Stadtverwaltung Lahr legt neue Pläne vor

Kompromiss bei der Bebauung Altenberg: weniger Geschosse, breitere Bauten

Bei der umstrittenen Bebauung am Altenberg in Lahr zeichnet sich ein Kompromiss bei den Neubauten rund um die Denkmale ab. Drei Gebäude sollen niedriger werden, zwei dafür breiter.

LAHR. Die neuen Pläne der Stadtverwaltung werden am Dienstag, 4. Juli, im Rathaus in der Sitzung des Technischen Ausschusses vorgestellt. Im September soll es eine weitere Bürgerinformation geben, um das komplexe Projekt zu erläutern. Reichswaisenhaus und Thaederhaus sollen präsent bleiben. Die geplanten Neubauten am Altenberg dürfen die Denkmale nicht in den Schatten stellen. Diese Empfehlung des Denkmalamts wird in neuen Entwürfen für die Altenberg-Bebauung aufgegriffen. Die Häuser in der dritten Baureihe sollen niedriger werden, die in der vierten Baureihe die Denkmäler nicht überragen.

Was soll geändert werden?
Fünf Varianten für das städtebauliche Konzept sind am 20. Juni im Rathaus nichtöffentlich diskutiert worden. Gemeinsames Ziel: die Denkmale stärker berücksichtigen, die wegfallende Wohnfläche an anderer Stelle ausgleichen. Laut Stadtverwaltung hat sich in der Sitzung der Wunsch abgezeichnet, Variante 5 umzusetzen. Die sieht so aus: Die beiden Gebäude zwischen den Denkmalen und das westliche Gebäude werden drei- anstatt viergeschossig (plus Dachgeschoss). Beim östlichen Gebäude bleibt es bei vier Stockwerken plus Dachgeschoss. Dafür werden die beiden außenstehenden Gebäude um maximal drei Meter verbreitert. Anstelle eines Doppelhauses in der Bürklinstraße sind in dem Entwurf vier Reihenhäuser geplant. Unterm Strich macht das 15 872 Quadratmeter Wohnfläche (ohne Kindertagesstätte). Bei der vorigen Variante war noch von 16 269 Quadratmetern die Rede gewesen.

Welche Alternativen gibt es?
Ursprünglich hatte die Verwaltung empfohlen, auch beim östlichen Neubau auf ein Vollgeschoss zu verzichten. Als Ausgleich wurde der Bau von Eigentumswohnungen in zweiter Baureihe der Bürklinstraße vorgeschlagen. Auch der Bau eines fünften Gebäudes in der obersten Reihe oder eine Verbreiterung der äußeren Neubauten um bis zu fünf Meter waren als Ausgleich im Gespräch. Diese Varianten scheinen in der nichtöffentlichen Sitzung aber nicht die größte Zustimmung gefunden zu haben.

Was sagt das Denkmalamt?
Das Landesdenkmalamt begrüßt die Änderungen. Am 16. Juni hat es ein weiteres Gespräch gegeben. Die Behörde befürwortet die Reduzierung bei der Höhe der Gebäude und hätte auch nichts gegen eine Vergrößerung der Wohnfläche in der Bürklinstraße einzuwenden. Kritisch gesehen wird indes die Verbreiterung der seitlichen Bebauung.

Was sagt der Investor?
"Wir haben eingelenkt", sagt Bauwert-Chef Uwe Birk auf BZ-Anfrage zur neuen Planung. Die Architekten hätten eine Lösung gefunden, sodass die Gebäude in der nördlichen Reihe die Denkmale nicht überragen. Auch 521 Quadratmeter weniger Wohnfläche im Vergleich zur letzten Planung sind aus seiner Sicht ein tragbarer Kompromiss. Im oberen Bereich könnten etwa sechs Einheiten wegfallen, in der Bürklinstraße zwei hinzukommen, schätzt Birk. "Damit können wir ins Finale kommen", sagt der Investor. Diese Variante habe das Potenzial, die Mehrheit im Rathaus zu überzeugen.

Was sagt die Bürgerinitiative?
"Wir haben die Unterlagen erst heute Morgen bekommen", sagt Frank Himmelsbach, Sprecher der Bürgerinitiative. Am Mittwochabend will die BI die Vorlage genau unter die Lupe nehmen und anschließend auf den Gemeinderat zugehen. Genaueres könne er derzeit noch nicht sagen.

Was passiert beim Verkehr?
Zusätzlich zum Denkmalschutz gibt es noch viele weitere Baustellen. Beispielsweise will die Stadt ein Gelände kaufen, um einen Teilbereich der Altvaterstraße (nach der Einmündung Bottenbrunnenstraße bis zum Bereich der Krankenpflegeschule) zu verbreitern. Mit 25 bis 30 Besucherstellplätzen ist der Altenberg aus Sicht der Stadt vergleichsweise gut aufgestellt. Geprüft wird, ob im Plan Flächen festgesetzt werden können, wo später bei Bedarf weitere Parkplätze für Anwohner entstehen könnten.

Was wird aus der Kita?
Die neue Kita als Ersatz für die Räume im Reichswaisenhaus soll dreigruppig werden. Dies werde vom Verein mitgetragen, heißt es aus dem Rathaus. Die Deutsche Bauwert als Investor will das Areal für einen symbolischen Euro zur Verfügung stellen. Der Reichswaisenhausverein wird als Bauherr für zwei, eventuell für drei Gruppen auftreten. Bei der Ausschreibung soll die Bauwert unterstützen. Wenn die Kita steht, wird sie an die Bürgerstiftung Lahr übertragen. Die "Kleinen Strolche" werden die Immobile langfristig mieten, die Stadt die Kaltmiete vollständig übernehmen. Sollte sich der Verein wider Erwarten auflösen, spränge die Stadt als Träger ein.

Wo könnte erweitert werden?

Die Stadt prüft auch, ob der Geltungsbereich des neuen Bebauungsplans erweitert werden kann. So könnte ein Grundstück des Landkreises im Bereich der Krankenpflegeschule (dort befindet sich ein verwilderter Garten) für zusätzliche Bebauung infrage kommen – unabhängig von der Planung der Bauwert. "Wir versuchen, unsere Optionen durch Grundstückskäufe zu erweitern", sagt Bürgermeister Tilman Petters.

Wie geht es weiter?
Die Planung für das städtebauliche Konzept wird am Dienstag, 4. Juli, öffentlich im Technischen Ausschuss im Rathaus diskutiert. Beginn der Sitzung ist um 16.30 Uhr. Am Montag, 10. Juli, soll der Gemeinderat dieses Konzept auf den Weg bringen. Es dient dann als Grundlage für die Fertigstellung der fachlichen Gutachten. Derzeit wird beispielsweise ein Lärmgutachten erstellt. In den Sommerferien kann der Entwurf des Bebauungsplans ausgearbeitet werden, parallel werden Gestaltungshandbuch und Vertrag fertiggestellt. Nachdem diese im September im Gemeinderat diskutiert worden sind, ist eine weitere Bürgerinformation geplant, um das komplexe Projekt zu erläutern. Im Oktober und November könnte schließlich die Offenlage des Bebauungsplans folgen.

Ein Online-Dossier mit allen Berichten der Badischen Zeitung zum Thema Bebauungsplan Altenberg und Bürgerentscheid finden Sie unter http://www.badische-zeitung.de/altenberg
von Mark Alexander
am Di, 27. Juni 2017 um 20:00 Uhr

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