Mehr Teilzeitarbeit und gute Männer

Frauen stellten Angebote für Frauen vor – und äußerten Wünsche zum Internationalen Frauentag auf dem Rathausplatz.

Die vier Wochen alte Paula schreit und lässt sich auch von ihrer Mutter nicht beruhigen. Dass Natascha Kunz ihr die Flasche gibt, hilft nichts. Zum Glück hat Paula einen Knopf, an dem Hannelore Kastner von Donum Vitae sie abstellen kann. Paula ist ein Robobaby, eine Puppe mit Computerchip, an der Jugendliche realitätsnah den Alltag mit einem Säugling üben können. Deshalb hat Paula nicht nur Größe und Gewicht eines vier Wochen alten Kindes, sondern auch dessen Bedürfnisse: Wie ein echtes Baby will Paula gefüttert, gewickelt und getragen werden, sonst schreit sie.

Das Robobaby von Donum Vitae ist eines von vielen Angeboten und Projekten, die gestern anlässlich des Internationalen Frauentages an Ständen auf dem Rathausplatz vorgestellt wurden. Wer sich informieren wollte, musste sich allerdings warm anziehen, denn trotz Sonne war es eisig kalt. Neben Blumen und Bonbons gab es viel Infomaterial über die Arbeit der zahlreichen Freiburger Frauengruppen, -verbände und Institutionen. Deutlich zu sehen: Frauen bedürfen auch im 21. Jahrhundert in vielen Lebensbereichen und Altersgruppen der Unterstützung – als Schülerinnen und Studentinnen, Mütter und Berufstätige. Immer noch gebe es Lücken in der Infrastruktur, es fehle etwa an Kinderbetreuungsangeboten und Frauen verdienten im Schnitt immer noch etwa 22 Prozent weniger als Männer, sagt die Freiburger Frauenbeauftragte Ursula Knöpfle.

Denn auch, wenn inzwischen mehr Frauen als Männer Abitur machen, studieren und sogar die besseren Abschlüsse haben, sind sie im Berufsleben oft benachteiligt: Es gibt nur vier Prozent Frauen in der ersten Führungsebene in Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern, erfährt man zum Beispiel am Stand von Pro Familia. Zusätzlich sind Frauen oft einer Doppelbelastung ausgesetzt, häufig geht bei den Infoständen auf dem Rathausplatz um die Frage, wie man Familie und Beruf vereinbaren kann: "Es fehlt in Freiburg vor allem an Teilzeitstellen", sagt Margaritha Weber vom Helferkreis für Mutter und Kind.

Neben Freiburger Anlaufstellen für Frauen, einigen Parteien und Gewerkschaften präsentierten sich auch internationale Projekte, die Frauen in Entwicklungsländern und Nachkriegsgebieten wie dem Kosovo oder Palästina unterstützen, ausbilden und fördern.

Auch einige Angebote für Männer finden sich, eine Vater-Kind-Kur zum Beispiel. Dass es ohne das starke Geschlecht nicht geht, wissen auch die Freiburgerinnen. An eine Pinnwand am Stand von Pro Familia können sie schreiben, was ihnen in Freiburg fehlt: Neben flexiblen Arbeitszeiten und besserer Unterstützung in der Kinderbetreuung wünschen sich die Freiburger Frauen auch eine größere Akzeptanz von Vätermonaten und "gute Männer".
von Mariette Franz
am Di, 09. März 2010

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