Kunstaktion "Zum Ersten, zum Zweiten, zum Helfen"

Mit der Kettensäge das Wesen freilegen

Zwei Dutzend Künstler aus Lörrach und der Region stellen Arbeiten für die Benefizaktion "Zum Ersten, zum Zweiten, zum Helfen" zur Verfügung. Versteigert werden sie am 27. November. Hier können Künstler und Bilder schon einmal betrachtet werden.

LÖRRACH. Zwei Dutzend Künstler aus Lörrach und der Region stellen Arbeiten für die Benefizaktion "Zum Ersten, zum Zweiten, zum Helfen" zur Verfügung. Bis zur Versteigerung am 27. November präsentiert die BZ jeden Tag das Porträt eines Künstlers oder einer Künstlerin sowie das Werk, das im Rahmen dieser Aktion angeboten wird. Heute mit Maike Gräf.

Noch jung an Jahren, zeigt Maike Gräf bereits eine enorme künstlerische Entwicklung auf. Die Skulpturen der 1976 in Müllheim geborenen Holzbildhauerin überraschen durch ihre außergewöhnliche Materialbearbeitung im Zusammenspiel mit assoziationsreichen, skurrilen und provozierenden Bildfindungen, in deren Zentrum der Mensch, genauer gesagt der Mensch in der Spanne zwischen Geburt und Tod, steht.

Die Künstlerin bearbeitet mit Kettensäge, Hammer und Stechbeitel ganze Baumstämme und schafft segmentär anmutende, rhythmische Vollskulpturen aus konkaven Flächen unterschiedlicher oder gleicher Färbung. Ihre lebendigen, dynamischen Einzelfiguren und arrangierten Szenarien weisen zahlreiche Referenzen zur Pop- und Medienkultur, zur Kunst-, Kultur- und Zeitgeschichte auf und fordern den Betrachter mit einer bisweilen drastischen Formensprache heraus, sich via Auseinandersetzung mit dem spannungsreichen, lebendigen Bilderkanon der Künstlerin in eigene Ideen- und Vorstellungswelten vorzuwagen.

Die spielerische Unbeschwertheit und fröhliche Farbigkeit früherer Arbeiten ist während einer schleichenden Metamorphose verschwunden, in der Gräfs Figuren im ganzen schrumpften, ihre Köpfe aber wuchsen, und anstelle von Hautfarbe, die ihnen Empfindsamkeit gegeben hätte, kaltes Weiß trat. Es scheint, als seien sie zu comic- und insektenartigen Kreaturen mutiert.

Maike Gräf lebt seit zwei Jahren in Berlin. Für ihre Kunst gab es in der Hauptstadt von Anfang an eine große Begeisterung. "Inspirationsstätte" und Ort, an dem sich Galeristen, Künstler und alle möglichen anderen Leute, die mit Kunst arbeiten treffen, ist die internationale Projektwerkstatt für Bildhauer des Bundes der Bildenden Künste BBK, in der Maike Gräf arbeitet. Ausgestellt hat die Trägerin des Markgräfler Kunstpreises 2009 unter anderem schon in Berlin, Hamburg, Essen, Schaffhausen (CH) und bei der Contemporary Art Ruhr.

Maike Gräf: "Melohnung", Pappel, koloriert, mehrteilig, 220 x 90 cm, Mindestgebot 250 Euro
von Barbara Ruda
am Di, 09. November 2010 um 11:44 Uhr

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