Kontakt zur Außenwelt fast wichtiger

Einkaufsservice der DRK-Ortsverbände Görwihl und Rickenbach macht erste Erfahrungen / Quarantänepatienten überfordert.

HOTZENWALD. Die DRK-Ortsverbände Görwihl und Rickenbach haben eine gemeinsame Hilfsaktion ins Leben gerufen, um durch Corona gefährdeten Personengruppen Unterstützung zukommen zu lassen. Die Resonanz ist aber bislang offenbar verhalten.

"Bisher ist die Aktion noch recht schleppend angelaufen", er klärt Anita Ebner, die am Freitag den Telefondienst übernommen hat. Offenbar gibt es derzeit noch mehr Leute, die helfen wollen, als solche, die den Mut aufbringen, sich helfen zu lassen. Daher appelliert Anita Ebner an die Bevölkerung, sich nicht zu scheuen und den Hilfsdienst in Anspruch zu nehmen. Geht ein Anruf ein, wird er per App an die Helfer weitergeleitet, von denen einer sich dann meldet, um den Auftrag anzunehmen.

Am Donnerstag war Barbara Schramm-Neumann zum ersten Mal unterwegs, um zwei Ehepaare zu versorgen. Eines davon steht unter Quarantäne. Da Barbara Schramm-Neumann als Lehrerin derzeit außer der Kinder-Notfallbetreuung, die sie an zwei Vormittagen übernommen hat, über ungewohnt freie Zeit verfügt, wollte sie etwas Sinnvolles tun und hat sich als Helferin angemeldet. Dass sie dabei gleich zu Beginn auch ganz neue Erfahrungen machen konnte, erzählt sie mit viel Empathie.

Zunächst ging es darum, die Einkäufe für die Personen zu erledigen, denen sie ihre Hilfe angedeihen lassen sollte. "Dabei habe ich gleich mal zwei Verkäuferinnen im Edeka-Markt voll beschäftigt", erklärt Barbara Schramm-Neumann selbstironisch, konnte sie doch mit einigen gewünschten Artikeln erstmal wenig anfangen und rätselte angesichts der großen Auswahl mancher Produktangebote vor den vollen Regalen, welches sie nun tatsächlich einpacken sollte. Zwar waren die Belieferten sehr verständnisvoll, wenn der eine oder andere Markenartikel dann letztlich nicht ihrem gewohnten Griff ins Regal entsprach, aber die Helferin würde sich dennoch genauere Angaben wünschen, um möglichst optimal helfen zu können. Und auch, wenn die Aktion erstmal angelaufen ist und mehr Zuspruch erfährt, wäre es wichtig, mit der Suche nach den richtigen Lebensmitteln nicht unnötig Zeit zu verlieren.

Auffällig fand sie, dass die Hilfesuchenden sich teilweise noch nicht vollkommen darüber im Klaren zu sein schienen, was die Coronavorsichtsmaßnahmen wirklich bedeuten und was sie alles beinhalten. So empfand sie es natürlich als rührende Geste, beim Abliefern ihres Einkaufs gleich ein Stück Kuchen angeboten zu bekommen, musste aber gleichzeitig feststellen, dass das für ein in Quarantäne befindliches Paar keine Option sein dürfte.

Der Gedanke drängte sich auf, so Schramm-Neumann, die betroffenen Menschen seien mit dem Gefühl, nicht nach draußen zu können, vollkommen überfordert. "Ich hatte auch bei dem älteren Ehepaar, das aufgrund seiner eingeschränkten Mobilität auf Hilfe angewiesen ist, stark den Eindruck, dass es den Beiden im Grunde weit wichtiger war, den Kontakt zur Außenwelt nicht zu verlieren, als den Einkauf entgegenzunehmen", resümiert Barbara Schramm-Neumann ihren ersten Corona-Hilfeeinsatz. Ihr hat das persönliche Gespräch, das sich spontan entwickelte, sehr viel Freude gemacht. Und nicht zuletzt deshalb gilt auch für sie nochmals der dringende Aufruf an alle, sich nicht zu scheuen, das Hilfsangebot anzunehmen.
von Karin Steinebrunner
am Sa, 21. März 2020

Hilfsangebot

Von Montag bis Samstag können sich jeweils von 10 bis 12 Uhr hilfebedürftige Einwohner von Görwihl, Herrischried, Rickenbach, Todtmoos und dem südlichen Dachsberg unter der Telefonnummer 07754-222 melden. Nicht nur die Mitglieder des Roten Kreuzes selbst, sondern insgesamt rund 50 Helfer haben sich bereit erklärt, für diese Personen einzukaufen und den Kontakt zur Außenwelt herzustellen. Das gilt auch für Quarantänepatienten.  

Autor: kss

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