Massagen für die Mitarbeiter

BZ-SERIE (TEIL 3):Wie Unternehmen um qualifizierte Angestellte kämpfen – das Beispiel der Hochschwarzwälder Firmen Testo und Framo Morat.

Momentan ist bei Testo noch alles in Ordnung. Das Durchschnittsalter der Belegschaft liegt bei moderaten 37, 5 Jahren. Stefanie Dörflinger, die Pressesprecherin des Unternehmens, spricht von einem "ausgewogenen Mix von Jung und Alt". Wie das in Zukunft aussieht, kann sie nicht vorhersagen. Allerdings: Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland wird stark zurückgehen. Firmen werden sich etwas einfallen lassen müssen, um dem Wandel bei ihrer Personalentwicklung zu begegnen.

Der Messartikelhersteller Testo setzt dabei nicht nur darauf, junge Mitarbeiter zu gewinnen. Die Firma will auch die, die da sind, in guter Form und bei Gesundheit halten. So kümmern sich drei Fitnesstrainerinnen um das Befinden der Belegschaft (siehe Interview). Es werden drei bis vier Kurse am Tag angeboten. Sie finden in unternehmenseigenen Gebäuden statt, sowohl in Titisee als auch in Lenzkirch. Es gibt sogar physiotherapeutische Massagen für Mitarbeiter. Die Überlegung ist einfach wie effizient: Beschäftigte bleiben gesund und motiviert bis ins höhere Alter. Mit Fitness gegen den Demografischen Wandel.

Neben der Gesundheit der Mitarbeiter soll das auch das Betriebsklima verbessern. Dazu gehört neben Massagen auch, dass die Firma versucht, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern. Für Beschäftigte mit Kindern gibt es das Angebot einer Elternteilzeit, die – entgegen alten Rollenbildern – auch Männer nutzen. Darüber hinaus gibt es verschiedene Teilzeitmodelle. Außerdem kooperiert Testo mit dem Kinderhaus in Lenzkirch. Das Haus betreut Kinder schon vom Alter von nur drei Monaten an. Dadurch sei es viel einfacher, einen Kindergartenplatz in Lenzkirch als zum Beispiel in der Stadt Freiburg zu bekommen, sagt die Pressesprecherin.

Auch bei Framo Morat in Eisenbach ist sich die Personalleitung der demografischen Veränderungen bewusst. Der Antriebstechnik-Spezialist hat ebenfalls eine ganze Reihe von Ideen, um den Folgen des Wandels entgegenzuwirken.

Die Rechnung der Firmen

lautet: Gute Bedingungen

sprechen sich herum auf
dem Arbeitsmarkt.

Da ist zum einen die betriebliche Gesundheitsfürsorge. Neben Angeboten für körperliche Fitness gibt es hier Kurse für Zeit- und Stressmanagement. Etwa Vorträge über Burnout-Vorsorge. Hinzu kommt die Beratung zur Rauchentwöhnung, die sich besonders an junge Mitarbeiter richtet. Ein nichtrauchender, entspannter Mitarbeiter bleibt dem Unternehmen lange erhalten. Diese Zusatzangebote sollen die Firma außerdem als attraktiven Arbeitgeber bekannt machen. Gute Bedingungen sprechen sich rum auf dem Arbeitsmarkt.

Um an die Spezialisten von morgen ranzukommen,kooperiert die Firma eng mit technischen Hochschulen. Studenten der DHBW (Duale Hochschule Baden-Württemberg) Villingen-Schwenningen, DHBW Lörrach und der Hochschule Furtwangen arbeiten schon während ihres Studiums in dem Unternehmen mit. Wenn sie hier einen guten Eindruck bekommen, stehen die Chancen gut, dass sie auch nach ihrem Abschluss in Eisenbach bleiben wollen.

Mitarbeiter, in denen das Unternehmen Potential sieht und die sich im Beruf weiterbilden möchten, bekommen finanzielle Unterstützung – die Hälfte der Ausbildungskosten wird bezahlt. Und sie werden einige Zeit freigestellt.

Um neue Beschäftigte zu gewinnen und Netzwerke zu bilden, knüpft Framo Morat auch Kontakte zu den regionalen Fußballvereinen. Daher arbeiten überdurchschnittlich viele begeisterte Fußballspieler im Betrieb. All diese Maßnahmen sind aus der Sicht von Ausbildungsleiter Frank Baumgarten dafür verantwortlich, dass das Durchschnittsalter der Belegschaft auf 37,5 Jahre gesenkt werden konnte. Dieses sei für einen Industriebetrieb gering, sagt er. Normalerweise liege es zwischen 43 und 44 Jahren.

Nachwuchsarbeit beginnt aber schon früher. Viel früher. Um die Jüngsten für Technik zu interessieren, hat Framo Patenschaften für zwei Kindergärten übernommen. Das Unternehmen stiftet für die Kinder sogenannte Technikkoffer. Mit ihnen können sie einfache Versuche mit Luft, Wasser oder Magnetismus machen. So soll bereits im frühesten Alter Interesse für Technik und Physik geweckt werden. Jeder Azubi übernimmt außerdem eine Patenschaft für ein Kind.

Die beiden Firmen gehören zu den größten und umsatzstärksten Unternehmen der Region. Massagen für Mitarbeiter und Physikexperimente im Sandkasten – das kann nur der bezahlen, bei dem der Gewinn stimmt. Der Demografische Wandel erhöht aber den Druck auf Firmen, sich gut um ihre Leute zu kümmern. Denn ohne gute Mitarbeiter gibt es dauerhaft garantiert keine schwarzen Zahlen.
von Rafal Piasecki
am Di, 23. April 2013


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