Marktbesuch mit Pinsel und Hammer

Bei seiner Rundtour über den "Markt der Möglichkeiten" in Müllheim zeigt sich Stefan Mappus auch von seiner spontanen Seite.

MÜLLHEIM. Carmen Matt ist immer noch aus dem Häuschen. "Das war superklasse, wie er reagiert hat!" Vor einer halben Stunde hat die Vorsitzende der Lebenshilfe es geschafft, den Ministerpräsidenten von seiner festgelegten Route über den Müllheimer "Markt der Möglichkeiten" zu ihrem Stand locken – und mehr als das: Er hat sich sogar auf einem Bild verewigt, das demnächst zugunsten der Lebenshilfe versteigert werden soll.

"Ich habe gesehen, dass er gerade interviewt wurde, bin schnell hin, und habe ihn einfach an unseren Stand eingeladen", erzählt Carmen Matt und lächelt. Mappus ließ sich nicht lange bitten, schließlich hatte er in seiner Rede gerade noch den Wert des Ehrenamts hervorgehoben. Und so taucht er keine Minute später den Pinsel in rote Farbe, um dann konzentriert ein Herz auf das bereits begonnene Bild zu malen. "Ein Pinselstrich für die Lebenshilfe" heißt die Aktion, die die Müllheimer Initiative vor der Martinskirche anbietet. Dort werden mit Hilfe der Künstlerin Diana Beschle Outdoor-Bilder gemalt. Während der Ministerpräsident nun auch noch mit Edding eine persönliche Widmung auf dem Bild anbringt steht der Tross des Ministerpräsidenten geduldig wartend im Hintergrund – neben Landrätin Dorothea Störr-Ritter, den Bürgermeistern René Lohs und Fritz Deutschmann sind das mehrere Personenschützer, der Pressesprecher der Landesregierung, Mappus’ Referentin und natürlich zahlreiche Presseleute.

Auch Joachim Scheil, der Kurator der Stiftung Denkmalschutz in Müllheim hat Glück: An seinem Stand kann man zugunsten der Stiftung Nägel in einer Figur klopfen, drei Stück für einen Euro. Er hält Mappus den Hammer hin und der greift bereitwillig zu. "Frechheit siegt, hab ich mir gedacht", erzählt der ehemalige Kunsterzieher und schmunzelt: "Das mit dem Euro hat der Ministerpräsident übersehen, aber irgendwo muss er ja anfangen zu sparen." Überall recken die Leute auf dem trotz des grauen Wetters gut besuchten "Markt der Möglichkeiten" die Köpfe, als Mappus samt Tross vorüberzieht. "Das ist der Chef von ganz Baden-Württemberg", flüstert ein Vater seiner kleinen Tochter zu. Und Mappus zeigt, dass er keine Berührungsängste hat. Hier ein Witz, dort eine flapsige Antwort – souverän und locker reagiert er auf die zum Teil unterwartet direkten Begegnungen mit den Markgräflern, von denen ihm einige spontan die Hand schütteln.

Viel Luft für Spontaneität hat der Ministerpräsident allerdings nicht. Die zu besuchenden Stationen sind vorab festgelegt, der Zeitplan ist straff. Erste offizielle Station ist der Stand des Baden-Württembergischen Landesmuseums, wo dem Ministerpräsidenten die Ausstellung "Freud und Leid in Dur und Moll" ans Herz gelegt wird. Mappus lauscht, lobt kurz die Arbeit des Museums und weiter geht’s. Jetzt kommt das Markgräfler Museum, flüstert die Assistentin Mappus’ auf dem Weg dorthin zu, dort gebe es eine gute Ausstellung zur Geschichte des Markgräflerlandes. Das Museum ist gut besucht, das obere Stockwerk ist allerdings menschenleer. Dort wartet bereits Museumsleiter Jan Merk, der dem Ministerpräsidenten ebenso kurz gefasst wie launig das Museum präsentiert. Merk stellt die multimediale Ausstellung vor, Mappus schaut sich kurz den Müllheimer "Bähnlefilm" an, dann blickt er wieder lächelnd auf, damit die Fotografen ihre Bilder schießen können. Die Kameras blitzen mit neuer Begeisterung, denn eben schiebt sich noch ein Auggener Trachtenpaar mit ins Bild. Bürgermeister Fritz Deutschmann hat die beiden eingeladen. Er überreicht dem Ministerpräsidenten im Museum eine Heimattage-Sonderabfüllung Auggener Schäf – was vielleicht erklärt, weshalb er neben Gastgeber René Lohs als einziger Bürgermeister bei der etwas anstrengenden Tour durchgehalten hat. Der Rundgang klappt ansonsten wie am Schnürchen, die Organisatoren sind zufrieden. Einziges Malheur ist der Termin am Stand von Bühl, dem nächsten Ausrichter der Heimattage: Weder der Bürgermeister noch die angekündigte Zwetschgenkönigin sind da. Eine Bühler Mitarbeiterin reicht Mappus tapfer schon mal einen Flyer zu den Heimattagen 2011, den er mit einem Schmunzeln an seiner Mitarbeiter weitergibt: "Da könnt ihr gleich schon mal die Termine eintragen."

Abschluss am Bürgerhaus. Thomas Basler von der WG Auggen serviert Wein, das Badnerland Quartett sorgt für beschwingte Musik und auch der Bühler Bürgermeister sowie die Zwetschenkönigin finden sich nun ein. Die Biertische und Essenstände am Bürgerhaus sind gut besucht, die Besucher kommentieren mit Interesse den Auftritt des neuen Ministerpräsidenten, der Currywurst mit Pommes serviert bekommt. "Er isst seine Pommes mit wahrer Wollust", kichert eine 76-Jährige. "Das hätt’ jetzt aber was wenigstens ein Schäufele sein können", moniert eine Müllheimerin. Zu Mappus nicht gerade regionaler Wahl mag aber auch die Heimattage-Speisekarte am Bürgerhaus beigetragen haben: Dort stehen Penne, Carpaccio und Garnelen an vorderster Stelle.
von Katharina Meyer
am Mo, 17. Mai 2010

Badens beste Erlebnisse