Künstler im Markgräflerland

Ausstellungen in Sulzburg, Müllheim, Badenweiler und Neuenburg am Rhein.

Vom Markgräflerland fühlten und fühlen sich noch heute auch viele darstellende Künstler angezogen. Deshalb wird auch ihnen während der Heimattage Baden-Württemberg ein Part mit verschiedenen Ausstellungen eingeräumt. Ausgesucht wurden Namen, deren Klang über die Region hinausreicht.

JÜRGEN BRODWOLF

Mit seiner Tubenfigur fand Jürgen Brodwolf die Spielfiguren seiner Kindheit wieder. Damit wurde er bekannt. Die zerquetschte, menschengestaltig zurecht gedrückte Farbtube wurde zur variablen Möglichkeit, Bilder von Leben und Tod zu erzählen, vom Leiden und gewaltsamen Sterben – von organisierter, politischer Gewalt. Immer ist es die sterbliche Hülle, die ihn beschäftigt, dann auch lebensgroß in Bleiblech, in Pappe und Gaze und Pappmaché. Der in der Schweiz geborene, in Kandern lebende 78-jährige Objekt- und Installationskünstler, Maler und Zeichner belebt seine Figur in Szenen und reflektiert sie als Mumie und als Idol. Seine "Gedächtnisspeicher" und räumlichen Interventionen sind von einer tiefen Melancholie geprägt.

FRANZ GUTMANN

Er wohnt ganz oben im Münstertal, auf dem Stohren, also schon fast auf dem Schauinsland. Und dies ist auch mehr als eine Randbemerkung. Diese Rauheit und Einfachheit da oben in der Natur, das ist, was er sucht, so wie er die starke Form sucht, das klare Zeichen und Wort. Der 81-jährige Franz Gutmann ist in seinem Künstlerleben immer wieder und weit herum im ganzen Land für die Kirche tätig gewesen. Im Freiburger Münster ist es ihm gelungen, den Altar der Gemeinde nahe zu rücken – wenngleich gegen Widerstand. Einen Aufstand hatte Jahre vorher sein an einen Stahlträger gehefteter Christus für die Freiburger Universitätskirche ausgelöst. Und es ist ja auch, als wollte der Bildhauer die Zumutung der Bildvorstellung noch einmal hervorkehren. Der Gottessohn als gequälte Kreatur! Provokativ ist Gutmann oft, wenn es um eine Sache geht. Und nicht weniger eine Sache gläubiger Weltanschauung ist für ihn auch die Erotik, die Sinnlichkeit, die Natur der Liebe. Da hat er Bilder gefunden, die Sittenapostel schäumen lassen.

KARLHEINZ SCHERER

So leicht wie er malte keiner. So jedenfalls sah es aus. Karlheinz Scherer war das Dekorative durchaus nicht suspekt. Um zu malen, brauchte er keine spekulative Begründung und kein tiefes Inneres als Schöpfgrund. Werbeplakate, Seiten aus Modemagazinen und Dekostoff beschäftigten ihn, nicht weniger als die große Kunst eines Tintoretto. Blüten und Frauen waren die Generatoren seiner malerischen Fantasie. Schon früh wurde der in Efringen-Kirchen lebende Scherer als großes Talent erkannt, mit Preisen geehrt. Ein Künstler, der mit den Möglichkeiten der Peinture spielte. Aber irgendwie drängte es ihn dann nicht mehr groß, sich hervorzutun. Nahm er die Malerei wirklich so leicht? Oder war er vielmehr der Zweifler, den seine leichten Bilder nicht zeigen? Nicht erst vorm Tod im Jahr 2008 und in der Zeit seiner Krankheit sah man allzu wenig von ihm.

ARTUR STOLL

Nicht allein und verloren sein zu wollen, war eine starke Motivation. Wenn Artur Stoll malte, dann ging es darum. Wer seine Bilder sieht, hat den Eindruck, dass sie ihm alles erst schaffen mussten, was ihm im Leben fehlte. Sie waren das Gegenüber, in das er sich hineinsteigern konnte. In ihnen beschwor er das Bild seines Geburtsorts: Norsingen. Angekommen ist er nie am Ziel seiner Wünsche. Die großen Gemälde vom Bauernhof, von der heimischen Landschaft, von Blumen und Pflanzengrün – alles Anläufe, mit der Kraft der Verzweiflung. Es brauchte immer neue. Und in der unbedingten Nähe, die er suchte, verkehrte sich das Bild. Man wusste nicht: Ist es der Maler, der hier die Dinge verschlingen will? Sind es die Dinge, die Zähne zeigen? Vertrautheit sieht anders aus. Aber diese Malerei hat ihre Kraft behalten. Auch sieben Jahre nach dem frühen Tod Artur Stolls überwältigt sie. Ohne Berechnung entstanden, allein aus der Empfindung, dass sie nur so und nicht anders sein kann, ist dies noch einmal Ausdruckskunst.

BERND VÖLKLE

In diesem Jahr wird der Maler im Markgräfler Tannenkirch schon 70. Man glaubt es nicht. Die Beweglichkeit ist noch immer die des jungen Bernd Völkle. Maler ist Völkle, aber er zeigt, was für ein weiter Begriff das ist. Seine Retrospektive im Freiburger Museum für Neue Kunst ist da noch lebhaft in Erinnerung. Die fliegenden Wechsel: der malerischen Modi (abstrakt oder figurativ), der Themen, der Materialien. Sein lustvoller Umgang mit Farben – und wie er sich selbst nicht scheut, Bilder zu zerstören, um in den Resten das mögliche Mal-Objekt bloßzulegen. Der Bildtitel "Malereilandschaft", der sich oft wiederholt, sagt es: In der Malerei ist der Mann zu Haus, sie ist der Ort, den er stets aufs Neue selbst bestimmt. Das Übermalen, Überarbeiten pflegt er, wie der Kollege Karlheinz Scherer das auch tat. Malerei ist ein dauernder Verwandlungsprozess für ihn – eine lebendige Geschichte. Er erfindet sie beständig neu. Im Atelier hängt ein Bild mit dem Motto "Kein Ende mit dem Malen".

Ausstellungen in der ehemaligen
Synagoge und im Landesbergbau-
museum in Sulzburg, im Markgräfler Museum in Müllheim, im Kunstpalais in Badenweiler und im Stadthaus in Neuenburg. Gemeinsame Eröffnung ist am Mittwoch, 8. September, 19 Uhr, in der ehemaligen Synagoge in Sulzburg. Galerie Wörn in Sulzburg zeigt außerdem "Baden-Württemberg konkret".
von Volker Bauermeister
am Do, 22. April 2010

Badens beste Erlebnisse