Leserbriefe

BEBAUUNG AM ALTENBERG
Ich halte mich an den geleisteten Eid
Zum Leserbrief "Wo bleibt Carolis Einsatz für die Natur?" vom Samstag:
Gerne erfülle ich den Wunsch einiger Vertreterinnen und Vertreter der Bürgerinitiative, meine Position zur geplanten Bebauung am Altenberg darzulegen und tue dies zum wiederholten Mal. Einige Vorbemerkungen vorab:
» Es wurde richtig erkannt, dass der Schutz von Natur und Landschaft eines meiner Herzensanliegen ist und dies wird auch immer so bleiben.
Es ist mir dagegen nicht bekannt, dass sich BI-Vertreter und Bewohner des Altenbergs im Vorfeld des jetzigen Wahlkampfes für Naturschutz vor Ort und darüber hinaus in erkennbarer Weise öffentlich engagiert hätten.
» Ich komme deshalb zu der Einschätzung, dass es den Befürwortern der Nichtbebauung eher um den Fortbestand der privilegierten und ruhigen Abgeschiedenheit ohne neue Nachbarn und um die Vermeidung von mehr Verkehr und Baulärm als um Naturschutzfragen geht.

Und nun zu meiner Auffassung, die sich im Wesentlichen auch mit den Vorstellungen der Verantwortlichen des Lahrer Naturschutzbunds deckt: Weitere Wohnbebauung in der Stadt hat flächenschonend zu erfolgen. Im Innenbereich – wozu der Altenberg gehört und für den in einem Teilbereich bereits ein Bebauungsplan existiert – bebautes Areal zu überplanen, ist allemal besser, als dem Flächenfraß an der Peripherie Vorschub zu leisten.

Im Verfahren und auch flankierend muss allerdings streng darauf geachtet werden,
dass ein neues Verkehrsgutachten für die gesamte Oststadt zu erstellen ist unter Berücksichtigung der drei Schulen, der neu hinzugekommenen Baugebiete Hosenmatten 2.1 und 2.2, Hagedorn sowie des Klinikums, des Ärztehauses und des neuen Caritas-Pflegeheims in der Stefanienstraße,
» dass die bislang von der Stadtverwaltung angestrebten verkehrslenkenden Maßnahmen unverzüglich umgesetzt werden,
dass die Vorgaben des Fachbüros "Faktor Grün" zum Natur- und Artenschutz konsequent eingehalten, umgesetzt und durch ein mehrjähriges Monitoring ergänzt werden, und das nördlich gelegene FFH-Gebiet in keiner Weise beeinträchtigt werden darf,
» dass im Verfahren eine weitere Reduzierung der Verdichtung (im Zuge der Bebauungsplanaufstellung) angestrebt wird,
dass Festsetzungen des Bebauungsplans konsequent eingehalten und Verstöße sofort empfindlich geahndet werden,
dass die Abwasserprobleme sowie die Erschließung durch den Vorhabensträger zu regeln sind und
dass sichergestellt wird, dass während der Bauzeit die Beeinträchtigungen der Anwohner so gering wie möglich gehalten werden, das heißt, dass die Bebauung aus einem Guss zu erfolgen hat.

Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass bei Stillstand die Gelder aus dem Erlös des Gebiets nicht sozialen Zwecken zufließen können und außerdem Sanierung sowie Erhalt der beiden denkmalgeschützten Häuser gefährdet sind. Im Verfahren werde ich mich – zusammen mit meiner Gemeinderatsfraktion – für die Einhaltung der genannten Punkte einsetzen. In den 42 Jahren meiner bisherigen Tätigkeit im Gemeinderat habe ich mich – bei manchmal schwierigen Abwägungen – stets an den geleisteten Eid, dem Wohl der Stadt zu dienen, gehalten. Für die Interessenslage am Altenberg habe ich Verständnis, sie dient aber nach meiner Auffassung nicht dem Gemeinwohl. Deswegen werde ich mit Nein stimmen.
Dr. Walter Caroli, Lahr

von Dr. Walter Caroli, Lahr
am Mo, 06. März 2017

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