Langer Stau lediglich vorm Fahrkartenautomat

An der Leo-Wohleb-Brücke in Freiburg haben die Bauarbeiten begonnen / An Tag eins hakte es zwar an der ein oder anderen Stelle, doch sonst lief alles reibungslos .

KIRCHZARTEN. Seit gestern die Sanierung der Leo-Wohleb-Brücke in Freiburg begonnen hat, wird der Kirchzartener Bahnhof von deutlich mehr Pendlern frequentiert. Ärgerlich ist, dass die örtliche DB-Agentur nicht mit einem verbesserten Service auf die kletterenden Fahrgastzahlen reagiert. Weil nur ein einziger Automat zur Verfügung steht und dieser so seine Tücken hat, kommt es vor, dass Reisende unbeabsichtigt zu Schwarzfahrern werden.

Gestern morgen, kurz vor halb neun. Mittlerweile sind es zwanzig Reisende, die sich geduldig in die Warteschlange vor dem einzigen Fahrkartenautomat eingereiht haben. Zu ihnen gehört auch Mirna Paunovic aus Kirchzarten. Um dem angekündigten Stau im Freiburger Osten aus dem Weg zu gehen, hat sie sich entschieden, für die Dauer der Bauarbeiten auf die Bahn umzusteigen. Weil sie auch noch in der Warteschlange steht als ihr Zug in Richtung Freiburg pünktlich um 8.34 Uhr in den Bahnhof einfährt, bleibt ihr nichts anderes übrig, als ohne gelösten Fahrausweis zum Zug zu eilen. In dieselbe missliche Situation kamen zur selben Zeit noch zwanzig weitere Reisende.

Zur ungewollten Verursacherin der Warteschlange an diesem grauen und regnerischen Montagmorgen zählte Ingrid Lorenz aus dem Oberrieder Ortsteil St. Wilhelm. Da sie den Automat mit einem Zwanzig-Euro-Schein füttern wollte, dieser aber nur Papiergeld zu fünf und zehn Euro schluckt, war sie gezwungen, sich in aller Eile das benötigte Kleingeld zu besorgen. "Gottseidank konnte einer der Wartenden wechseln", so Lorenz über den unerwarteten Stress am Morgen. Die Oberriederin hat sich, wie andere in der Schlange auch, für die Dauer der Brückensanierung entschieden, vom Auto auf das umweltfreundliche Verkehrsmittel umzusteigen.

Eigentlich, so müsste man meinen, sollte die Bahn alles tun, aufgrund der besonderen Umstände die Chance zu nutzen, um zusätzlich Kunden für sich zu gewinnen. Die Realität sieht anders aus. Eine vorübergehende Erweiterung der Öffnungszeiten auf die frühen Morgenstunden kommt für Michael Waibel von der dortigen DB-Agentur nicht in Frage. "Dann machen wir ein Fass auf und müssten, sobald etwas Besonderes los ist, länger öffnen." Gegenüber der Badischen Zeitung gibt er zu erkennen, dass die Bypass-Situation im Freiburger Osten ja schon seit etlichen Wochen angekündigt sei. Wer eine Fahrkarte besorgen müsse, so Waibel, dem ist bekannt, dass er einen Zeitpuffer einzuplanen hat. Die DB-Agentur in Kirchzarten, Bahnhofstraße 25, ist montags bis freitags von 8.40 Uhr bis 12.30 Uhr und von 13.40 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet, samstags von 8.40 Uhr bis 12.30 Uhr. Sonntags ist geschlossen.

BZ-LIVETICKER
Von einer "entspannten Zugfahrt" berichtet BZ-Redakteurin Tanja Bury, die um 8.38 Uhr mit der Höllentalbahn aus Titisee nach Freiburg gefahren ist. "Jeder hat einen Sitzplatz bekommen, der Zug war nicht überfüllt", so ihre Beobachtung.

Am Freiburger Hauptbahnhof hat die Bahn nun jenen Zug bereitgestellt, der um 9.10 Uhr auf der Höllentalstrecke Richtung Seebrugg fahren wird. Wie angekündigt, wird sich dieser Zug nun mit einem zusätzlichen – vierten – Waggon auf den Weg machen. Der Zug, der zuvor (zur Haupt-Pendlerzeit) in umgekehrter Richtung nach Freiburg gefahren war, hatte nur drei Wagen.

7.50 Uhr: Ausgang Schützenalleetunnel, es geht langsam voran, aber es läuft. Hier mündet die Schwarzwaldstraße in die B31, der Verkehr muss sich wieder auf eine Spur einfädeln. Autos und Lastwagen schieben sich voran, aus Polen, aus England, aus Bayern und dem Raum Freiburg wie etwa der Laster eines Tiefbauunternehmens. Er komme aus Kirchzarten, ruft der Fahrer aus dem Fenster, er sei gleich schon am Tunneleingang in der Schlange gestand. Und dann? "So 25 Minuten bis hierher", sagt er und tritt aufs Gaspedal.

8.34 Uhr: Auf der Schwarzwaldstraße, rechts brummt der Baustellenlaster, links rauscht die Straßenbahn durch, dazwischen stehen die Abbieger in die Talstraße. "Ich komme von Eschbach und bin über Kappel durchgerutscht", sagt ein Mann aus dem Fenster seines Passats. "Das war überhaupt kein Problem." Und weiter geht's, die Ampel ist grün.

9.45 Uhr: Der Weg von Kirchzarten nach Freiburg ist weitgehend frei. Auf der Suche nach dem Stau haben die BZ-Redakteure Karl Heidegger und Florian Kech nicht einmal 20 Minuten von Kirchzarten ins Pressehaus an der Basler Straße gebraucht – und waren damit schneller als an anderen Werktagen.

Die entspannte Situation dürfte auch damit zu tun haben, dass sich Südbaden gewissenhaft auf die potenziell prekäre Verkehrssituation vorbereitet hat. Und vor allem haben die Menschen östlich von Freiburg die Medienberichte zum drohenden Superstau offenbar sehr ernst genommen und ihre Fahrten entsprechend umgeplant.

Ob dies so anhält? Der Engpass an der Leo-Wohleb-Brücke bleibt noch bis im Oktober bestehen.

von Andreas Peikert und der BZ-Online-Redaktion
am Di, 30. Juli 2013

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