Maier, Meier, Mayr – die Schreibweisen im Breisgau

BZ-SERIE: Sprachwissenschaftler Konrad Kunze befasst sich mit häufigen Namen, die in der Region vorkommen.

BREISGAU. Bereits seit einem Vierteljahrhundert befasst sich der Freiburger Sprach- und Literaturwissenschaftler Konrad Kunze mit der Herkunft unserer Familiennamen. In der BZ erklärt er in einer Serie, welche Wurzeln Namen haben, die in der Region häufig vorkommen und als typisch gelten. Heute geht es um den Namen Meier und seine verschiedenen Schreibweisen.

Was die Schreibweisen der vielen Meiers angeht, bietet Baden und hier vor allem der Breisgau eine Besonderheit. Der häufige Familienname geht auf die Standesbezeichnung Meier zurück. Ein Meier war der Oberbauer, der im Auftrag des Grundherrn die Aufsicht über die Bewirtschaftung der Güter führte.

In Deutschland gibt es hochgerechnet circa 234 000 Menschen namens Meyer, 104 800 Meier, 96 300 Maier und 90 000 Mayer. Sie nehmen Rang 6, 30, 34 und 39 unter den häufigsten Familiennamen ein. Dazu kommen noch circa 23 900 Mayr, Mair, Meyr und Meir, die fast alle im Allgäu und Lechfeld konzentriert sind.

Um die vielen Meier zu unterscheiden, wurden sie durch Zusätze wie Westermeier, Neumaier, Gerstenmayer, Bachmeyer, Strohmayr und so weiter differenziert. Es finden sich nicht weniger als 6350 verschiedene solche Zusammensetzungen, mit denen insgesamt hochgerechnet 602 700 Personen benannt sind. Die Standesbezeichnung Meier war aber nur einerseits in Norddeutschland westlich der Elbe, anderseits in den südlichsten Regionen der Bundesrepublik sowie in Lothringen, im Elsass, in der Schweiz, in Österreich und Südtirol üblich.

Im mittleren Deutschland hieß die entsprechende Standesbezeichnung Hofmann. Daher sind die circa 318 300 Träger des Namens Hof(f)mann vor allem im mittleren Deutschland von Rheinland-Pfalz und Nordrhein(-Westfalen) im Westen bis nach Sachsen im Osten verbreitet, genau zwischen dem nördlichen und dem südlichen Meier-Gebiet.

Was nun die Schreibweise der aus der Standesbezeichnung Meier entstandenen Familiennamen angeht, so gelten in Norddeutschland Meyer und Meier, so auch im Elsass, in der Schweiz und in Bayern nördlich der Donau. Dagegen schreibt man sich in Württemberg, in Bayern südlich der Donau sowie in Österreich und Südtirol Maier und Mayer. Typisch für Baden, insbesondere für den Breisgau ist es nun, dass hier alle vier Schreibweisen vermischt auftreten.

Die Telefonanschlüsse für Freiburg bezeugen 189 ai, 137 ey, 122 ay und 107 ei. Auch in Ehrenkirchen und Bollschweil finden sich alle vier Schreibweisen unter den häufigsten Namen am Ort, in Gottenheim leben 35 Meier neben 22 Maier, in Gundelfingen 50 Maier neben jeweils 34 Mayer und Meyer, in Pfaffenweiler dominieren die Mayer, in Schallstadt, Bötzingen und Eichstetten die Meier, in Umkirch, Denzlingen, Heuweiler, Kirchzarten und Buchenbach die Maier. Dieselbe Vielfalt zeigt sich auch in den Zusammensetzungen Linsenmeier in Ebringen, Heldmaier in Stegen, Schollmeyer in Eschbach und so weiter. Ein Grund für die Vielfalt der Namensschreibungen liegt sicher auch in der unterschiedlichen Herkunft der Bevölkerung. Ein weiterer, und zwar entscheidender Grund aber ist, dass im Mittelalter am Oberrhein überall noch ausschließlich die Schreibung mit ei und ey gegolten hat, die sich so auch bis heute im Elsass und in der Schweiz gehalten hat. Seit dem späten Mittelalter aber begann sich dann daneben besonders im Breisgau zunehmend die von der österreichischen Kanzlei favorisierte Schreibweise mit ay und ai durchzusetzen.

Alle Teile der Namensserie unter badische-zeitung.de/nachnamen
von koku
am Mo, 23. Januar 2017

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