-Forscher Günther Kaiser, "sie ist sehr vielseitig, man kann alles darauf spielen." "Sie hilft uns durch ihren Klang, den Gottesdienst würdig zu gestalten", freut sich ihrerseits die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Gerlinde Schätzle.

Raum, Orgel und Musiker passen zusammen

"Zunächst ist mal die Orgel da, aber Herr Strub hat ein großes Einfühlungsvermögen. Er unterstreicht den Inhalt der Gottesdienste", sagt Pfarrer Malzacher. Manchmal würden die Orgel und ihr Meister auch ganz eigene Akzente setzen. Diese überraschen Malzacher zunächst, würden jedoch immer zur Predigt passen. Strub selbst weiß, welchen Schatz er in dem kunstvollen Instrument mit dem eindrucksvollen Klang und der nicht minder eindrucksvollen Optik – allein das Rückpositiv der Fischer und Krämer Orgel erinnert an eine kleine Orgel für sich – zum Klingen bringen darf. Ansonsten gibt sich Ulrich Strub bescheiden. "Nicht jeder Sonntag ist gleich. Ich bekomme mit, wie die Stimmung ist. Die Orgel bringt dann das Gefühl der Mitfeiernden zum Ausdruck", beschreibt der Organist sein Tun an etlichen Pedalen und zwei Manualen. "Der Raum, die Orgel, der Musiker – da haben sich Drei gefunden", ist man sich im Kirchhofener Pfarrhaus einig. Nun hofft man viele Orgelfreunde zu finden, die bereit sind, für die dringend notwendige Generalüberholung des inzwischen auch schon 37 Jahre alten Instrumentes zu spenden. Auch die Erlöse aus der Jubiläumskonzertreihe, die noch bis zum August 2015 läuft, kommen der Orgel zugute.

Am Samstag, 21. Februar, findet um 18 Uhr in der Pfarrkirche Kirchhofen ein Orgelkonzert mit Ulrich Schwarze statt. Er war von 1984 bis 1988 Organist und Chorleiter in Kirchhofen. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen und kommen der Instandhaltung der Orgel zugute.

Das aktuelle Konzertprogramm gibt es auch im Internet auf der Seite: http://www.kath-obere-moehlin.de

von Julius Steckmeister
am Sa, 21. Februar 2015

KIRCHHOFENER ORGEL

Name: Fischer und Krämer Orgel

Gebaut: 1977 bei Fischer und Krämer in Endingen am Kaiserstuhl nach dem Vorbild der Schuble-Orgel von 1814

31 Register davon acht im Rückpositiv. Die Renovierung erfolgt, "sobald das Geld zusammen ist."  

Autor: just

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