Landwirtschaft im Blut

BZ-SERIE (TEIL 10): Liebe zur Landwirtschaft oder Ausgleich zum Beruf: Was den Nachwuchs auf dem Hof hält.

Auch am Feiertag geht es rund auf dem Maierhof in Friedenweiler, Jonas Zimmermann bereitet gerade das Futter für die Milchkühe vor, sein Vater Günter müht sich mit der Reparatur des Staubsaugers ab. Normalerweise hat er es mit großen Landmaschinen zu tun, doch auch ein Kleingerät geht mal kaputt.

Einen Tag zu finden, an dem die erwachsenen Kinder, ihre Eltern und die Großeltern für das Gespräch mit der Badischen Zeitung gemeinsam auf dem Hof sind, das ist gar nicht so einfach. Denn sie arbeiten und wohnen zwar alle gemeinsam mit auf dem Hof, manche von ihnen allerdings neben ihren Berufen.

Die Familie Zimmermann lebt wider den Trend, wenn man so will. Drei Generationen wohnen gemeinsam auf dem Hof, keines der Kinder ist in die Stadt gezogen. Wären wir alle mehr Zimmermann in Deutschland, gäbe es diese Serie wohl nicht, der Demografische Wandel wäre kein Thema.

Auf dem Maierhof leben Enkel, Eltern und Großeltern von und mit der Landwirtschaft. Zu dem modernen Milchviehbetrieb gehören noch ein landwirtschaftliches Lohnunternehmen und Ferienwohnungen, die von der Seniorbäuerin und Hauswirtschaftsmeisterin Maria Zimmermann betreut werden. Schon früh kümmerte sich Kurt Zimmermann, der Vater des jetzigen Betriebsleiters Günter Zimmermann, um weitere Standbeine. Die sind nötig für den Broterwerb, da der Maierhof, für einen Schwarzwaldhof außergewöhnlich, keinen eigenen Wald besitzt. Zuerst wurde mit Kartoffelvermehrung zusätzliches Einkommen erwirtschaftet, bald folgte die Arbeit als landwirtschaftlicher Dienstleister, vor allem bei der Gras-, Mais- und Getreideernte. Ein Feld, das über die Jahre stetig ausgebaut wurde. An Arbeit herrscht kein Mangel, damit es läuft, müssen alle mit anpacken.

Die Arbeitsbereiche sind unter den Familienmitgliedern aufgeteilt, schwanken aber saisonal, wegen der großen Arbeitsbelastung während der Ernte. Für die Milchviehherde samt Nachzucht sorgen meist der Betriebsleiter, seine Ehefrau Sabine, die noch zu 40 Prozent als Kinderkrankenschwester arbeitet und deren Sohn Jonas (26), der dritte Landwirtschaftsmeister auf dem Maierhof. In der Erntephase, wenn der Lohnbetrieb auf Hochtouren läuft, liegt die Stallarbeit in den Händen der Frauen. Tochter Lisa und die Schwiegermütter springen dann ein, um die Tiere zu versorgen.

Das gemeinsame Mittagessen ist fester Bestandteil des Tages. Wenn alle am Tisch sitzen, wird der weitere Tagesablauf besprochen. Am Wochenende, wenn die anderen berufstätigen, aber nicht minder landwirtschaftsbegeisterten Kinder auf dem Hof sind und mithelfen, sitzt eine große Schar an der Tafel. Die Tochter Lisa und ihr Partner und die Zwillinge David und Daniel (19) helfen in ihrer Freizeit gerne auf dem Hof. Sie schätzen die Arbeit mit den Tieren und der Landtechnik. Der 22-jährigen Lisa, die gerade BWL an der Dualen Hochschule in Schwenningen studiert, bedeutet die Arbeit mit den Tieren sehr viel. "Es hilft mir runterzukommen", sagt sie. Die Liebe zu den Tieren ist sogar so groß, dass kein Rindfleisch gegessen wird, schon gar nicht von den eigenen Tieren.

Ihre drei Brüder, die alle gleichermaßen technikbegeistert sind, müssen sich nicht um einen Traktorsitz streiten, denn es gibt genügend fahrbare Untersätze. David und Daniel haben beide technische Berufe ergriffen, David arbeitet bei IMS Gear, Daniel bei einem Landtechnikunternehmen.

Die Begeisterung der nächsten Generation für das Leben auf dem Hof ist beileibe nicht selbstverständlich. Günter und Sabine Zimmermann glauben, dass es auch daran liegt, dass der Nachwuchs schon früh bei Entscheidungen auf dem Hof mit einbezogen wurde. So waren die Kinder etwa bei der Planung des neu errichteten Milchviehstalls beteiligt. Außerdem wurde die "Sicht nach draußen" erhalten, wie sie es nennen. Die Kinder sind auf dem Hof aufgewachsen und haben schon früh mitgearbeitet, dennoch gab es immer mehr in ihrem Leben, sie haben auch andere Dinge gesehen und kennen gelernt. Und trotz der vielen Arbeit schaffen es die Zimmermanns, Zeit für regelmäßige Urlaube und Hobbys zu finden. Für Günter Zimmermann steht fest, dass seine Kinder heute die Landwirtschaft als Ausgleich zu ihren Jobs in der Wirtschaft brauchen. Auch Sabine Zimmermann glaubt, dass es wohl "mehr als Geld ist", was ihren Nachwuchs auf dem Hof hält. Es sei vielleicht die Mischung von Eigenverantwortung, der Liebe zur Landarbeit und der Geborgenheit in einer Großfamilie, meint sie.

von Wolfgang Winterhalder
am Do, 02. Mai 2013


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