Der Chaffeuerverein Lahr

Lange Tradution, aber wenige Mitglieder

Der Chauffeurverein Lahr und Umgebung hat eine alte Tradition, doch die Mitgliederzahl sinkt.

LAHR. Dieses Jahr wird der 125. Geburtstag des Automobils gefeiert. Nicht ganz so alt, aber dennoch ein Traditionsverein, ist der Chauffeurverein Lahr und Umgebung, der 1923 gegründet wurde. Alles, was sich auf Rädern bewegt, hat Günter Braun (67), zweiter Vorsitzender des Vereins, und Hartmut Splett (64), Schriftführer, schon immer fasziniert.

Nicht der schnelle Porsche oder 400-PS-starke Ferrari reißt die beiden Chauffeure vom Hocker. "Bei einem Oldtimer-Traktor bleibe ich stehen", sagt Günter Braun, Berufsfahrer im Ruhestand. Er wohnt auf dem Langenhard, wo der Chauffeurverein alljährlich am Vatertag ein Fest feiert. "Die Geselligkeit steht schon im Mittelpunkt", sagen Braun und Splett, die zusammen mit ihrem Vorsitzenden Andreas Ockenfus aus Offenburg alle Anstrengungen unternehmen, damit auch das neunte Bulldog- und Schleppertreffen am Vatertag (2. Juni) zu einem Erfolg wird.

Doch die Aufgaben des Vereins waren einst konkret. "Alles, was den Verkehr sicherer macht", stand bei der Gründung und steht auch heute noch im Blickfeld des Vereins, der nur noch 30 Mitglieder zählt. "Mit Fuhrwerken fing einst alles an", berichten Braun und Splett über die ersten Aktivitäten kurz nach der Gründung Mitte der 1920er-Jahre. Inhalt des Vereins war es, berufsmäßige Fahrer ausund weiterzubilden. Schon bald ging es darum, vor allem im Lkw-Bereich Fahrer zu schulen. Dafür wurden Fahrtrainings unternommen, wurden sie in Technik geschult und mit zunehmender Modernisierung des Verkehrswesens in diesem weitergebildet. Ebenso zu den Aufgaben des Vereins gehörten immer wieder Initiativen für Verbesserungen im Straßenverkehr und für mehr Sicherheit – Ziele, für die sich heute Automobilverbände einsetzen. Früher waren auch die Busfahrer-Turniere im Lkw-Parcour auf dem Grohe-Parkplatz sehr beliebt, erzählt Braun, doch: "Daran besteht heute kein Interesse mehr." Und die Schulung von Berufsfahrern ist längst in die Hände privatwirtschaftlicher Institutionen übergegangen. Begrüßt wurde und wird noch heute von der Stadt immer das fachmännische Mitwirken des Chauffeurvereins – neben der Verkehrswacht – bei den Verkehrsschauen. Wie Braun weiter ausführt, sei es auch ein Verdienst des Chauffeurvereins gewesen, dass im Ortsteil Sulz für Schlepperfahrzeuge eine eigene TÜV-Abnahmestelle eingerichtet wurde.

Günter Braun und Hartmut Splett sind jeder auf seine Art auch ein bisschen stolz auf "ihren" Chauffeurverein. Besonders im Hinblick auf die Tatsache, dass durch dessen Initiative die Björn-Steiger-Stiftung flächendeckend zahlreiche Notrufsäulen aufgestellt hat. Als 1998 das 75-jährige Bestehen des Vereins gefeiert wurde, zählte er noch 100 Mitglieder. Inzwischen hat der Verein massiv mit der Altersstruktur und mit Mitgliederschwund zu kämpfen.

Wichtig seien heute – wie früher nebenbei – die Geselligkeit, das Feste feiern und gemeinsame Wanderungen. Und am Vatertag werden wieder zahlreiche Bulldog-Veteranen dem Chauffeurverein ihre Aufwartung machen. Vom sieben Pferdestärken zählenden "Agria" bis zum PS-strotzenden "Allrad-Schlüter" ist wieder alles vertreten, was Rang und Namen hat.

Alle veröffentlichten Teile der Serie sowie weitere Berichte finden Sie im Online-Dossier unter http://www.badische-zeitung.de
von Wolfgang Beck
am Fr, 20. Mai 2011

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