Laufevent

Läufer-Perspektive: Wie war’s beim Freiburg-Marathon?

Wind aus allen Richtungen, Sprühregen und Kälte: Traumbedingungen waren das nicht. Aber BZ-Mitarbeiterin Barbara Meyer hat den 12. Freiburg Marathon trotzdem genossen. Ein Erfahrungsbericht aus Läuferinnen-Perspektive.

Die Wettervorhersagen verhießen nichts Gutes für den diesjährigen Freiburg Marathon: Sturmtief Mike würde quasi mit den Läuferinnen und Läufern auf die Strecke gehen, und genauso kam’s. Regen und Wind – für kaum einen Traumbedingungen. Auch nicht für BZ-Mitarbeiterin Barbara Meyer. Die 36-jährige Germanistin und Journalistin ging trotzdem die 21,1 Kilometer an. Und verschnaufte nach ihrem Zweistunden-Rennen nur kurz – um dann zu berichten, wie Wetter und wechselwilde Zuschauer den Teilnehmern zugesetzt haben. Und warum’s doch toll war.

Kondition
Meine Kondition ist super. Ich mache Powerfitness und gehe auf jeden Fall dreimal in der Woche laufen, immer so zwischen acht und zwölf Kilometern. Und zwar immer dieselbe Strecke, raus zum Opfingersee, einmal rum und zurück nach St. Georgen. Nur so kann ich meine Fitness verlässlich einschätzen.

Beschwörungsrituale
Einige haben da ganz eingefahrene Abläufe. Bei mir gibt’s nur zwei Sachen, die unbedingt sein müssen: Am Morgen vorm Start drei Brote dick mit Honig beschmiert – und vorm Lauf dann muss mir mein Lebensgefährte die Laufschuhe zubinden. Dann weiß ich, die sind richtig feste zu. Und: irgendwie bringt mir das auch Glück.

Lampenfieber
Unbedingt geht alles mit Lampenfieber los. Deshalb versuche ich auch, nicht schon am Tag davor die Aufmerksamkeit auf den Lauf zu richten, das macht mich nur hibbelig. Der emotional aufgeladenste Moment ist für mich der Start, da könnte ich glatt losheulen. Danach wird’s dann lockerer.

Panoramapiste
Die Strecke von der Messe her in die Stadt, der Abstecher an die Dreisam und dann das Gewusel durch die Innenstadt: Das ist immer alles ziemlich schön. Eine Strecke mit ganz viel ganz unterschiedlichem Panorama. Dass es diesmal auch übers Güterbahnhofsareal ging, war eigentlich eine ganz hübsche Wegeführung. Obwohl man nicht so sehr aufnahmefähig ist für die Umgebung, wenn man ein Rennen läuft. Aber man nimmt es doch wahr. Und hat so seine Lieblingsetappen und solche, die man schnell hinter sich bringen will – diese langen Geraden, zum Beispiel.

Windverhältnisse
Der Wind kam heute von überall her und das war nervig. Ein Alptraum war die Kartäuserstraße: Das zieht sich eh dort so ewig hin, es geht so ganz fies und stetig bergauf und dazu dann der Wind, der es irgendwie geschafft hat, einen überall als Gegenwind anzublasen oder zumindest elends zu beuteln … das hat echt keinen Spaß gemacht! Dafür hab’ ich nur am Anfang Regen abbekommen, immerhin.

Spaßfaktor
Was mir persönlich am allermeisten Spaß gemacht hat, war, dass ich heute gleich an zwei Bands vorbeikam, die gerade Narcotic von der Band Liquido spielten. Da war ich schon so im Flow, dass ich nicht wahrgenommen habe, welche Bands das waren – aber das war beide Male wie so ein Kick, der richtig gut tat. Das gibt dann so einen spürbaren Schub, wenn du was hörst, mit dem du schöne Erinnerungen verknüpfst.

Bremsklötze
Ganz blöd war, als mir in der Stadt wie bei so einem plötzlichen Wildwechsel ein Zuschauer in meinen Lauf reingequert ist. Ich musste voll abbremsen und das ist mir so in den Oberschenkel gefahren, dass ich zuerst dachte, ich krieg das nicht wieder hin. Aber ich bin ganz ruhig weitergelaufen und nach einer Weile ging’s dann wieder. Wer selbst nicht Rennen läuft, ahnt glaub’ ich gar nicht, wie schlimm das für die Läufer ist.

Performance
Heute hab’ ich mich gefühlt wie eine Schnecke. So langsam. Anfangs hab ich noch versucht, das Tempo hochzudrehen, aber es ging nicht. Also hab ich mir gedacht, vergiss die Zeit und genieß es – und das war genau richtig. So bin ich mit zwei Stunden ins Ziel gekommen – es gab auch schon Läufe mit 1:52. Aber heute war ich ehrlich gesagt froh, dass ich trotz Wind und Wetter durchgehalten hab.

Support
Der Soundtrack von den Bands an der Strecke ist normalerweise eine irre Unterstützung, heute hab ich oft die Pausen von den Bands erwischt – und deshalb war auch ganz schön oft nix. Dafür aber war das Publikum speziell klasse. Viele lesen auf der Startnummer deinen Namen und klatschen und rufen dann: Du schaffst das, Barbara! Und Freunde an der Strecke muntern einen auch auf, das tut gut! Heute sind meine Patenkinder Chiara und Samuel quasi als Lockvögel im Ziel gewesen.

Highlight
Mein spezielles Highlight ist immer die Oberau. Da ist irre viel los, ein super munteres Publikum und von oben aus einem Haus läuten Anwohner mit Kuhglocken und unten spielt die Steelband "Kolibri" – da bekommt man richtig für einen Moment Flügel!

Motivation
Den ganzen Lauf lang lief eine junge Frau immer irgendwo auf einer Höhe mit mir, auf deren T-Shirt stand: "Warum tun wir uns das eigentlich an?" Das fand ich wohltuend witzig, dass diese Frage immer wieder auftauchte. Ich rede nicht so gerne während dem Rennen, sondern bin eher stumm. Aber im Ziel musste ich ihr das dann unbedingt noch sagen, wie mich ihr T-Shirt begleitet und gefreut hat!

Hinter der Ziellinie
Im Ziel bin ich ganz Euphorie – da drehe voll auf und denke, Mensch, Wahnsinn, du hast es geschafft! Und dann gibt’s bergeweise Hefezopf. Und zu Hause die Badewanne und Pasta – und faul auf dem Sofa rumliegen ohne schlechtes Gewissen: Das hat man sich richtig verdient!

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von Aufgezeichnet von Julia Littmann
am So, 29. März 2015 um 18:23 Uhr

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