Breitensport

Läufer trotzen beim 12. Freiburg-Marathon Wind und Wetter

Temperaturen von knapp über zwölf Grad und dazu ein stürmischer Wind: Der 12. Freiburg-Marathon war nichts für Zartbesaitete. Vor allem die Windböen machen den 11.137 Startern am Palmsonntag zu schaffen. Gewonnen haben das größte Breitensport-Event im Südwestzipfel der Republik zwei Freiburger.

Vorjahressieger Lukas Naegele gewinnt den Marathon der Männer, Ann-Kathrin Htellstern siegt bei den Frauen. Die Schnellsten im Halbmarathon sind der Italiener Gianluca Borghesi und Jeanine Kaskel aus Bad Säckingen.

Wimmelbild ohne Dieter
"Das sind die Fotos, die die Fotografen lieben", ruft der Streckenmoderator und blickt auf die wabernde Menschenmasse vor sich. Wie recht er hat. An dem kollektiven Massenzappeln beim morgendlichen Start an der Madisonallee kann man sich nur schwer sattsehen. In der ersten Reihe zippelt Vorjahressieger Lukas Naegele nervös an seiner Sonnenbrille herum, die lokale Politprominenz gibt Prognosen über die eigenen Laufzeiten ab und Marathon-Organisator Gernot Weigl wartet bereits im Führungsfahrzeug auf den Startschuss. Nur einer fehlt: Olympiasieger Dieter Baumann, der als Tempoläufer an den Start gehen sollte. "Er ist krank", sagt Weigl, Chef der Münchner Sportagentur Runabout.

Das Stehauffrauchen
Von sich selbst sagt sie, sie sei eine "Bruchpilotin". Im Ziel präsentiert Marathonsiegerin Ann-Katrin Hellstern den passenden Beweis für ihre These – eine Schürfwunde unter dem Knie. "Ich bin in der Innenstadt auf dem Kopfsteinpflaster gestürzt", sagt Hellstern und verdreht die Augen. In Südbaden hat sie sich vor allem als Mountainbikefahrerin einen Namen gemacht. "Auch auf dem Mountainbike falle ich ab und zu auf die Nase." Jetzt steht die 29-Jährige im Zielbereich an der Freiburger Messe und erzählt von einem Rennen, das sie schwer mitgenommen hat: "Ich bin so fertig. Am Anfang bin ich viel zu schnell gelaufen und ab Kilometer 30 habe ich Krämpfe bekommen", berichtet Hellstern. Wenn sie da aufgehört hätte, mutmaßt sie, hätte sie keinen weiteren Meter mehr laufen können. Also beißt sie auf die Zähne – und belohnt sich mit dem Sieg. In 3:03:01 Stunden absolviert sie die 42,195 Kilometer und erreicht damit ihr persönliches "Triple": "Jetzt habe ich alle drei Events gewonnen: den Ultra Bike Marathon, den Schauinslandkönig und den Freiburg-Marathon." Zweite hinter Hellstern mit vier Minuten Rückstand wird die Schweizerin Carole Genoud Germanier. Sie ist zum ersten Mal in Freiburg. "Ich wollte mal einen kleineren Marathon laufen, weil ich bisher nur große Läufe wie in Berlin kenne", sagt Germanier – und bereut ihre Entscheidung nicht. "Die Leute hier sind sehr freundlich." Auch Miriam Köhler freut sich über ihren dritten Platz (3:08:03). "Vor zwei Jahren wurde mein Bruder Felix Zweiter und ich jetzt Dritte. Es war super."

Die Titelverteidiger
Super läuft es auch für Lukas Naegele. Und das zeigt er. Als der 26-Jährige nach 2:28 Stunden in die Zielgerade einbiegt, reckt er auf den letzten Metern die Fäuste in die Luft. Sein anschließender Jubelschrei drückt die pure Freude aus: "Großartig", sagt der gelernte Mittelstreckenläufer über seinen Sieg in persönlicher Bestzeit. Fast neun Minuten trennen ihn vom Zweitplatzierten – seinem Chef Thomas Klingenberger. Der hatte sich kurzfristig zur Teilnahme entschlossen: "Bis vor zwei Tagen hatte ich noch keinen Babysitter", sagt Familienvater Klingenberger. Dass es für Naegele wieder zum Sieg reicht, wundert ihn nicht. Den Sieger dafür schon: "Vor dem Start war ich nervös. Als Vorjahressieger wird man automatisch als Favorit gehandelt", erklärt er. Mit einem Sieg hatte er höchstens "geliebäugelt". Zumal auch ihn der Wind irritierte. Aber Naegele geht das Rennen überlegt an, "nicht so schnell wie im Vorjahr". Nur seine Muskeln drohen gegen Ende den Dienst zu quittieren. Aber er hält durch und freut sich über seine Zielzeit: "Das hätte ich niemals erwartet."

