Wohnquartier Westarkaden

"Man hätte überall etwas schöner machen können"

Ein Rundgang durch das neue Wohnquartier Westarkaden mit Projektentwickler Peter Unmüßig und Vertretern des Bundes Deutscher Architekten.

Manchem Architekten zuckt es in den Mundwinkeln, wenn Peter Unmüßig zwischen den Wohntürmen der Westarkaden steht und von "Häuschen" und "Caféle" spricht. Aber der Projektträger liebt nun einmal die Verkleinerungsform, auch wenn seine Zuhörer zum Teil unter der gewaltigen Baumasse dieses neuen Stadtteilzentrums stöhnen. Gekommen ist an diesem Tag der Bund Deutscher Architekten, der sich als Wahrer guter Architektur versteht, um sich von Unmüßig sein 120 bis 130 Millionen Euro schweres Projekt (90 Millionen kostet der Wohnkomplex, 30 bis 40 Millionen ein geplanter Büroturm für die Uniklinik) zeigen zu lassen – und mit ihm zu diskutieren, ob hier nicht zu dicht und zu billig gebaut worden sei.

Zu dicht gebaut? Die acht Geschosse entlang der Berliner Allee, dazu die lange, zum Glück inzwischen unterschiedlich gestaltete Fassade wirken wie eine Mauer nach Westen. Die riesige offene Hochgarage in der Mitte dieser Mauer ist alles andere als ein städtebauliches Glanzlicht, da sind sich alle einig. Aber um all die Autos unterzukriegen, hätte es einer zweigeschossigen Tiefgarage bedurft. Nicht bezahlbar, sagt Unmüßig. Die finanziellen Zwänge wird er im Laufe der Diskussion noch öfter anführen, auch andere bindende Vorgaben. So stoßen sich manche Architekten daran, dass die Front längs der Berliner Allee eine regelrechte Abseite ist, wo es nur Notausgänge für die Läden gibt, aber keine Schaufenster, wo sich viele Wohnungen nicht für den Blick nach Westen öffnen, sondern hinter Laubgängen liegen. Unmüßig verweist auf die Straßenbahntrasse, die zwischen Straßen und Gebäuden geplant ist, auf den starken Verkehr der Berliner Allee und den großen Lärm – all das habe baurechtlich keine andere Lösung erlaubt.

Die Westarkaden bilden parallel zur Berliner Allee eine neue Straße, die Unmüßig natürlich ein "Gässle" nennt. Diese Passage überrascht viele, weil sie auch der Idee eines neuen Stadtteilzentrums entspricht. Und die Baumasse, die bald vom geplanten 13 Stockwerke hohen Turm der Klinikverwaltung an der Breisacher Straße noch gesteigert wird, ist nicht für jeden Architekten ein Aufreger. Obwohl die Dichte enorm ist, als wäre man in der Innenstadt: Rein rechnerisch ist das gesamte Grundstück mit 2,7 Vollgeschossen überbaut. Zusammen sind das 70 000 Quadratmeter Nutzfläche. Hätte es nicht weniger sein können, wird gefragt. Immerhin hatte die Stadt an gleicher Stelle schon mal einen Büropark mit 90 000 Quadratmeter Nutzfläche vorgesehen, hält Unmüßig entgegen. Und dann legt er in großer Offenheit seine Kalkulation dar, stellt Baukosten, Grundstückspreis und die Mühen, das Projekt überhaupt in seiner Geschlossenheit zusammenzubekommen, den 102 Millionen Euro seiner Geldgeber, eines Immobilienfonds und einer Pensionskasse, sowie deren Erwartungen auf ordentliche Rendite gegenüber. Sein Ziel seien bezahlbare Mietwohnungen gewesen, Luxusappartements gingen an diesem Standort nicht. Zwischendrin lässt er kurz seinen Ärger über die Stadtplanung ab, die für dieses brachliegende Gelände, an der sich in den vergangenen 20 Jahren schon sechs Projektträger verhoben hätten, kein Konzept entwickelt habe. Er habe sich doch gar nicht vorgedrängt, beteuert er, man habe ihn gefragt, ob er sich der Sache annehmen wolle. Und da habe er sich dem "Städtle" verpflichtet gefühlt, zumal er in der Nachbarschaft geboren sei. Doch dann sagt er auch: "Ich würde dieses Projekt heute nicht mehr machen."

Vom Gesamtkonzept der Westarkaden ist er immer noch überzeugt, baut Ähnliches in anderen Städten. Hätte er nicht mehr Aufwand im Detail treiben können? Die Architekten kritisieren die Gliederung der Einzelgebäude, die Fassadengestaltung, den billigen Steinbelag des "Gässles". Ja, sagt Unmüßig zur Überraschung mancher, "man hätte an allen Ecken und Enden etwas schöner machen können – keine Frage." Aber dieser Ehrgeiz endet an der nächsten Kalkulation – das Schönere hätte zu teueren und schwerer vermietbaren Wohnungen geführt, ein Risiko, das wohl auch die Geldgeber nicht eingegangen wären. Denn am Ende, das ist der Boden von Unmüßigs Argumentation gegenüber den Architekten, muss sich das Ganze rechnen – einschließlich der Rendite für Investoren und Projektträger.
von Wulf Rüskamp
am Sa, 16. März 2013

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