Langes Bangen nach dem Skiurlaub

Ein Vater will seinen Sohn testen lassen und erlebt eine Odyssee / Gesundheitsamt überlastet.

KREIS WALDSHUT. Die erlösende Nachricht kam am vergangenen Donnerstagnachmittag kurz vor halb fünf. "Das Testergebnis war negativ", sagt Gerald Burgeth aus Eggingen. Das bedeutet, dass sein achtjähriger Sohn, der nach dem Skiurlaub der Familie im Februar in Südtirol Grippesymptome aufwies, sich nicht mit dem Coronavirus angesteckt hat. Bis zur Entwarnung erlebte die Familie aus dem Wutachtal laut eigener Aussage mehrere bange Tage. Zu viele Tage, wie Gerald Burgeth findet.

"Drei Tage – das kann es nicht sein. Wir mussten betteln, dass wir zum Testen durften", sagt der Familienvater. Drei weitere Tage habe es nach dem Test gedauert, bis Burgeth über das Ergebnis informiert wurde. In einer E-Mail an den Leiter des Gesundheitsamts Waldshut, erhebt Gerald Burgeth Vorwürfe gegen die Behörde. Dabei hat ihn, wie er sagt, weniger die Sorge um sein Kind umgetrieben, das inzwischen "wieder quickfidel ist", sondern die Schule des Achtjährigen."Die Grundschule Eggingen ist in ihren weiteren Entscheidungen abhängig vom Ergebnis dieser Testung", sagt Burgeth und fügt hinzu: "Die große Leidtragende ist die Schulleiterin Birgit Malcha. Sie saß zwischen den Stühlen." Tagelang habe die Pädagogin mit der Möglichkeit gerechnet, dass die Schule geschlossen werden muss, sollte der Achtjährige tatsächlich mit Corona infiziert sein. In dieser Zeit hätten sich alle Kinder, die mit ihm in Kontakt waren, anstecken können. "Für uns war die Wartezeit sehr unangenehm", bestätigt Birgit Malcha auf Nachfrage. Denn nach der Rückkehr von Familie Burgeth aus dem Skiurlaub besuchte der Achtjährige nach den Fasnachtsferien ab 2. März wieder die Schule. "Zu diesem Zeitpunkt galt Südtirol noch nicht als Risikogebiet", sagt der Vater. Nachdem die norditalienische Provinz am 5. März zum Corona-Risikogebiet erklärt worden war, habe die Schulleitung die Familie Burgeth darüber informiert, "dass unser Sohn 14 Tage zuhause bleiben soll". Etwa ab diesem Zeitpunkt entwickelte der Junge auch leichte Symptome: "Kopfschmerzen, Müdigkeit, Halsschmerzen", zählt der Vater auf. Die Schulleitung habe darauf bestanden, dass der Achtjährige auf Corona getestet wird. Ab diesem Moment begann für die Familie eine "Odyssee", wie es Gerald Burgeth umschreibt. Als Erstes wandte sich die Familie telefonisch am 6. März an den Kinderarzt, der einen Test abgelehnt habe, da er nicht entsprechend ausgerüstet sei. Das Gesundheitsamt Waldshut habe die Burgeths daraufhin an den Hausarzt der Familie verwiesen, der sie wiederum zurück an die Behörde verwies. "Wir wurden von einer Stelle zur anderen verwiesen, immer war eine andere Person in der Leitung und jeder hat etwas anderes gesagt", fasst Gerald Burgeth die vielen Telefonate zusammen, die er und seine Frau geführt haben. Drei Tage später erhielt die Familie schließlich einen Anruf des Gesundheitsamts, bei der ihr der Standort des im Landkreis Waldshut neu eingerichteten "Corona-Drive-in" genannt wurde. Dorthin sollten die Burgeths 90 Minuten später kommen, damit dort ein Rachen-Nasen-Abstrich bei ihrem Sohn vorgenommen werden kann. "Es hieß, dass wir das Testergebnis in ein bis zwei Tagen bekommen, doch es dauerte schließlich 72 Stunden", berichtet der Vater, der Chemiker von Beruf ist und die vergangenen Tage von zu Hause gearbeitet hat.

Jürgen Thoß, Leiter des Gesundheitsamts Waldshut, verweist auf die aktuelle Überbelastung in seinem Amt sowie in den externen Laboren. "Was nützt es, wenn wir 200 Abstriche machen, aber kein Labor finden, das die Proben untersucht", sagt er. Zumal die Proben nur begrenzt haltbar seien.

Gesundheitsamt im Telefonstress

Das Gesundheitsamt Waldshut entscheide dabei nach einem vom Robert-Koch-Institut vorgegebenen Auswahlverfahren, wer zuerst getestet wird und wer warten muss. "Es ist nicht willkürlich", betont Susanna Heim, Pressesprecherin des Landratsamts. "Das ist wie in der Notaufnahme. Dort wird ein Herzinfarkt auch vor einem Beinbruch behandelt", veranschaulicht Heim die Vorgabe. Das Gesundheitsamt Waldshut hat zwölf Mitarbeiter. Rund 450 Anrufe gehen derzeit täglich über die Bürgerhotline direkt beim Gesundheitsamt ein. "Wenn das Telefon permanent klingelt, können die Nerven schon mal besonders strapaziert sein", sagt Susanna Heim. Landrat Martin Kistler zeigt Verständnis für Gerald Burgeth, der sich um seinen Sohn und die betroffenen Mitschüler gesorgt hat: "Ich kann es verstehen, wenn man auf heißen Kohlen sitzt." Das mehrmalige Nachfragen des besorgten Vaters, ob das Ergebnis vorliegt, hat den Vorgang nicht beschleunigt, nur notwendige Gesprächskapazität bei uns für andere Betroffene gebunden", schildert Jürgen Thoß seine Sicht der Dinge. Seit Beginn der Corona-Verdachtsfälle im Landkreis Waldshut habe das Gesundheitsamt Waldshut rund 190 Tests (Stand Freitagvormittag) durchgeführt. Susanna Heim ergänzt, dass die Labore die Ergebnisse gebündelt übermitteln. "Im Fall von Familie Burgeth habe ich ihn persönlich innerhalb von 15 Minuten nach dem Ergebniseingang vom negativen Ergebnis in Kenntnis gesetzt", sagt Jürgen Thoß über das Telefonat mit Gerald Burgeth, das dieser als "freundlich" umschreibt. Landrat Martin Kistler wirbt für ein gutes Miteinander zwischen Bevölkerung und Behörden: "Wir müssen Toleranz und Verständnis füreinander aufbringen."
von Juliane Schlichter
am Mo, 16. März 2020

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