Südbadener in Rio (4)

Marie-Laurence Jungfleischs Sprung in die Weltelite

Die aus Freiburg stammende Marie-Laurence Jungfleisch überquert beim Hochsprung-Sportfest in Eberstadt erstmals die Zwei-Meter-Marke. Nun ist die 25-Jährige eine Medaillenkandidatin bei Olympia.

FREIBURG. Diesen 16. Juli 2016 dürfte Marie-Laurence Jungfleisch bis zu ihrem Lebensende nicht vergessen. Am Samstag, beim 38. internationalen Hochsprung-Sportfest in Eberstadt, überquerte die aus Freiburg stammende 25-Jährige die Zwei-Meter-Marke. Als 58. Sportlerin in der Welt schaffte sie das im Freien – und als achte Deutsche. "Wenn ich in Rio eine ähnliche Leistung bringe, werde ich um eine Medaille kämpfen", sagte sie freudestrahlend nach ihrem Coup.

Die Höhe von zwei Metern im Frauen-Hochsprung ist in etwa mit einem 100-Meter-Sprint unter zehn Sekunden bei den Männern vergleichbar. Oder mit einem Sieben-Meter-Satz im Weitsprung der Frauen. Wer diese Marken erreicht, für den geht in aller Regel ein lang gehegter Traum in Erfüllung.

Das ist bei Marie-Laurence Jungfleisch nicht anders. Und wie feiert man so einen Meilenstein seiner Sportkarriere? Mit Essen. Auf Facebook hat Jungfleisch ein Foto gestellt, das sie beim Verzehr ihrer Lieblingschips zeigt. Kurz nach dem Wettkampf. Man gönnt sich ja sonst nichts. "Ich liebe es. So ein schöner Tag", lautet ihre Kurzbotschaft. Leichtathleten, das sagt schon das Wort, müssen in vielen Disziplinen leicht sein. Speziell Hochspringerinnen. Die Erzieherin, die vor Wochen ihr Fachabitur abgelegt hat, gehört nicht zu den Superleichten. Also sind Chips auch die absolute Ausnahme. Eine Belohnung.

Eberstadt, dieses Meeting, liebt die in Paris geborene Marie-Laurence Jungfleisch. Die Sportler können zu einer von ihnen zuvor ausgewählten Musik springen. Und überhaupt: Die Stimmung in der 3350-Seelen-Gemeinde bei Heilbronn, die in Sachen Sport lediglich über das Hochsprung-Meeting bekannt wurde, ist außergewöhnlich. Das durfte Jungfleisch, die im Herbst 2010 aus Freiburg wegzog, um in Stuttgart unter Coach Tamas Kiss zu trainieren, schon im vergangenen Jahr erfahren. Damals gewann sie auch in Eberstadt – mit der übersprungenen Höhe von 1,96 Metern.

Dieses Mal packte Jungfleisch, die seit dieser Saison für den VfB Stuttgart startet, noch vier Zentimeter drauf. "Ich war gut drauf", das merkte sie früh. Über 1,80, 1,84, 1,87, 1,90 und 1,93 Meter schaffte sie es problemlos im ersten Versuch. Die 1,96 Meter überquerte sie dann erst mit dem dritten und letzten Sprung. Da die höhengleiche Polin Kamila Licwinko 1,98 Meter ausließ, tat sie es auch. Dass sie kaum Zeit hatte, um sich nach den 1,96 Metern auf die zwei Meter zu konzentrieren, entpuppte sich nicht als Nachteil. "Ich brauche wenig Pause und kann auch bei einem einstündigen Training etwa 25 Sprünge machen", sagt die Athletin. Der erste Versuch über zwei Meter misslang noch. Doch dann lief sie erneut an, katapultierte ihre Beine hoch hinaus, der Kopf flog über die Latte, die Schultern folgten, sie legte sich ins Hohlkreuz, klappte die Unterschenkel nach oben – und freute sich nach der Landung auf der Weichbodenmatte.

Jubelnd zum Trainer und zur Familie

Jubelnd rannte sie danach in die Arme ihres Trainers Tamas Kiss, von Eberstadt-Macher Peter Schramm, von Vater, Mutter und dem ältesten Bruder (23), die sich auf der Tribüne mitfreuten. Und Dieter Göggel, Abteilungsleiter Leichtathletik beim VfB, war ganz aus dem Häuschen: "Heute hat Marie für den VfB Stuttgart mehr positive Schlagzeilen gebracht als die Bundesliga-Kicker im ganzen Jahr."

Das könnte sich wiederholen, wenn Marie-Laurence Jungfleisch am 18. August bei Olympia in Rio zur Qualifikation antritt und dann wahrscheinlich am 20. August zum Finale. Denn mit ihren zwei Metern steht sie nun auf Platz zwei der Weltjahresbestenliste. Nur die US-Amerikanerin Chaunté Lowe hüpfte in diesem Jahr noch einen Zentimeter höher.

Mit dem 16. Juli 2016 gehört die in Freiburg aufgewachsene Sportlerin endgültig zur Weltspitze im Frauen-Hochsprung.

Und vielleicht benennt sich der VfB dann sogar um: Aus Verein für Bewegungsspiele könnte Verein für Beste werden. Und das wegen einer Südbadenerin. Heilig’s Blechle.

Die Rio-Starter aus der Region auf http://mehr.bz/suedbadenerinrio
von gg
am So, 17. Juli 2016 um 18:50 Uhr

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