Italienisches Tempo
International angehaucht ist der Marathon auch in seiner zwölften Auflage. Aus 34 verschiedenen Nationen gehen Läufer an den Start. Einer davon ist der Italiener Gianluca Borghesi, der Halbmarathonsieger von 2013. Nach 1:09 Stunde steht er am Sonntag wieder auf dem Siegertreppchen. Bis Kilometer 16 bildet Borghesi mit dem Freiburger Benedikt Hoffmann und Omar Tareq (TuS Lörrach-Stetten) das Spitzentrio. "Dann hat er angezogen", berichtet der zweitplatzierte Hoffmann. Im Ziel fehlen ihm nur 13 Sekunden auf Borghesi. "Ich gebe zu, dass ich gerne gewonnen hätte. Aber den Italiener hatte ich nicht auf der Rechnung", sagt Hoffmann. Auf den letzten Kilometern habe er noch mal Hoffnung geschöpft. Doch Borghesi blieb uneinholbar. Auch Marathon-Organisator Gernot Weigl lobt den Italiener. "Er ist sehr clever gelaufen." Der Gelobte selbst freut sich vor allem über die tolle Stimmung in Freiburg – "obwohl das Wetter schlecht war".

Start-Ziel-Siegerin
Deutlich ist die Angelegenheit beim Halbmarathon der Frauen: Schon nach zwölf Kilometern liegt die spätere Siegerin, Jeannine Kaskel, mit einer Minute in Front. Die Bad Säckingerin verdoppelt diesen Vorsprung bis zum Zielstrich, den sie nach 1:20:40 Stunde überquert. "Es lief erstaunlich gut", sagt dann auch eine sichtlich zufriedene Halbmarathonsiegerin. Das Wetter sorgte zwar im Vorfeld auch bei ihr für Bedenken. "Und", so Kaskel, "ich wusste auch, dass gute Teilnehmerinnen am Start sein würden." Doch die werden ihr nicht gefährlich: nicht die Zweitplatzierte Stefanie Doll (1:22:58), die eigentlich Skimarathonläuferin ist und auch nicht die Dritte Lena Schmidt (1:23:10). Bei der Hinterzartenerin Doll ist die Freude dennoch riesig: "Ich hätte nie gedacht, dass ich so schnell bin". Weil sie zuletzt krank war, hat sie vier Wochen im März nicht trainieren können. Auf der Strecke sei es für sie dann immer besser gelaufen: "Aber ich bin total überrascht über meine Zeit."

Die Verkleideten
Der Freiburg-Marathon ist für viele Läufer auch immer eine Art Kostümfest. In den vergangenen Jahren gingen schon allerlei Clowns bei dem Jedermannlauf auf den Rundkurs. Zu den Hinguckern im Jahr 2015 zählen neben einem barfüßigen Pumuckl und zwei als Bierflaschen verkleideten Läufern der Freiburger Raphael Vogler und seine Begleitläuferin Ilka Noack: Das Paar läuft die Marathonstrecke verkleidet als Engel (sie) und Teufel (er). Für Engelchen Ilka ist es sogar die Marathonpremiere – und sie entpuppt sich dabei als besonders umsichtige Läuferin: "Sie ist bei jeder roten Ampel stehen geblieben", sagt Teufel Raphael. Ein echter Engel eben.

Die Bilanz
"Unsere Befürchtungen in Sachen Wetter haben sich zum Glück nicht bewahrheitet", sagt Runabout-Chef Gernot Weigl nach dem Lauf. Der große Regen bleibt aus und auch die Rettungskräfte erleben an der Strecke einen Freiburg-Marathon ohne Auffälligkeiten. "Im Vergleich zum Vorjahr verlief alles ruhig", berichten der leitende Notarzt Matthias Roth und die organisatorische Leiterin der Rettungskräfte, Maren Gösling. Außer Blasen an den Füßen und leichten Schürfwunden haben die rund 170 Einsatzkräfte von DRK, Johannitern und Maltesern keine ernsthafteren Blessuren zu verarzten. Von den 11137 Startern erreichen rund 97 Prozent auch das Ziel. "Es war ein durchweg positives Marathonwochenende für uns", sagt Veranstalter Gernot Weigl. Da richtet Weigl gerne den Blick auf das kommende Jahr. Am ersten Aprilwochenende 2016 soll der Freiburg-Marathon zurückkehren.

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von Matthias Eisele
am So, 29. März 2015 um 21:18 Uhr

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