Klein, aber fein mit zarten Tönen

BZ-WEIHNACHTSSERIE: Peter Maier spielt auf der Orgel in Sankt Stephan in Gottenheim, die teilweise aus Umkirch stammt.

GOTTENHEIM. Gebraucht muss nicht immer schlecht sein, dieser Meinung ist Peter Maier, der seit 25 Jahren als Organist in Sankt Stephan in Gottenheim tätig ist und die dortige Orgel, die teilweise ursprünglich aus Umkirch stammt, schätzen gelernt hat.

"Wir haben hier in der Gottenheimer Pfarrkirche Sankt Stephan eine kleine feine Orgel, sie spielt schön", betont Peter Maier, der kürzlich wieder mit einem Kirchenkonzert mit Werken von französischen Meistern für Begeisterung in der gut gefüllten Kirche gesorgt hat. Alle zwei Jahre spielt Maier, zumeist mit seinem Bruder Eric, ein studierter Kirchenmusiker, ein großes Konzert in Gottenheim. Doch auch sonst ist der 47-Jährige regelmäßig in Sankt Stephan zu hören – kaum ein Gottesdienst, an dem er nicht spielt.

Früher habe er sogar fast alle Veranstaltungen, ob Taufen oder Beerdigungen sowie kirchliche Feiern und mehrere Gottesdienste in der Woche begleitet, doch die zunehmende berufliche Belastung mache dies heute nicht mehr möglich, bedauert der Beamte im Postdienst.

Drei bis viermal die Woche übt Peter Maier auf seinem Instrument, in den zwei Monaten vor einem Konzert sind es sogar täglich mehrere Stunden. Die kleine Aufwandsentschädigung, die es von der Kirche gebe, sei ihm dabei nicht wichtig, meint der ausgebildete C-Musiker, dem man die Freude an seinem Hobby anmerkt. Nur im Urlaubs- oder Krankheitsfall, was aber sehr selten vorkomme, werde er beim Gottesdienst von einem Organisten aus der Nachbarschaft vertreten, erzählt Maier, der die Akustik in der 1727 erbauten und nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebauten Kirche lobt.

In drei Jahren Abendschule hat er, dessen Vater Alfred Maier viele Jahre in führenden Positionen in der Kirchengemeinde tätig war, das Orgelspielen und Dirigieren gelernt. Unter Pfarrer Paul Dölken begleitete er Anfang der 1990er Jahre seine ersten Gottesdienste, besuchte aber stetig weiter Fortbildungen bei renommierten Orgellehrern. Maier hat dabei viel Freude an der Kirchenmusik, doch besonders hat es ihm die romantische Musik französischer Komponisten angetan: "Die Orgel hier kann schöne zarte Töne und das passt auch zur Kirchengröße."

Geweiht wurde die Gottenheimer Orgel im Oktober 1982 mit einem festlichen Konzert. Doch ihr Kern ist schon mehr als 100 Jahre älter. Über Jahrhunderte war Gottenheim eine Filiale der Umkircher Pfarrei. Und da scheint es passend, dass auch die dortige Orgel einen Bezug zu Umkirch hat. Weihnachten 1858 wurde in der katholischen Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt zu Umkirch eine neue Orgel mit zwölf Registern zum ersten Mal bespielt. Finanziert von zahlreichen Spenden aus der Gemeinde wurde die Orgel vom damals in Hugstetten wohnenden Eduard Stattmüller gebaut.

Teile der alten Umkircher

Orgel blieben erhalten

Doch im Zuge einer Kirchenrenovierung 1868 wurde laut alten Aufzeichnungen ein dazu gehörender Wartungsvertrag wieder gekündigt. In der Folge hatten die Umkircher immer wieder technische Probleme mit ihrer Orgel. Durch Ölfarben verdorbene Pfeifen, von verdrückten Zinnpfeifen, einem mangelhaften Blasebalg, einem überholungsbedürftigen Manual samt Pedalerie, kaum öffnenden Ventilen und einer ungeeigneten Sonderkonstruktion der Windladen ist die Rede. Generationen von Orgelinspekteuren und Baumeistern versuchten in der Folge, die Stattmüller-Orgel zu sanieren. Doch immer wieder traten weitere Probleme auf. 1979 gaben die Umkircher auf und bestellten sich ein neues Instrument.

Doch die Orgel wurde nicht verschrottet, die Marcher Firma Orgelbau Späth nutzte ihren Kern, um für die Gottenheimer Kirche eine neue Orgel zu bauen. Die Gesamtkosten lagen laut Peter Maier bei rund 220 000 D-Mark. Darin enthalten sind der Kauf der alten Orgel sowie ihr Um-, Ein- und Ausbau. Auch wenn der Auftrag in den Firmenarchiven von Späth als Neubau gilt, so sind doch viele alte Teile erhalten geblieben. Unter anderem die Hauptregister und zwei Pedalregister, aber auch Teile des Gehäuses, das von Michael Bauernfeind aus Breisach restauriert und umgestaltet wurde. Zu sehen ist das noch gut in Sankt Stephan, denn der alte Orgelkasten musste um 30 Zentimeter verkürzt werden, um auf die Empore zu passen. Auch in der zur Jahrtausendwende sanierten Kirchendecke gibt es einen Einschnitt für den Orgelkasten, auch mussten die größten Pfeifen gekrümmt werden, um in die Kirche zu passen.

Heute ist das Instrument noch immer eine mechanische Windladeorgel, hat 21 Register und rund 1600 Pfeifen. Größere technische Probleme seien ihm nicht bekannt, meint Organist Maier, allein die zwei Manuale und das Pedalmanual seien etwas ausgeleiert und damit schwer zu bespielen. Doch die Probleme seien bekannt und sollen bei der nächsten Orgelrevision samt Grundreinigung, die im kommenden Jahr ansteht und für die gerade Spenden gesammelt werden, behoben werden.
von Mario Schöneberg
am Do, 04. Dezember 2014

ORGEL IN SANKT STEPHAN

- Baujahr: 1980 gekauft, Um- und Einbau bis 1982
- Firma: Orgelbau Späth, March
1982 geweiht
- Register: 21
- Pfeifen: zirka 1600
- letzte Orgelrevision: im Jahr 2000 nach der Innenrenovierung der Kirche

Mehr zum Thema gibt es unter http://mehr.bz/orgelserie
 

Autor: schö

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