Liebenstein, Ludwig August F. Freiherr von

Liebenstein, Ludwig

August F. Freiherr von
Geb. 27.11.1781 in Birkenfeld, gest. 26.3.1824 in Durlach. Oberamtmann in Lahr, Abgeordneter der II. badischen Kammer und Ehrenbürger der Stadt. Aufgewachsen in Birkenfeld und Emmendingen, nach juristischem Studium seit 1803 in badischen Staatsdiensten. 1808 Hofgerichtsrat in Mannheim. Nach kurzzeitigem Ausscheiden aus dem Staatsdienst Wiederverwendung ab 1811 als Oberamtmann in Hornberg, seit März 1812 Oberamtmann in Lahr (Bezirksamt). 1818 im Wahlkreis Emmendingen zum Kammerabgeordneten gewählt, 1820 Versetzung zur politischen Disziplinierung als Oberhofgerichtsrat nach Mannheim. 1821 geheimer Referendar im Innenministerium, 1822 Kreisdirektor in Durlach. Liebensteins Tätigkeit in Lahr konzentrierte sich stark auf die administratorische (Re)Organisation und finanzielle Konsolidierung der Stadt, die in der Zeit von Revolution und Krieg stark in Unordnung geraten war. Während der sogenannten Befreiungskriege 1813/14 organisierte und führte er die Landsturmeinheiten im Lahrer Raum und trat ebenso wie in den Folgejahren als Militärschriftsteller hervor. Auf dem Schutterlindenberg hielt er von 1814 bis 1818 jährlich am 19. Oktober öffentliche Versammlungen zum Gedenken an die Völkerschlacht bei Leipzig (1813) ab, wo er sich mit großer rhetorischer Begabung für die nationale Einheit und Stärke Deutschlands, zunehmend auch für die liberale Verfassungsbewegung aussprach.

Liebenstein war "einer der ersten gewesen, die den folgenreichen Bund dieser Weltanschauung (des Liberalismus) mit dem nationalen Einheitsgedanken vollzogen haben" (Franz Schnabel). Mit seinem Eintritt in die II. Kammer wurde Liebenstein zum ersten Führer der liberalen Parlamentsopposition und brachte einen Antrag auf Trennung der Justiz von der Verwaltung ein. Nach der Zwangsschließung des Parlaments und Liebensteins Versetzung nach Mannheim wurde ihm die Teilnahme an der 1820 wieder zusammengetretenen Kammer dienstrechtlich untersagt. Von 1822 an wurde eine zunehmende Distanz zur neuen und radikaleren Kammeropposition um von Itzstein deutlich, was ihn nicht vor einer erneuten und letzten Strafversetzung nach Durlach schützte.

Liebenstein wurde ehrenhalber 1818 das Bürgerrecht der Stadt Lahr verliehen, was den Intentionen der späteren Ehrenbürgerrechtsverleihung entsprach. Mit der Liebensteinstraße in Lahr erinnert seit 1972 eine Straße an den bedeutendsten "Landrat" in der Lahrer Geschichte. Alle bisher erschienene Beiträge finden Sie im Internet unter der Adresse www.badische-zeitung.de/lahr-lexikon

von tmi
am Mo, 11. Januar 2010


Badens beste Erlebnisse