Marmorstein und Flex

ZUM ERSTEN, ZUM ZWEITEN, ZUM HELFEN: Der Stoff, aus dem Bernd Warkentins Träume sind.

LÖRRACH. Zwei Dutzend Künstler beteiligen sich an der Aktion "Zum Ersten, zum Zweiten, zum Helfen" zugunsten der BZ-Weihnachtshilfe. Sie stellen Arbeiten zur Verfügung, die am 19. November bei einer öffentlichen Veranstaltung in der Volksbank verkauft oder versteigert werden. Die BZ stellt in einer Serie die beteiligten Künstler vor, heute Bernd Warkentin.

Für seine Skulpturen  benutzt Bernd Warkentin am liebsten Marmor, und zwar den aus Pietrasanta, den auch Michelangelo bearbeitet hat. Das ist nicht das Einzige, was der Lörracher und der einflussreiche Künstler der italienischen Hochrenaissance gemeinsam haben. Auch Warkentin hat zu Beginn seines Schaffens die Steine  mit Hammer und Meißel gehauen. Damals war er 55 Jahre alt und arbeitete noch als Oberarzt in der Gynäkologie des Kreiskrankenhauses.

Irgendwann, so erzählt Warkentin, habe es ihn dann gereizt, sich der Flex und der Diamanttrennscheibe zu bedienen. Er habe dann schnell gemerkt, dass er damit viel genauer arbeiten könne und seine Ideen sich schneller verwirklichen ließen. Er habe zwar immer wieder vorgehabt, zum "Handwerk" zurückzukehren, aber "Michelangelo rückt in weite Ferne." Inzwischen ist der gebürtige Siegener im Umgang mit dem Elektrowerkzeug ein richtiger Meister geworden. Das attestierte ihm sein italienischer Lehrer regelmäßig und lobt "Bravo Bernd".

Wenn Warkentin die Oberfläche einer Skulptur in sieben Gängen mit unterschiedlich feiner Körnung glatt schleift, dann macht er das natürlich per Hand. Das sei für ihn  eine Art "Ernte-Einsatz", denn dabei komme die Marmorierung des Steins erst zum Vorschein und  seine Oberfläche erhalte dann den wunderschönen Schimmer. Bei diesem Vorgang kommt der Künstler auch am unmittelbarsten mit dem Stein in Berührung. Nur dünnes Sandpapier trennt seine Hand beim Schleifen von der Skulptur.

Warkentin wollte neue Wege gehen und eigene Ideen verwirklichen. Vom Stein ließ und lässt er sich nie inspirieren. Er sucht letztlich die Schönheit in einer Skulptur, ist sich aber durchaus bewusst, dass dieser Begriff heutzutage in der Kunst  problematisch ist.  Dennoch, er bleibt dabei:  Seine Skulpturen sollen das Schönheitsempfinden des Betrachters ansprechen. Sein bevorzugtes Sujet sind Kombinationen aus Marmorteilen mit ähnlicher oder gleicher Form, aber unterschiedlicher Färbung. Je kontrastreicher die Farbe, desto besser. Das Sich-gegenseitig-Umschlingen macht den Reiz der Skulpturen aus.  "Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile", stellt der Künstler fest. Den Moment, in dem er die Elemente das erste Mal zusammenfügt,  bezeichnet er als den befriedigendsten Teil seiner Arbeit.

Mit dieser Art von Plastiken ist es ihm gelungen, in Lörrach einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erreichen. Das hatte er nach eigenen Angaben so gar nicht angestrebt, als er mit der Künstlergruppe Osso Duro erstmals Arbeiten auf Burg Rötteln ausstellte. Damals benutzte er noch Holz. Doch dieser Werkstoff war nichts für ihn. "Inzwischen klebe ich  am Marmor", berichtet Warkentin, "ich kann mir gar nichts anderes mehr vorstellen." Manchmal darf es auch ein anderer, noch  wertvollerer Stein sein - zum Beispiel der  Onyx, aus dem der stilisierte "Stier" gefertigt ist, den Warkentin  zur Versteigerung bei der BZ-Kunstaktion freigibt. 630 Euro ist das Mindestgebot. 

Wenn er nicht in seinem Atelier in den ehemaligen Büroräumen von Schöpflin in Brombach arbeitet, engagiert er sich beim Verein Bildende Kunst oder als Mitglied der Künstlergruppe Polygon. Er spielt Klavier oder beschäftigt sich mit Musikgeschichte und der Frage, warum die Natur den Menschen so eingerichtet hat, dass diese ihm so wichtig ist.
von Barbara Ruda
am Mi, 26. Oktober 2011

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