"Man muss Ziele und Visionen haben"

BZ-SERIE: Markus Riesterer ist ehrenamtlicher Bürgermeister von Horben und war auch schon hauptamtlicher Rathauschef in Sölden.

BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Der Landkreis steckt voller Meister – und hinter jedem Titel steckt eine spannende Geschichte. Heute: Markus Riesterer, Bürgermeister der Gemeinde Horben. Was für ihn den Reiz des Amts ausmacht, erzählte er Julius Steckmeister.

BZ: Wie kommt man auf die Idee, Bürgermeis ter werden zu wollen?

Riesterer: Die Idee zum Traumberuf verfestigte sich im Laufe meines Studiums an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl. Zunächst wurde ich jedoch Hauptamtsleiter im Söldener Rathaus, habe mir aber parallel schon ein paar Gemeinden angesehen, wo in absehbarer Zeit Wahlen ins Haus stehen würden.

BZ: Nach welchen Kriterien sind Sie vorgegangen? Und was wäre für Sie so gar nicht in Frage gekommen?

Riesterer: Man muss zur Gemeinde passen, sich also ehrlich fragen, was man will – auch strukturell: städtisch, ländlich, eher intellektuell. Ich habe mir Ortschaften in der Größenordnung von etwa 5000 Einwohnern zumeist im Bodensee-Kreis angesehen, und zwar ausschließlich solche, die keine Teilorte haben. 10 000 oder 15 000 Einwohner, nein, das wollte ich nicht. Was für mich von vornherein auch nicht in Frage kam, war gegen einen Amtsinhaber anzutreten. Ich habe mich also auf Gemeinden konzentriert, in denen der bisherige Bürgermeister nicht mehr kandidierte.

BZ: Und wurden schließlich Bürgermeister einer 1200-Seelen-Gemeinde im Hexental...

Riesterer: Weil mein Vorgänger während seiner Amtszeit verstorben ist. Sölden hatte mir gut gefallen, und mittlerweile kannte ich auch die Struktur der Gemeinde und mochte sie. Etwas plötzlich kam die Entscheidung aber doch. Als ich dann zusätzlich zum ehrenamtlichen Bürgermeister von Horben gewählt wurde, war ich schon deutlich aufgeklärter. 2009 wechselte ich als Geschäftsführer zum Gewerbepark Breisgau. Damit war klar, dass der Bürgermeisterberuf künftig auf die ehrenamtliche Stelle reduziert würde. Das Fachliche, das kann ich schon und mache auch viel von daheim, aber so präsent wie ein hauptamtlicher Bürgermeister konnte ich in Horben nicht mehr sein.

BZ: Apropos Präsenz – wie viel Kondition in Sachen Veranstaltungsbesuche und Termine braucht ein Bürgermeister? Und was halten die Bürger davon, wenn der Rathauschef nicht im Ort wohnt?

Riesterer: (lacht) Es gibt Bürgermeister, die Veranstaltungsmuffel sind. Ich bin es nicht. Das Jahreskonzert des Musikvereins beispielsweise besuche ich so gerne wie am ersten Tag, und die Affinität zur Feuerwehr ist in meinen Genen (Markus Riesterer ist aktiver Feuerwehrmann und war zehn Jahre lang Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands, Anmerkung der Redaktion). Klar, manche Dinge nutzen sich ab, aber mir fällt es nicht schwer, irgendwo hinzugehen. In Sölden habe ich auf keinem Termin gefehlt, obwohl ich auch dort nie gewohnt habe. Am Ort zu wohnen, das war vielleicht in den 50er Jahren noch wichtig. Seinerzeit war aber auch kaum denkbar, dass der Bürgermeister nicht aus der Gemeinde stammt. Heute zählt in erster Linie erfolgreiche Arbeit. Wenn das funktioniert, ist der Wohnort eher zweitrangig.

BZ: Welche Qualitäten sollte ein Bürgermeister Ihrer Meinung nach mitbringen – neben Ausdauer beim Feiern?

Riesterer: Man braucht schon mehr Nehmerqualitäten als in vielen anderen Berufen, denn hin und wieder ist der Umgang schon grenzwertig. Immer öfter werden beispielsweise Einzelinteressen von Bürgern als Allgemeinwohl verpackt und oft sehr heftige Geschütze aufgefahren. Geradlinigkeit ist da sehr wichtig – auch als Selbstschutz. Und für Menschen, die keine Gestaltungskraft haben, sondern lieber bloß Zahlen rauf und runter rechnen, ist es vielleicht auch nicht der richtige Beruf. Es braucht Theorie, Praxis, Bodenhaftung und Kreativität – und das "Bürgermeister-Gen". Man muss Ziele und Visionen haben, wo man mit einer Gemeinde hin will, und das Talent, die Bürger dahin mitzunehmen. Das Schönste an dem Amt ist, dass – wenn auch Verwaltung und Gemeinderat gut aufgestellt sind, und man sie überzeugen kann, mitzuziehen – man sehr viel auf den Weg bringen kann.

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von just
am Di, 16. Oktober 2018

ZUR PERSON: Markus Riesterer

Markus Riesterer (50) ist verheiratet und wohnt in Staufen. Nach Ausbildungen zum Polizeibeamten und zum Bankkaufmann absolvierte er ein Studium als Justiz- und Verwaltungswirt an der Hochschule in Kehl. Riesterer ist Verbandsdirektor des Zweckverbands Gewerbepark Breisgau und seit März 2017 Geschäftsführer der Badenova-Tochter Badenova Konzept. Als er 1999 zu Söldens Rathauschef gewählt wurde, war er gerade mal 30 Jahre alt und damit seinerzeit einer der jüngsten Bürgermeister im Lande. 2003 wurde er parallel zum ehrenamtlichen Horbener Rathauschef gewählt. Während Riesterer die Aufgabe in Sölden nach dem Ende seiner zweiten Amtszeit 2009 niederlegte, wird er noch bis Februar 2019 im Horbener Rathaus anzutreffen sein. Für eine weitere Wahlperiode will sich Riesterer aus beruflichen Gründen auch hier nicht mehr zur Verfügung stellen.  

Autor: just

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