Kunst auf der Gefühlsebene

ZUM ERSTEN, ZUM ZWEITEN, ZUM HELFEN: Robby Walter die andere Welt, zwischen den Dingen / Flieder in der Kaserne.

LÖRRACH. Zwei Dutzend Künstler beteiligen sich an der Aktion "Zum Ersten, zum Zweiten, zum Helfen" zugunsten der BZ-Weihnachtshilfe. Sie stellen Arbeiten zur Verfügung, die am 19. November bei einer Veranstaltung in der Volksbank verkauft oder versteigert werden. Die BZ stellt  die  Künstler vor, heute Robby Walter.

Robby Walter geht anders an die Kunst heran als viele andere – nämlich komplett auf der Gefühlsebene. Was sich im Rationalen abspiele, etwa die Suche nach einer Technik, um eine bestimmte Idee  von einem Bild zu realisieren, reiche nicht aus, um eine eigene Bildsprache zu entwickeln, beschreibt er seine Erfahrungen. Die Angst, sich auf eine bestimmte Richtung festzulegen, mache es für ihn als Künstler schwieriger, denn schließlich habe er auch keinen Wiedererkennungswert.

  In der Expression hatte die Kunst eine Funktion – heute wie damals, sagt Robby Walter. Zu Anfang galt das auch für ihn, aber heute, in einer Zeit, in der die Kunst sich mit dem Ausdrucksmittel Werbung messen muss, geht er in die gegenläufige Richtung,  arbeitet viel feiner und nuancierter. Egal ob mit dem Fotoapparat, dem Stift oder dem Pinsel: Er  zielt auf das ab, was immer er spürt  zwischen all den ganz starken Dingen, die auf einen einstürzen. Er sucht die  andere Welt, die heute größtenteils nicht einmal mehr wahrgenommen wird. 

 Robby Walter hat schon den Wunsch, diese behalten zu dürfen und zu behüten.  Um das zu erreichen, muss er sie etwa in Fotografien "verwirklichen" und bei der Gestaltung nachforschen, welches Tageslicht oder was für eine Zeit er braucht.  Im besten Fall gebe es jemanden, der die zarten Zwischentöne erkenne und ähnlich empfinde.

Als er so  über seine Arbeitsweise spricht, fällt Robby Walter ein anschauliches Beispiel für die gewünschte Wirkung ein. Als der in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) geborene und aufgewachsene Künstler  seinen Dienst bei der Nationalen Volksarmee ableistete, so erinnert er sich, hat er sich in der hässlichen Umgebung der Kaserne eine blühende Fliederdolde auf  den Nachttisch gestellt, deren Duft und Anblick er so mochte. Noch heute zeigt er sich erstaunt darüber, dass die Kameraden seinerzeit ganz anders reagierten als gedacht. Statt sich über ihn lustig zu machen, taten sie  es ihm nach.

Vom Wesenhaften von Dingen und Stimmungen sollen seine Werke erzählen – trotz oder gerade auch wegen der Tatsache, dass die Menschen diesbezüglich immer unempfindlicher werden. Er wünscht sich,  die richtigen Töne zu treffen, damit  auch die stillen Sachen, die er macht, in ihrer vordergründigen Einfachheit  und  flüchtigen Subtilität ihre Wirkung entfalten. Das gilt auch für seine jüngste Arbeit "Don’t look back",  die er für die BZ-Kunstauktion zur Verfügung gestellt hat. Die lebt gerade davon.

"Vielleicht ist es unsere Aufgabe als Menschen, das Nebeneinander verschiedener Wahrheiten zu bewahren und um Toleranz zu kämpfen –  gerade für die nächste Generation", fasst  Robby Walter seine Überlegungen zusammen. Und vielleicht müsse man Räume schaffen für Empfindungen. Seine Lebenserfahrung habe ihn gelehrt, dass dies ein Gewinn sei. Die Entdeckung der Stille am Ende einer langen Entwicklung  – für ihn  hat sie einen hohen Stellenwert und eine ebensolche  Qualität.  "Wenn es still ist, spüre ich immer die stärkste Energie",  berichtet der Künstler, der als Schweißer arbeitet.  

Robby Walter: "Don't look back",  40 x 50 Zentimeter, hinter Glas gerahmt,  Aquarell, Blei- und Buntstift; Mindestgebot: 300 Euro 
von Barbara Ruda
am Di, 08. November 2011

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